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Filmtipps fürs 41. Internationale Dokfest München 2026
TO HOLD A MOUNTAIN [Bergbauern, Widerstand]
Slowenien, Serbien, Frankreich, Montenegro, 2026, Biljana Tutorov, Petar Glomazić, 105 Min., OmeU
Die Sinjavina ist ein Hochgebirgszug im Norden Montenegros und wird seit Generationen von Almbauern für Schaf- und Kuhherden genutzt. Mileva »Gara« Jovanovc lebt während des Sommers dort als Sennerin zusammen mit ihrer Nichte Nada, die sie an Mutters statt angenommen hat. Der Film beobachtet das schwere und spartanische Leben auf der Alm über einen langen Zeitraum hinweg. Die NATO will genau dort ein Übungsgelände einrichten und 1000 Tonnen Munition verschießen. Gara führt den Protest der Bauern und Anwohner in diesem kärglichen Landstrich an. Gleichzeitig muss sie sich für Nada, die Tochter ihrer ermordeten Schwester einsetzen, weil der verurteilte Schwager nach 14 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden soll.
[sehenswert****]
VATER, SOHN UND DER PREIS DES WIDERSTANDS [Vater-Sohn, DDR Geschichte, Widerstand]
Deutschland 2026, Götz Schauder, 93 Min., OmeU Fr. 08.05. 21.00
Vater – Sohn oder Tochter – Mutter Filme sind ein etabliertes Filmgenre. In diesem Fall arbeitet sich der Fotograf Aram Radomski an seinem Vater, dem Schriftsteller Gerd Neumann ab, beide Widerständler im DDR-System. Radomski lieferte die heimlich gefilmten Aufnahmen der Leipziger Demo vom 9. Oktober 89 ans Westfernsehen, und die Romane des Vaters durften in der DDR nicht publiziert werden und erschienen im Westen. Beide sprechen nicht mehr miteinander und der Dialog findet zeitversetzt über die Aufnahmen des befreundeten Filmemachers statt. Die Abwesenheit des Vaters nach früher Trennung in der Ehe ist ein Dreh- und Angelpunkt, aber nicht allein. In 90 Minuten wird die Familiengeschichte dann ausgiebig verhandelt, ohne dass man unbedingt im Besonderen das Allgemeine erblickt.
[sehenswert**]
DAS GEWICHT DER WELT [Klimawandel, Wissenschaftler]
Deutschland 2026, Florian Heinzen-Ziob, 93 Min., OmeU
Wie lebt man als Wissenschaftler mit der Gewissheit, dass die Erde durch den offensichtlichen Klimawandel auf eine menschengemachte Katastrophe zusteuert und die Politik nicht in der Lage ist, zu bremsen oder Gegenmaßnahmen einzuleiten? Diese Frage stellt der Film an drei Wissenschaftler. Maria beschäftigt sich mit der Erforschung zurückliegender Klimaschwankungen, die sich aus den Eisbohrkernen des arktischen Schelfeis herauslesen lassen. Nana ist Biologin und engagiert sich in der Gruppe Scientist Rebellion und Sebastian hält Vorlesungen an der Mainzer Universität zu Chemie und Physik und bringt immer wieder das Thema Klimawandel auch in Vorträgen ins Gespräch. In der Beobachtung der verschiedenen Aktivitäten wird auch deutlich, wie sehr das Engagement die Kräfte aufzehrt und was die Einzelnen tun, um unvermeidbaren Depressionen zu entgehen.
[sehenswert***]
LA PIETÀ [Klimawandel, Gletscher]
Litauen, Spanien, Island 2025, Rafa Molés, Pepe Andreu, 82 Min., OmeU
Zwei Männer kommen in ein verlassenes Farmhaus in Island. Der eine ist der Fotograf Ragnar Axelsson, der als Kind schon auf der Farm zu Besuch war. 1906 bis 1927 wurden hier 13 Kinder geboren, von denen vier schon frühzeitig verstarben. Die neun verbleibenden Kinder lebten gemeinschaftlich auf der Farm Kvískerjar, ohne je zu heiraten oder eigene Kinder zu bekommen. Einer von ihnen, Flosi Björnsson, interessierte sich neben der Farmarbeit besonders für den nahegelegenen Gletscher, den er zu erforschen begann. Dabei trug er viele Beobachtungen in Form von Tagebüchern und Fotos zusammen und stellte schon frühzeitig fest, wie sich der Gletscher zurückgezogen hat.
