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Filmtipps fürs 41. Internationale Dokfest München 2026

Das Dokfest startet mit 106 Dokumentarfilmen aus 49 Ländern in Münchner und Augsburger Kinos und Event-Locations — sowie per Streaming. Infos und Filmtipps von Kameramann Hans-Albrecht Lusznat.



Subjektive Filmauswahl

Die Auswahl der hier 30 vorgestellten Filme erfolgte auf Grund der knappen Beschreibungen in einer ersten Festivalliste und ist natürlich von subjektiven Interessen geleitet. Hätte ich nach Bildern aussuchen können, wäre es vielleicht anders gelaufen. Die Namen der Macher spielen bei der Auswahl keine Rolle, deswegen sind sie hier konsequent weggelassen. Beschrieben und bewertet wird nur das, was man sieht und hört.

SINGING WINGS [Iran, Fremde Welten, Vogelschutz]

Georgien, Belgien, Iran, 2025, Hemen Khaledi, 73 Min., OmeU

©DOK.fest München, Singing Wings

Still aus »SINGING WINGS«.

Bloße Drähte sind als Starkstromleitungen am Rande einer Siedlung der iranischen Stadt Marivan gespannt. Im ansteigenden Gelände dahinter stehen zig Stangen mit Storchennestern. Dass die Drähte den Vögeln nicht guttun, weiß man. Die ältere Kurdin Khadijeh legt Motorradbrille und Handschuhe an, als Schutzausrüstung. Sie hat ein am Flügel verletztes Storchenweibchen gefunden, deren Pflege nun ihren Alltag bestimmt, während sie nebenbei noch ihren greisen Mann versorgt und Agitation gegen die Stromdrähte betreibt. Da der Storch nur Fisch und Frösche frisst, werden Enkel, Nachbarn und Freunde in den Versorgungsapparat eingespannt. Storchenpaare bleiben ein Leben lang zusammen, und als der verletzte Storch stirbt, hockt der Partner weiter im Nest – auch als der Winter kommt.

Eine ruhige gut fotografierte Beobachtung bei der man angesichts der vielen Titel nicht weiß, welcher Aufwand getrieben wurde. Auf alle Fälle ein lohnenswerter Blick in den Iran.
[sehenswert*****]

ENOUGH IS ENOUGH [Afrika, Bürgerkrieg, Flucht und Vertreibung]

Frankreich, Demokratische Republik Kongo 2026, Elisé Sawasawa, 65 Min., OmeU

©DOK.fest München, Enough is Enough

Still aus »ENOUGH IS ENOUGH«.

Die Kamera steht an einer asphaltierten Straße, die durch eine Siedlung führt, und an den Straßenrändern kommen Menschen auf uns zu. Die meisten schleppen Dinge mit sich und sind auf der Flucht. Der Film spielt hauptsächlich in Goma, einer Millionenstadt im Osten der demokratischen Republik Kongo an der Grenze zu Ruanda. Scheinbar zusammenhanglos taucht man in verschiedene Szenen ein, einen Gottesdienst unter freiem Himmel, einen Aufenthaltsplatz in einer Sportstätte, eine Rekrutierungsveranstaltung, bei der junge Männer mit Holzgewehren erschienen sind, ein Flüchtlingscamp, ein UNO Camp, vor dem es zu Schießereien kommt. Es gibt keine wirklichen Protagonisten, nur hin und wieder steuert der Filmemacher selbst Erklärungen aus dem Off bei.

So werden wir Zeugen unterschiedlichster Momente afrikanischen Lebens im Konflikt der M23 Rebellengruppe gegen das Militär im demokratischen Kongo. Man muss diesen Film aushalten, der einen genauso orientierungslos zurücklässt, wie sich die Leute in diesem Konflikt fühlen müssen. Die Bilanz: 30 Jahre Krieg, 10 Millionen Tote und 7 Millionen auf der Flucht.
[sehenswert***]

THE PEOPLE SHALL [Afrika, Bürgerprotest]

Kenia 2025 , Mark Maina, Nick Wambugu , 61 Min., OmeU

©DOK.fest München, The People Shall

Still aus »THE PEOPLE SHALL«.

