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Filmtipps fürs 41. Internationale Dokfest München 2026

Das Dokfest startet mit 106 Dokumentarfilmen aus 49 Ländern in Münchner und Augsburger Kinos und Event-Locations — sowie per Streaming. Infos und Filmtipps von Kameramann Hans-Albrecht Lusznat.



©DOK.fest München, Ingeborg Bachmann/ Foto Herbert List, Magnum Photos

Eröffnungsfilm: »INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER ICH EINMAL WAR« (Foto Herbert List, Magnum Photos).

Am Mittwoch, dem 6. Mai, eröffnet das 41. Internationale Dokumentarfilmfestival München, wieder als duales Festival: vom 6. bis 18. Mai in den Münchner Kinos und ab dem 11. Mai bis zum 25. Mai auf der heimischen Leinwand mit 80% der Filme @home (www.dokfest-muenchen.de).

©Nonkonform

Adele Kohout bei der Pressekonferenz des Dokfests .

Die Eröffnungsveranstaltung findet am Mittwoch dem 6. Mai um 19.30 Uhr im Deutschen Theater in München auf Einladung statt. Als Eröffnungsfilm wird »Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war« mit Sandra Hüller in der Hauptrolle als »Hybrid Film« gezeigt. Ob das Vermischen von Bachmann Originalmaterial mit Spielszenen eine Bereicherung sein kann, wird sich bei der Premiere zeigen.

Die Kinotickets sind dieses Jahr ein Euro teurer geworden und kosten 12 Euro (ermäßigt 10 Euro), für @home Streaming (80% der Filme) 5 Euro. Ein Festivalpass kostet für das Kino 80 Euro und für die digitale Leinwand 60 Euro. Es gibt auch einen kombinierten Festivalpass für 120 Euro.

©Nonkonform

Beim Dokfest gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm.

Das 41. Dokfest München in Zahlen (2025 in Klammern):

  • 106 Filme (105)
  • 1440 Einreichungen (1400)
  • 49 Länder (58)
  • 22 Weltpremieren (19)
  • 51 Deutschlandpremieren (56)
  • 9 Internationale Premieren
  • 15 Wettbewerbe mit dotierten Preisen (16)
  • 15 Themenreihen (16)
  • 3 Hauptpreise und 12 weitere
  • 23 Spielorte in München (23)
  • 200 Filmgespräche ca. (200)
  • 410 Vorführungen
  • Von den Filmemachern sind 56 weiblich, 76 männlich und 2 divers.
Die ganze Stadt spielt Dokumentar-Film
©Nonkonform

Die Festivalspielstätten im Überblick.

Projiziert wird in den Kinos: Atelier 1+2, City 2, Rio 2, Filmmuseum, Neues Rottmann, Neues Maxim, in der HFF, dem Deutschen Theater, dem Amerikahaus, dem Literaturhaus, im Bellevue di Monaco, der Pinakothek der Moderne, dem Gasteig HP8, dem Instituto Cervantes, dem NS Dokumentationszentrum, dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst (SMÄK), den Kammerspielen, Einstein 28 und der Pasinger Fabrik. Neu als Abspielstätten hinzugekommen sind das Theatiner Kino und das Metropol Kino. Es gibt auch wieder ein Open Air Kino in Kooperation mit Ciné Vélo Cité im Hof der HFF.

Für Festival Leiterin Adele Kohout ist es ihre erste Dokfest-Ausgabe, gleichwohl sie schon seit 19 Jahren dem Festivals-Team angehört. Bei 106 Festival Filmen sind 15 Themenreihen eine ganze Menge. Jede Themenreihe wird jetzt durch einen Signature-Film repräsentiert und durch einen Fokus-Talk begleitet, an dem neben den Filmgästen auch Fachexperten zum Thema teilnehmen.