[sehenswert***]
MELT [Klimawandel, Schneeschmelze]
Österreich 2025, Nikolaus Geyrhalter, 127 Min., OmdtU
Es geht um Schnee und Eis und um das Wegtauen. Der Film gibt in einer Abfolge von lebenden Bildern einen Einblick in eine dramatische Situation. Die spartanische Bildgestaltung einer starr ausgerichteten Kamera, keine Schwenks, keine Ablenkung. Die Konzentration in totalen Aufnahmen auf das Wesentliche schärft die Wahrnehmung und gibt dem Betrachter die Möglichkeit, sich auf die hochauflösenden Bilder einzulassen. Es gibt viel zu entdecken. Entstanden sind die Aufnahmen zwischen 2021 und 2025 – in Japan, am Jungfraujoch, in Aklavik/Kanada, in Osttirol, in Tateyama Japan, im Val D’Isere in Frankreich, am Dachstein, am Vatnajökull Gletscher in Island und auf der Neumayerstation III in der Antarktis.
Fazit: Wir sehen die Katastrophe noch nicht, auf die wir zusteuern, aber um sie vollständig zu vermeiden, ist es bereits zu spät.
[sehenswert*****]
SILENT FLOOD [Landleben, Minderheit]
Ukraine, Deutschland 2025, Dmytro Sukholytkyy-Sobchuk, 90 Min., OmeU
Wenn man an die Ukraine denkt, dann steht da an erster Stelle der Krieg. Silent Flood aber präsentiert uns eine Art Bauernmuseum mit vergangenen Lebensweisen, die eine religiöse pazifistische Gruppierung am Fluss Dniester (auch: Tyra) in der Westukraine praktiziert, indem sie ähnlich den Amish People Fortschritt und Elektrizität ablehnt. Wenn die Getreidemühle läuft, muss das Pferd im Kreis traben, um den Antrieb zu gewährleisten. Die fertigen Brote gehen dann an die 1500 km entfernte Ostfront, wo man noch Minenräumern bei ihrer Arbeit begegnet.
Dass der Fluss immer mal wieder über seine Ufer tritt, wie in den Jahren 1941, 1969, 1980, 2008 und 2020 hilft nicht, die in Cinemascope gehaltenen Bilder des ländlichen Lebens zu einem großen Ganzen zusammenzukitten und so verliert man sich ohne Faden und wirkliche Protagonisten in einem Bilderreigen.
[sehenswert*]
WAHLKAMPF [Politikerportrait, Wahlkampf]
Österreich 2026, Harald Friedl, 97 Min., OmeU
Wahlkampf ist ein hartes Geschäft, und als 2024 die Nationalratswahl in Österreich ansteht, begleiten die Filmemacher den SPÖ-Kandidaten und Parteivorsitzenden Andy Babler bis zur Wahl. Der Film beginnt mit einem Bild des Kandidaten auf der Rückbank eines Autos, und der Frau, die zu ihm sagt: »Andy, deine Hose hat einen Riss«. Man ist nah dran an dem Kandidaten und dem Wahlkampfteam, und eine Veranstaltung, ein Auftritt, eine Sitzung jagt die andere. Gedreht wie eine Reportage, aber ohne spürbares Eingreifen der Filmemacher, ziehen sich die Ereignisse bis zur Wahl, bei der sich nicht der gewünschte Stimmenzugewinn einstellt, aber am Schluss nach mehreren Oppositionsjahren der Posten des Vizekanzlers für Andy herausspringt.