Im Juni 2024 löst ein neues kenianisches Steuergesetz mit saftigen Erhöhungen landesweite Proteste in der jüngeren Generation aus. Mit Hilfe von ChatGPT konnte der 400 Seiten lange recht unverständliche Gesetzestext in die verschiedenen Stammessprachen der kenianischen Bevölkerung übersetzt und über Social Media verteilt werden. Der Film begleitet beobachtend die Proteste und fragt in gesetzten Interviews bei Aktivisten und Partizipanten nach ihrem Blick auf die Vorgänge. Man erlebt ein modernes Kenia mit vielen selbstbewussten Menschen. Bei den verschiedenen Straßenschlachten kamen insgesamt 60 Demonstranten ums Leben.

Leider zieht sich von Anfang bis Ende ein Musikteppich unter dem ganzen Film durch, was vielleicht zu den Rezeptionsgewohnheiten einer jüngeren Generation gehört und dort keinen Unmut erregt.
[sehenswert***]

THE END OF QUIET [ländliches Amerika, Umweltverschmutzung]

Dänemark, Schweden 2025, Kasper Bisgaard, Mikael Lypinski, 83 Min., OmeU

In West Virginia steht gut 250 Kilometer westlich von Washington DC im Green Bank Observatory das weltweit größte schwenkbare Radioteleskop. Rund um die Anlage wurde Ende der 50er Jahre eine sogenannte Radio Quiet Zone von 34.000 Quadratkilometer eingerichtet, in der Rundfunksender nicht betrieben werden können. Zwanzig Meilen um das Teleskop gibt es keinen Mobilfunkempfang, und WLAN-Anlagen dürfen nur bei geringer Leistung verwendet werden. Die Gegend ist weitgehend frei von Elektrosmog und wird von empfindlichen Menschen als Wohngegend favorisiert.

©DOK.fest München, The End of Quiet

Still aus »THE END OF QUIET«

Der Film beobachtet in der nahen Siedlung mehrere Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg, ein junges Paar mit Kinderwunsch, einen Opa und Waffennarren mit Enkeltochter, eine hypersensible Frau, deren Mann in Frankreich ist und einen Wissenschaftler, der die Befürchtung hegt, dass jeder weitere Satellit die Störgeräusche anwachsen lässt, in denen dann mögliche Signale anderer Kulturen aus dem Universum untergehen.
[sehenswert****]

BARBARA FOREVER [Künstlerbiografie, Experimentalfilm, Frauenbewegung]

USA 2026, Brydie O’Connor, 108 Min., englOF

©DOK.fest München, Barbara Forever

Still aus »BARBARA FOREVER«.

Es fängt mit dem an, was man bei jedem Film zu Drehbeginn macht, aber nie zeigt. Dem technischen Test, ob das Gerät wirklich aufnimmt und der Ton hörbar ist. Noch sieht man nichts auf der Leinwand hört aber den Mikrofontest. Aber dann beginnt der Film mit einer Fülle von Bildern, die selten den Weg auf die Leinwand oder dem Display finden, weil sie unperfekt sind, einen anderen Fokus haben und durch den Begriff Experimentalfilm vom Nutzfilm abgegrenzt werden.

Barbara Hammer (1939-2019) hat mit der Kamera immer wieder experimentell ihr Leben erkundet und tritt auch selbst in vielen ihrer mehr als 80 Filmen auf. Im Alter von 30 hat sie ihr lesbisches Coming out und dreht weltweit den ersten lesbischen Film. Sie selbst bezeichnete sich als visual Poet und sagt: »I want to be famous« – was ihr gelungen ist – und dieser Film soll ihr Lebenswerk für immer erhalten helfen.
[sehenswert****]

FINDING CONNECTION [KI-Partner, Vereinsamung]

