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Kurz und knackig – KW 23/2026

Wertvoll: »Prüfungen« und Finanzierungen. Orbital: Frequenzen für EU-Nutzer sichern. Teuer: Milliardenschaden durch Piraterie. Weniger: Junge Kinogänger. Ende: Migrationsradio Cosmo.
Unternehmen
Die RTL Group schloss die Übernahme des PayTV-Anbieters Sky (DACH) per 1. Juni ab. Der so entstandene AV-Konzern hat 12,3 Mio. zahlende Kunden der Marken RTL, RTL+, Sky und Wow. Zudem sollen Synergien von rund 250 Mio. € pro Jahr über drei Jahre entstehen. RTL will sich damit gegen globale Streaming Plattformen stärken.
Nach Mediashop (Österreich) ist ein weiterer Shopping-Kanal insolvent. 2001 als »RTL Shop« gegründet wurde das heutige Channel21 2008 an einen Investor verkauft, der bald weiterverkaufte. Die Sendungen wurden zum 31. Mai eingestellt.
Künstliche Intelligenz
Präsident Trump forderte KI-Firmen per Erlass auf, ihre leistungsfähigsten Produkte »vor der Veröffentlichung freiwillig« den Ministerien für Krieg, Finanzen und Heimatschutz vorzulegen. Für die Prüfung sollen diese 30 Tage Zeit haben.
Der republikanisch geführte US-Bundesstaat Florida verklagte die KI-Schmiede (ChatGPT). Dort seien tödliche Medikamente empfohlen worden und der Täter vor einer Massenschießerei beraten worden. Eine fehlende Altersverifikation schädige Kinder und Jugendliche, die Software verursache Abhängigkeiten.
Trotz Angriffen der US-Regierung wurde der Wettbewerber OpenAI als global wertvollste KI-Schmiede überholt. Der Firmenwert von Anthropic stieg nach einer 65 Mrd. $-Finanzierungsrunde auf 965 Mrd. $. Laut »Wall Street Journal« war die Firma vor rund 3 Monaten nur 380 Mrd. $ wert. Laut US-Medien wird die Zulassung zur Börse geprüft.
Der Mutterkonzern von Google plant nach 2015 eine neue Kapitalsammlung über Aktienverkäufe, um mit frischen 80 Mrd. $ die Infrastruktur für KI zu finanzieren.
Broadcast
Beliebtester Sportkanal ist erneut die ARD-Sportschau mit 3,5 Mio. (2024: 3,58 Mio.) Zuschauern am Samstag und einem Marktanteil von 21,0%. Sky erreichte 2,993 Mio. Zuschauer je Spieltag, DAZN hatte bis zum 32. Spieltag eine Nettoreichweite von rund 900.000 Zuschauern.
Die deutsche TV-Forschung erweitert ihre Tests zur Erhebung von Nutzerdaten um die Erfassung des Rückkanals von HbbTV-Anwendungen.
WeltN24 bleibt bis Dezember 2030 im kostenpflichtigen Paket FreenetTV über DVB-T2 HD empfangbar. Das vereinbarten der Newskanal und der Sendenetzer Media Broadcast.
Produktion
Beim Cartoon Forum (Toulouse, 14.-17.9.2026) suchen 61 Animationsserien und 5 TV Trickspecials mit Hauptproduzenten aus 19 Ländern Europas nach Partnern, um die Finanzierung von zusammen 283,58 Mio. € (4,30 Mio. € pro Minute) zu sichern und die Produktion zu ermöglichen. Frankreich ist traditionell stark mit 32, Deutschland mit 5 Projekten vertreten.
Streaming
Der Abstand neuer Staffeln von scripted Originalserien der großen Plattformen hat sich in fünf Jahren von 12 auf 21 Monate fast verdoppelt. Laut Ampere Analysis liege das am Trend zu aufwändigeren High End-Produktionen im Blockbuster-Style.
Filme & Förderungen, Festivals & Kinos
Abräumer beim 22. Wettbewerbsjahrgang der Deutschen Filmpreise ist »In die Sonne schauen« als Bester Film und mit Lolas für Regie, Drehbuch, Bild- und Tongestaltung, Schnitt, Szenen-, Masken- und Kostümbild und die beste weibliche Nebenrolle.