[sehenswert***]
WHISTLEBLOWER [Afrika, Korruptionsbekämpfung]
Deutschland 2025, Marc Bauder, 90 Min., OmeU
Wer sich in Gefahr begibt, kommt in ihr um! Das ist nicht nur ein Filmtitel aus den 70er Jahren, sondern auch ein Bibelspruch, der besonders auf Whistleblower zutrifft, die in vielen Fällen ihre selbstlose Indiskretion mit dem Leben bezahlt haben. In diesem Film begegnen wir hauptsächlich dem Kreditmanager Jean Jacques Lumumba, der im Kongo mitbekommen hat, wie der Kabila Clan Millionen von Staatsgeldern eigennützig ins Ausland verschoben hat. Man begegnet auch Delphine Halgand Mishra, die mit The Signals Network eine Organisation speziell für Whistleblower gegründet hat und sich um ihre Sicherheit kümmert. Mit den Bildern tut sich ein Film schwer, bei dem es um Recht und Unrecht geht, um sehr viel Geld und auch um Gefahr, der sich nur ganz wenige direkt vor der Kamera aussetzen wollen, zumal allerorts Rechtsstaatlichkeit zunehmend ausgehöhlt wird. Oft genug war am Ende der Whistleblower schuld.
[sehenswert***]
JARDIN D’ENFANTS [Kindergarten, Beobachtungen]
Kanada 2025, Jean-François Caissy, 84 Min., OmeU
Nach ein paar Stadtbildern von Montreal beginnt der Film mit einem Kind im Kindersitz eines Autos. Die Fahrt geht in den Kindergarten und die Hauptdarsteller des Films heißen Liam, Nico, Anna, Clement, Maya, Heidi…. 80 Minuten lang sieht man in 4:3 Bildern Kindern bei ihren Interaktionen in einer Kindertagesstätte zu.
Dabei konzentriert sich der enge Blick immer auf die Aktionen der Kinder und spart die Kindergärtnerinnen aus, die nur im Ton präsent sind. Die erste totalere Aufnahme ist der Blick in einen Raumüberwachungsspiegel nach gut 50 Minuten. Diese Konzentration auf einen kleinen Ausschnitt gibt dem Film das Besondere und lässt einen teilhaben an einer Fülle von Emotionen, die sich in den Kindergesichtern spiegeln, beim Spiel und bei der Interaktion mit anderen. All diese Personen – die Jüngsten können gerade stehen – sind schon sehr ausgeprägte Charaktere.
Es ist sehr schwierig, in einem Kindergarten zu filmen, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Mitte der 90er Jahre hatte ich ein solches Projekt, bei dem alle Eltern und Beteiligten zugestimmt hatten. Als wir dann bei einem Elternabend Muster zeigten, setzte eine Diskussion über die Arbeit der Erzieherinnen ein, weil der ein oder andere sein Kind vernachlässigt sah. Das war das Ende des Projektes, bevor überhaupt die Montage begonnen hatte.
[sehenswert*****]
THE LAST GIRL [bäuerliches Leben, Behinderung]
Iran 2025, Daryoush Gharibzadeh, 52 Min., OmeU
Der Film beobachtet eine Hirtenfamilie in den Giskan Bergen im Süd-Iran in den Jahren 2009 bis 2023. Der Fokus liegt auf der jüngsten Tochter Maryam, die als 15. Kind mit Down Syndrom zur Welt kam. Die Familie lebt in einer durch überstehende Felsen gebildeten Höhle, die durch Mauern abgegrenzt wird. Der alte Vater kümmert sich liebevoll um seine Tochter, während alle anderen Kinder die Bergwelt Richtung Stadt verlassen. Am Ende ist es die erwachsene Maryam, die ihre Eltern versorgt.
[sehenswert****]
I, POPPY [Indien, Korruption, bäuerliches Leben]
Frankreich, Indien 2025, Vivek Chaudhary, 82 Min., OmeU
Mangilal ist Lehrer und Mohnbauer in Indien. Weil der Preis von einem Kilogramm Rohopium für die Verwendung in der Pharmazeutik seit zwanzig Jahren nicht gestiegen ist, das fertige medizinische Produkt aber um den Faktor 50 teurer wurde, organisiert er die Mohnbauern, die unter korrupter Beamtenwillkür leiden und mit dem Verwehren der nötigen Lizenzen zu Sonderzahlungen erpresst werden. Der Film begleitet ihn, seine Mutter und die beiden Söhne bei der aufwändigen Feldarbeit und bei einer Reise zum Ministerium in Neu Delhi.
[sehenswert***]
Seite 1: Eckdaten und Tendenzen
Seite 2: Filmbeschreibungen
Seite 3: Filmbeschreibungen
Seite 4: Filmbeschreibungen
Autor: Hans-Albrecht Lusznat
Bildrechte: Dokfest München
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