Recording, Top-Story, Trend: 03.02.2011

Set-Recorder: Externe bandlose Aufnahmesysteme

Der Trend geht in der Film- und Videoproduktion ganz klar in Richtung bandloser, file-basierter Abläufe und ebensolcher Aufnahmesysteme. Dabei gibt es auch Alternativen zu den Speicherkarten-Camcordern, die hier auf dem Vormarsch sind: externe Recording-Systeme verschiedener Anbieter, die man mit Camcordern und Kameras diverser Hersteller kombinieren kann.

Wieso braucht es eigentlich überhaupt noch externe Recorder? Schließlich ist es heute bei weitem nicht mehr so kompliziert wie früher, ein Aufnahmesystem direkt in die Kamera zu integrieren: zwei Speicherkarten-Slots und einen Controller dafür kriegt man immer irgendwie unter.

Dennoch kann es sinnvoll sein, einen externen Recorder einzusetzen. Datensicherheit oder das upgraden bestehender Kamerasysteme sind dabei zwei pragmatische Aspekte: In einigen Fällen kann aber die Aufzeichnung mit einem externen Recorder sogar bessere Bildqualität erbringen als die integrierte Speicherung, weil man hierbei teilweise die in den Camcorder eingebaute Kompression und Kodierung umgehen kann. Das ist aktuell etwa bei Panasonics AG-AF101 und bei Sonys F3 so, aber auch bei Arris Alexa. Auch Sonys EX1 und EX3 können extern mehr Bildqulaität speichern als intern. Selbst einige der älteren HDV-Camcorder können so nochmal aufgepeppt und auf ein anderes Niveau gehoben werden.

Eine Auswahl externer Recording-Alternativen unterschiedlicher Preis- und Leistungsklassen ist im Folgenden zusammengestellt.

Übersicht aktueller externer, bandloser Recorder

Aja hat mit Ki Pro einen portablen, timecode-fähigen Disk-Recorder im Programm, der das Kamerasignal direkt im Format ProRes 422 von Apple aufzeichnet. Digitale Signalquellen finden per HD/SD-SDI– und HDMI-I/O Anschluss. Das Gerät besitzt auch analoge Komponenten-I/Os, sowie einen Composite-Ausgang. Analoge Audioquellen können per XLR oder Cinch angeschlossen werden, digitaler Ton als Embedded Audio im SDI-Signal (8-Kanal) oder per HDMI (2-Kanal). Die Aufzeichnung erfolgt wahlweise auf eine Wechselfestplatte mit integrierter FireWire-800-Schnittstelle oder auf Flash Express-Card 34. Per Ethernet-Anschluss und integriertem WiFi ist es möglich, Ki Pro per Web-Browser einzurichten und zu steuern. Die Aufnahmefunktionen sind durch die Kamera über Firewire-400 oder LANC fernsteuerbar.
Mit Ki Pro Mini bietet Aja auch eine kleinere, leichtere und günstigere, aber doch sehr ähnliche Alternative zum Ki Pro an. Ki Pro Mini verzichtet im Unterschied zum Ki Pro auf analoge I/Os, bietet keine Cross-Konvertierung von Signalen und auch keine Drahtlos-Funktionen – sonst ist der Funktionsumfang ähnlich: Ki Pro Mini zeichnet SD- und HD-Signale mit 10 Bit in ProRes 422/HQ/LT oder Proxy auf. Als Speichermedium nutzt der Ki Pro Mini Compact Flash Karten (CF). Die CF-Karten werden vom Aja-Recorder mit dem Apple-Dateisystem HFS+ formatiert, was die sofortige Verwendung von Aufnahmen im Schnittprogramm Final Cut ermöglicht.

Astro bietet mit dem HR-7502 einen kompakten und auf die Kamera montierbaren SSD-Recorder mit einer Speicherkapazität von 1,5 TB an. Der Recorder zeichnet unkomprimiert 2K, HD oder Stereo-3D-Signale auf. Für Preview und Playback des aufgezeichneten Materials ist der Recorder mit einem 3,5-Zoll-Display ausgerüstet.
Der Recorder kann embedded Audio und Timecode aufzeichnen und mit variablen Frameraten von 24 p bis 60 p arbeiten. Zudem ist er mit einem V-Mount-Akkuadapter ausgerüstet.
Zum Datenexport (Video als DPX, Arri Raw) liefert der Hersteller eine File Transfer Software aus. Die Wiedergabe via HD-SDI oder über eine 3G-Schnittstelle ist ebenfalls möglich. Der Listenpreis des Recorders liegt bei rund 25.000 Euro – somit tritt der HR-7502 als preisgünstige Alternaive zum Codex-Recorder an.

Atomos hat Ninja entwickelt, einen sehr kompakten HDMI-Recorder, der in Apples ProRes-Codec in den Varianten LT, 422 und HQ aufzeichnen soll. Die Kamerasignale empfängt Ninja via HDMI-Eingang. Weiter stehen zwei Audio-Line-I/Os zur Verfügung, sowie eine LANC-Buchse, die eine Fernsteuerung des Recorders erlaubt. Ninja soll sich mit je zwei Akkus betreiben lassen, die Atomos in drei Varianten anbieten will: mit 32 Wh, 63 Wh und 127 Wh. Derzeit ist das Gerät zwar angekündigt, allerdings noch nicht verfügbar (Stand 02/2011).

