Branche, Unternehmen, Ü-Wagen: 25.02.2026

TVN in Bewegung

Markus Osthaus steuert den TV-Dienstleister TVN durch interessante Zeiten. Im Gespräch mit film-tv-video.de geht er auf den Markt und aktuelle Entwicklungen ein.


©TVN
Markus Osthaus, CEO der TVN Group

Transformation beschreibt wohl am besten den Zustand der Live-Produktionsbranche. Dienstleister müssen sich neu erfinden und neue Märkte erschließen – während ihre TV-Kunden selbst mit tiefgreifenden Veränderungen kämpfen. Die Übernahme von Sky durch RTL machte Schlagzeilen, ebenso der Einstieg der italienischen MFE bei ProSiebenSat.1.

Im Gespräch mit Markus Osthaus, CEO der TVN Group, wird deutlich: Die Branche steht vor ihrer größten Transformation seit Jahren.

Der Markt verändert sich

Manche Player sind aus dem Markt verschwunden, andere wurden übernommen und mit DMC kam erst jüngst ein wichtiger neuer Player hinzu.

©TVN
TVN ist einer der großen Player am Markt.

Die Konstellationen am Markt verschieben sich. »Der Blick in die Zukunft, der war bei uns ja eh nie länger als fünf bis zehn Jahre«, beschreibt Osthaus die Situation. »Derzeit denkt man aufgrund der vielen Entwicklungen eher in Monaten.«

Der Preis gewinnt an Bedeutung

»Momentan sind ja in unserem Markt eigentlich alle Seiten unter Druck«, analysiert Markus Osthaus. Öffentlich-rechtliche Sender warten auf eine Gebührenerhöhung, die er persönlich derzeit für unwahrscheinlich hält, die Privaten leiden unter sinkenden Werbeeinnahmen. »Dass der Preis angesichts dieser Entwicklungen an Relevanz gewinnt, ist völlig normal.«

Für TVN bedeutet dies, auch über neue Produktionskonzepte nachzudenken, die dies berücksichtigen und die Effizienz im Verhältnis zur Qualität und Zuverlässigkeit höher gewichten. »Wir müssen als Dienstleister die Lösungen finden, die für unsere Kunden passen«, sagt Markus Osthaus. »Und wenn der Preis im Vordergrund steht, dann müssen wir eben auch dafür entsprechende Lösungen bieten.«

©TVN
TVN ist für große Produktionen bekannt – hier eine Schiffstaufe in Malaga.
Neue Produktionsformen

Marktteilnehmer wie beispielsweise Spontent machen vor, wie man Sport auch mit kleinerem Besteck in Szene setzen kann. Der Anbieter produzierte in den vergangenen Jahren mit Erfolg Sportarten, die vorher gar nicht oder kaum professionell übertragen wurden. Mit diesem Ansatz erobert Spontent nun auch andere Bereiche wie die Basketball-Bundesliga.

TVN Corporate Media ist innerhalb der TVN-Group u.a. als Fullservice-Agentur tätig. Zum Portfolio gehört die Serie »True Crime Hannover« für die Tageszeitung »Neue Presse« Hannover.

»Alles, was man in diesem Bereich macht, ist besser als das, was vorher gar nicht da war«, urteilt Osthaus, »das ist eine großartige Ausgangslage für Innovationen.«

Aber auch in anderen Marktbereichen gibt es Veränderungen. Durch den Markteintritt von DMC entsteht ein neues Marktumfeld, bei dem auch bei Sportarten wie Eishockey, Handball oder auch Dritte-Liga-Fußball ganz neue Produktionskonzepte aufeinandertreffen. »Wer hier bestehen will, muss anpassungsfähig sein und passgenaue Lösungen finden«, so Markus Osthaus.

Remote Production als Antwort

Ein konkretes Beispiel für diese Anpassungsfähigkeit ist die Remote Production in der zweiten Bundesliga. Seit dieser Saison produziert TVN zwei bis drei Spiele pro Spieltag sowie die unilaterale Leistung für RTL beim Samstagabend-Topspiel remote. »Das ist wirklich problemlos gestartet«, berichtet Osthaus.

©TVN
Die erste Bundesliga wird auch weiterhin mit Premium-Fahrzeugen wie dem Ü8 produziert.

Das Konzept funktioniert: Die Core-Technologie und Audio Regie sitzt in Hannover, und nur das Kreativpersonal – Regisseure und Slow-Mo-Operatoren – arbeitet in einer neu geschaffenen Regie in Köln. Das Netzwerk von Vidi mit der Anbindung ins Stadion läuft stabil, die Umschaltung zwischen verschiedenen Stadien funktioniert problemlos, so Osthaus. Ins Stadion fährt nur noch eine kleine Kerncrew mit der im Set verbauten Technik. Hierdurch wird nicht zuletzt der CO2-Fußabdruck der Fernsehproduktion um 50% reduziert.

Noch nicht reif für die erste Liga

Trotz des Erfolgs sieht Osthaus Remote Production noch nicht in der ersten Bundesliga – zumindest nicht in der aktuellen Rechteperiode. »Weder unter Flexibilitätsgesichtspunkten noch unter der Kosten-Nutzen-Rechnung ist es momentan wirklich sinnvoll, auch die erste Liga remote zu produzieren«, sagt er.

Seite 1: Markt, Preis, Remote Production
Seite 2: Neue Produktionsfelder, Perspektiven