Deutschland 2026, Florian Karner, 80 Min., OmeU

©DOK.fest München, Finding Connection

Still aus »FINDING CONNECTION«

Menschen mit Headsets oder Ohrstöpseln, die irgendwo in der Gegend herumstehen und vor sich hinreden, sind nicht unbedingt telefonsüchtig, sondern vielleicht gerade im Dialog mit einer KI. So beginnt der Film mit Nahaufnahmen seiner Protagonisten Rudi in England, Steffi in Hamburg, Denise in San Diego und Joe in Lübeck. Sie alle haben KI-Partner, die da heißen Trudi, Kira, Randy und Star. In der ersten Viertelstunde des Films taucht man in eine surreale Welt enger Ausschnitte ab, bevor sich dann der Blick weitet und andere reale Menschen ins Bild geraten. Alle vier sind durch schlechte Erfahrungen in wirklichen Beziehungen geprägt, und man erahnt, welche Abhängigkeiten entwickelt werden, wenn das KI-Gegenüber ein gefiltertes Spiegelbild seiner selbst ist, getrieben von dem Fundus aller verfügbarer Ratgeberliteratur.

Auffallend oft sieht man die Protagonisten allein, verloren in weiter wüster Landschaft. Wenn sie Connected sind mit ihrer KI, dann sind sie offensichtlich Diss-Connected mit der aktuellen Realität.

Und sie berichten vom Worst-Case, den Updates, wenn ihre KI-Begleiter ihren Charakter verlieren oder verändern. Unterlegt wird das mit Bildern einer Waschstraße, in denen sich das Chaos der Wassertropfen neu organisiert.
[sehenswert****]

HER RACE TO SPACE [Raumfahrt, Start-Up, Frau als Unternehmer]

Frankreich, Deutschland, Frz. Guyana, USA, Schweiz 2025, Lena Leonhardt Nadine Neumann, Ira Beetz, 90 Min., OmeU

©DOK.fest München, Her Race to Space

Still aus »HER RACE TO SPACE«.

Dieser Film ist das Portrait einer Unternehmerin gepfercht in einen sportlichen Zeitplan einer Space Mission, bei der eigentlich nichts schief gehen soll, aber alles schief gehen kann. Helene Huby, eine französische Mathematikerin und Wirtschaftswissenschaftlerin, gründet 2021 nach mehreren Jahren als Managerin in der Ariane-Gruppe von Airbus eine eigene Firma – mit dem ehrgeizigen Ziel, eine wiederverwendbare Raumtransporterplattform als Alternative zu SpaceX zu entwickeln.

Der Film beobachtet sie bei öffentlichen Auftritten, in der Firma und auch im Privaten und hinterlässt einen positiven Eindruck ihres Führungsstils. So sollten Chefs sein, im Gegensatz zu den Auftritten von Musk, der in Europa vorwiegend Kopfschütteln hervorruft. Dieser solide gemachte Film eröffnet einen Einblick in einen Spezialbereich der Forschung und Kommunikationsindustrie.
[sehenswert***]

BECOMING KIM [Partnerschaft, Fremde Kulturen]

Deutschland, Korea 2026, Susanne Kim, 92 Min., OmeU

Filme über Ehen mit Partnern aus unterschiedlichen Kulturkreisen haben Tradition. Filmemacherin Susanne aus Leipzig hat Jeong Rae aus Korea kennen und lieben gelernt und geheiratet. Die gemeinsame Tochter Hannah ist schon Teenager, und Vater Jeong Rae hat sich in verschiedenen Berufen als Romancier, als Erfinder, als Security Chef auf Baustellen in Nigeria (1 Jahr) und Saudi-Arabien (2 Jahre) und als Pokerspieler versucht. Jetzt hat er einen Hähnchen-Grill in Korea eröffnet. Susanne ringt ihm ein Versprechen ab: Wenn er den Grill betreibt, dreht sie einen Film über die Familie – und reist mit der Tochter zur Schwiegermutter nach Korea.

©DOK.fest München, Becoming KimHin und wieder kommentiert die Filmemacherin Situationen durch Kostümeinlagen, teilweise angereichert mit Pappkulissen, beispielsweise wenn sie als nacktes Grillhähnchen durch die Felder läuft. Die therapeutische Wirkung von Filmaufnahmen fruchtet auch hier und führt die Familie wieder enger zusammen.
[sehenswert****]

Seite 1: Eckdaten und Tendenzen
Seite 2: Filmbeschreibungen
Seite 3: Filmbeschreibungen
Seite 4: Filmbeschreibungen

Autor: Hans-Albrecht Lusznat

Bildrechte: Dokfest München

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