Cinedeck Extreme ist ein Recorder, der sich via HD-SDI und HDMI an Kameras anschließen lässt und bei der Aufzeichnung zahlreiche Codecs unterstützt: Apples ProRes, Avids DNxHD sowie CineForm (unkomprimiert, Single- und Dual-Link). Cinedeck lässt sich mit einer F35 von Sony ebenso nutzen, wie mit Arris Alexa-Kameras — und mit zahlreichen weiteren. Der Hersteller hebt insbesondere die 10-Bit-Aufzeichnung, die einfache Bedienung des Geräts und die hohe Aufzeichnungsqualität hervor. Als Option gibt es künftig die »Cinedeck Full Stream Uncompressed HD Mastering Suite«: Mit dieser Erweiterung soll es möglich sein, unkomprimiert in 4:4:4 wie auch 4:2:2, auf das 2,5-Zoll-FlashDrive aufzuzeichnen.

Codex hat verschiedene Recorder im Programm, die sich für die Aufzeichnung und den Transfer digitaler Daten eignen, darunter auch zwei vergleichsweise kompakte Geräte.
Portable ist ein wetterbeständiger Set-Recorder in Toastergröße, der rund 4 kg wiegt. Er eignet sich zur Aufnahme verschiedener Eingangs­signale. Der Recorder bietet hierfür vier HD-SDI-Eingänge: Per Dual-Link können zwei Signale in RGB-4:4:4 verarbeitet werden, beispielsweise bei einer Stereo-3D-Produktion. Mit YCrCb-4:2:2-Signalen ist eine simultane Aufzeichnung von vier SDI-Quellen möglich. Codex Portable arbeitet mit Wavelet-Kompression von 3:1 bis 16:1. Gespeichert wird auf speziellen Disk-Packs des Herstellers.
Einen Dockrecorder gibt es von Codex ebenfalls. Er trägt den Namen Onboard und kann ebenfalls unkomprimiertes, oder per Wavelet komprimiertes Material auf eine Wechselfestplatte aufzeichnen, inklusive Audio und Metadaten. Der Datentransfer vom Onboard auf andere Speicher­systeme kann mit drei- bis fünffacher Wieder­gabegeschwindigkeit erfolgen.

Convergent bietet mit NanoFlash einen kleinen Recorder an, der HD-Signale auf CF-Speicherkarten aufnimmt. Video, Audio und Timecode werden über eine HD-SDI-Schnittstelle eingespielt. Mit 106 x 94 x 36 mm und weniger als 10 W Leistungsaufnahme, gibt sich NanoFlash mit wenig Platz und Leistung zufrieden. Als Codec kommt 4:2:2-MPEG-2 zum Einsatz, die Datenrate kann im Long-GoP-Modus auf maximal 180 Mbps eingestellt werden, bei I-Frame-only sind maximal 280 Mbps möglich. Gespeichert wird im MXF-Format. Das System kommt ohne Lüfter aus, bietet also geräuschlosen Betrieb.

Focus präsentiert mit dem FS-T1001 einen SxS-Dock­recorder, der in XDCAM HD 422 und XDCAM EX aufzeichnen kann. Der Recorder lässt sich zwischen Kamera und Akku-System anbringen und wird via HD-SDI angeschlossen. Die Kamerasignale zeichnet der T1001 auf SxS-Speicherkarten auf, wobei aber nur ein Steckplatz zur Verfügung steht. Der FS-T1001 nimmt laut Hersteller nur 10 W Leistung auf. Er kann mit den Camcordern kombiniert werden, die über V-Mount-Akkus betrieben werden, darunter PDW-700 / -F335 / -F800 / -F350 sowie HDW-650F / -730 / -790 / -750 / -F900 von Sony (Stand 02/2011).

Keisoku Giken hat mit dem UDR-D100 einen portablen Recorder im Programm. Der kompakte Recorder kann im Video­modus bis zu einer Auflösung von 2.048 x 1.080 aufzeichnen, zudem ist die Aufzeichnung im Arri-Data- und im Varicam-Modus möglich. Die Aufnahmezeit in 1.920 x 1.080 / 24p / 10 Bit / 4:4:4 / unkomprimiert beträgt 70 Minuten auf Festplatten-Packs und 10 Minuten auf Festspeicher-Packs.

S.Two hat das On-Set-Speichersystem OB-1 entwickelt. Der OB-1 zeichnet auf FlashMag-Festspeicher auf und lässt sich direkt an diversen digitalen Filmkameras anbringen. Das kompakte Gerät wiegt unter 3 kg und zeichnet bei Bedarf unkomprimiertes 4:4:4-RGB von zwei Kameras gleichzeitig auf — wahlweise auch bis zu vier einzelne HD-SDI-Signale. Das auswechselbare FlashMag hat eine Kapazität von über 30 Minuten (in 4:4:4) und speichert die Daten redundant. Der Recorder unterstützt auch die Aufzeichnung in Stereo-3D.

Artikelsammlung zum Thema

Insgesamt sechs Artikel zum Themenbereich aktuelle Codecs/Formate/Aufnahmetechnik sind in jüngerer Zeit bei film-tv-video.de erschienen (Links finden Sie am Ende des Artikels). Alle Artikel dieser Themensammlung sind — ergänzt um zwei Formattabellen — auch in Form einer  und als kostenpflichtiges verfügbar.

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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