Die Themenreihen haben neue Titel bekommen, und die Preisträgerfilme sind auf die 15 Reihen verteilt.:

  • Vision of the Future – Die Zukunft beginnt jetzt!
  • HerStory – Filme über furchtlose Frauen
  • Beziehungsweise – Filme darüber, wie wir lieben, leben und streiten
  • EcoCinema – Filme über eine Welt am Kipppunkt
  • Politics, in Zeiten wie diesen – Filme über Macht, Freiheit und Menschenrechte
  • ©NonkonformJunge Perspektiven – Filme über das Aufwachsen in dieser Welt
  • Empowered – Filme über das Aufbegehren
  • Reframing History – Filme darüber, wie die Vergangenheit unsere Gegenwart formt
  • ZusammenLeben – Filme über Gemeinschaft
  • Beyond Borders – Filme über Migration, Exil und ihre Realitäten
  • Brave New Work? – Filme über Realitäten der Arbeitswelt
  • The Artist ist Present – Filme über Künstler*innen und ihre Welten
  • The Sound of Music – Filme über Musiker*innen und ihre Geschichten
  • African Encounters – Filme und Dialoge über Aktivismus und Widerstand
  • Personal Memoriams – Blicke auf große Filmemacher

Es ist das Jahr Null nach der Vorstellung von Sora 2, dem Bildgenerator, der schon drei Wochen nach dem 30. September 2025 merkbar die Wahrnehmung von Bildinhalten fundamental geändert hat. Bei Vielem, was man ab da auf den Socialmedia-Bildkanälen zu sehen bekam, war ungewiss: Ist das real? Und die Glaubwürdigkeit von Bildern bröckelte täglich ein bisschen mehr.

©Open AI

Sora wurde eingestellt.

Open AI hat zwar am 24. März 2026 Sora wegen der hohen Rechenkosten und der geringen Einnahmen eingestellt. Aber die Fragen bleiben: Wie gehen die Filmemacher mit KI-Software um? Und sieht man schon jetzt erste Auswirkungen im Dokumentarfilmschaffen?

Bis jetzt sind Auswirkungen im Dokumentarfilmschaffen noch nicht erkennbar. Produktions- und Einreichungszeiten für ein Festival sind länger als die Spanne, in der die neue Version der Software im Umlauf war und mit möglichen Auswirkungen auch vergleichbarer Programme werden wir im nächsten Jahr konfrontiert. Nur ein hier besprochener Film verwendet KI generierte Inhalte, beschäftigt sich aber gleichzeitig thematisch mit KI (Finding Connection).

©DOK.fest München, Das Gewicht der Welt

Drohnen haben unsere Sichtweise verändert. Still aus »Das Gewicht der Welt«.

Bildsprache

Filme arbeiten mit einer Abfolge von Bildern, die uns etwas erzählen soll. Sie haben eine Bildsprache, die sich gemeinschaftlich entwickelt und auch Moden hervorbringt. Man müsste alle Filme dieses Festivals mit einer vergleichenden KI erfassen, um der aktuellen Bildsprache auf den Grund zu gehen. Hier kann ich nur aus dem Gedächtnis heraus einige Auffälligkeiten erwähnen, die natürlich auch mit der Zufälligkeit zusammenhängt, in welcher Reihenfolge ich die Filme gesehen habe.

In vielen Filmen kommen Tunnel vor, durch die die Kamera fährt (Whistleblower, Sterben für Anfänger). Oft tropft Wasser in Pfützen, von Eisdecken, oft folgt die Kamera Telegrafendrähten. Sehr oft sehen wir senkrecht von oben auf Landschaften und Naturstrukturen. Bis zur Erfindung von Drohnen waren solche Aufnahmen schier unmöglich, es sei denn, man hatte soviel Geld, ein Loch in den Boden eines Flugzeugs zu schneiden. Rückwirkend kann man sagen, dass die Drohnen unsere Sichtweise extrem verändert haben und der Wunsch nach Übersicht wird überall erfüllt.

©DOK.fest München, To Hold A Mountain

Still aus »To Hold A Mountain«.

Die Miniaturisierung der Smartphone-Technik hat viele günstige Sensoren entstehen lassen, die für die Kamerastabilisierung notwendig sind und jetzt überall verwendet werden. Die Wackelkamera nimmt dank dieser Möglichkeiten deutlich ab.

Das einfache Leben

Übermäßig häufig wird in Dokumentarfilmen das einfache Leben gefeiert, obwohl es eher ein Relikt der Vergangenheit ist und auch im hinterletzten Winkel der Welt jeder gerne einen Kühlschrank und eine Waschmaschine hat. (The last Girl, Singing Wings, To Hold a Mountain, Silent Food)

©DOK.fest München, Melt

Still aus »Melt«.

Wasser und Schnee

Es regnet, schmilzt und tropft viel in den Filmen, als wenn aller Welt auf einmal bewusst geworden ist, dass es ohne Wasser kein Leben gibt (The last Girl, Silent Flood, Watching Birds) und der Klimawandel mit Erderwärmung schon heftig wirkt (Melt, Das Gewicht der Welt, La Pietà ).

Filmlänge

Die Aufmerksamkeitsspanne der Bevölkerung soll kontinuierlich abnehmen. Bei den Dokumentarfilmen sind 90 Minuten nicht mehr genug und die Länge der Filme nimmt gefühltermaßen kontinuierlich zu. Manchmal täte es besser, die Filmemacher würden fokussieren und sich von überflüssigem Material trennen.

Beziehungsfilme
©DOK.fest München, Becoming Kim

Still aus »Becoming Kim«.

Filme über die Beziehung zwischen zwei Personen, wovon eine der Filmemacher ist, gibt es auch im diesjährigen Programm, Vater-Sohn (Vater, Sohn und der Preis des Widerstands) und Frau – Mann (Becoming Kim).

Manchmal sind diese Themen zu privat, um von allgemeinem Interesse zu sein, aber in letzterem Beispiel findet die Filmemacherin eine ureigene witzige performative Ausdruckweise, die Probleme zwischen Ehepartnern aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu reflektieren, dass dies allein schon ein Grund ist, den Film zu sehen.

Kommentar und Sprache

Es gibt eine unausgesprochene Regel, was Dokumentarfilm ist. Entweder wird es international gelehrt oder es ist ein Kriterium der Filmauswahl, denn für dieses Festival wurden nur 106 Filme aus 1440 Einreichungen gewählt. Kein Film hat einen Kommentar, höchstens aus dem Off eingesprochene Gedanken des Machers, der dann persönlich an diesen Filmen beteiligt ist. Damit man dabei gar nicht erst in den Verdacht kommt, es könnte Kommentar sein, wird diese Ich-Kommentierung dann geflüstert. Einige Filme verwenden Zwischentitel für kurze Erklärungen oder Einblendungen ins Bild, um Personen vorzustellen oder Zeitsprünge zu markieren.

Dokumentarfilm und Unterhaltung

Seit den 80er Jahren beschäftigen sich Dokumentarfilm-Macher mit der Frage, was erlaubt ist und wo die Brandmauer zur Täuschung verläuft. Die Diskussion folgt den gleichen Mustern wie immer, wenn »Innovationen« in die Gesellschaft eingebracht werden, deren Nutzen für die Allgemeinheit diffus, aber für bestimmte Personengruppen außerordentlich groß ist. Regelmäßig fallen dann Stichworte wie Fortschritt, kreative Erweiterung, neue Sichtweisen, unterhaltend, zukunftsweisend, modern.

©Nonkonform

Hans-Albrecht Lusznat: Kameramann und Autor dieses Filmbesprechungen.

Fremdelten die Dokumentaristen anfangs mit dem Begriff der Unterhaltung und wollten ihre Themen ernstgenommen wissen, konnten sich letztlich jene durchsetzen, die Inhalte auf unterhaltsame Art präsentieren wollten, um damit mehr Zulauf und Aufmerksamkeit zu bekommen. Heute spricht man von Aufmerksamkeitsökonomie und Dokumentarisches im Fernsehen ist oft eher massentaugliches Dokutainment als Dokumentarfilm. Macher verstehen sich auch nicht mehr ausschließlich als diejenigen, die relevante Aspekte in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen und das gängige Blickfeld weiten, sie sind Content-Creator, die Inhalt für Zuspruch liefern, ein sehr klarer Mechanismus in der Lieferkette, der sich selbst befeuert nach dem Prinzip, gut ist was viele sehen. Bis zum kleinsten Youtuber und Instagram-Creator ist die Klick-Quote heute die alleinige Messlatte und die Grundlage des Belohnungssystems. Mancher Politiker nutzt inzwischen das Bundestagsfernsehen (dokumentarisch) auf seinem Youtube-Kanälen, um damit nicht unerhebliche Mehreinnahmen für sich zu generieren.

Seite 1: Eckdaten und Tendenzen
Seite 2: Filmbeschreibungen
Seite 3: Filmbeschreibungen
Seite 4: Filmbeschreibungen

Autor: Hans-Albrecht Lusznat

Bildrechte: Dokfest München

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