Die Filmförderungsanstalt meldet für 2025 23,4 Mio. (+8%) Kinogänger. Rund 31% (2024: 29%) der Deutschen waren demnach mindestens einmal im Kino. Jedoch wurden nur 3,8 (-4%) Tickets je Besucher verkauft. Der Besuch deutscher Produktionen wuchs um 35% auf 13,3 Mio, das Durchschnittsalter stieg um 1,4 auf 40,6 Jahre. Die Ticketkäufe gingen jedoch vor allem bei den 10- bis 19-Jährigen (-5%) und den 20- bis 29-Jährigen (-7%) zurück.
Radio, Audio

Nur mit knapper Mehrheit bekam die WDR-Führung grünes Licht für das Neukonzept für 1Live, 1LiveDiggi und Cosmo. Cosmo, bisher orientiert auf Migranten, soll als 1Live Street auf die 20- bis 29-Jährigen Hiphop-Fans als »kulturell diverse, urban orientierte Zielgruppe« fokussieren. Die »interkulturelle Expertise der Sprachen-Teams (werde) stärker in den deutschsprachigen Programmen« verankert, fremdsprachliches auf digitale Inhalte in Arabisch, Farsi und Türkisch reduziert. Eine Initiative von Prominenten hatte den Erhalt der Integrationswelle gefordert.
Klassik Radio verließ UKW Ende Mai als drittes von vier landesweiten Privatradios Schleswig-Holsteins sowie in Hamburg. Ab 1. Juli senden auch die SH-Lokalradios Fratz (Flensburg) und Freies Radio Neumünster terrestrisch nur über DAB+. UKW-Sender in Schleswig-Holstein werden aufgrund des Landesmediengesetzes nicht mehr ausgeschrieben.
Das Münchner Privatradio verzichtet nun erstmals auf UKW-Sender. Der Ausstieg beginnt am 1. Juli 2026 an den Standorten Balderschwang (97,3 MHz, 20 Watt ERP) und Bayrischzell (106,7 MHz, 100 Watt ERP). Auf DAB+ als Alternative für die Terrestrik wird verwiesen.
Organisationen der 45 Lokalradios in NRW und Radio NRW (Mantelprogramm) wollen nach jahrelangen Debatten ihre Zukunft durch eine Renovierung des sog. »Zwei-Säulen-Modells« sichern. Bis Ende 2027 will man die Studio- und Sendetechnik sowie die digitale Infrastruktur unter einheitliche fachliche Führung stellen. Auch Programm- und Produktentwicklung, Marketing sowie die überregionale Vermarktung werden zentralisiert. Unterdessen beantragte Radio Mittelweser die Insolvenz, sendet aber weiter.
Frequenzen
Die EU-Kommission will europäische Mobilfunk-Frequenzen via Satellit im 2 GHz-Bereich sichern, die derzeit von US-Firmen besetzt sind. Künftige Vergaben sollen mit der Nutzung von 2/3 der Bandbreite durch europäische Anbieter koppeln. Das betreffe vor allem vertrauliche Verwendungen durch Regierungen und Militär.
Medienpolitik
Mit dem neuen Medien-Staatsvertrag für private Medien bekommt die Medienanstalt MABB neue Möglichkeiten zur Stärkung der Angebots- und Anbietervielfalt in Berlin und Brandenburg. Enthalten ist ein Rahmen für den Übergang von UKW zu DAB+.
Eine Staatsvertrags-Novelle soll den RBB auf eine »angemessene Berichterstattung über die Plenar- und Ausschusssitzungen der Landesparlamente in Berlin und Brandenburg« verpflichten. Die Zahl der Radiowellen, einschließlich Kooperationen, wird gemäß Reformstaatsvertrag von acht auf sechs reduziert.
Mit einer Novelle des Mediengesetzes will Thüringens Landesregierung die Fusion der beiden großen Privatradios Antenne und Landeswelle ermöglichen. Beide arbeiten bereits unter einem Firmendach und in einem Gebäude. Nun soll ihnen die redaktionelle Zusammenarbeit erlaubt werden. Die Landesregierung nimmt angesichts wirtschaftlicher Umstände einen Verlust an Vielfalt in Kauf.
Medienrecht, Gesetze, Urteile
Teleshopping-Kanäle, darunter QVC, tragen nichts zur Meinungsbildung und zur TV-Vielfalt bei und entsprechen grundsätzlich nicht den Kriterien des Medienstaatsvertrages für einen »Public Value«. Damit wies das OVG Münster (Az. 13 A 2858/24) eine Klage von QVC gegen einen Bescheid der Medienanstalt LfM ab.
Illegales TV-Streaming von 7,7 Mio. Menschen verursachte 2025 einen Schaden von 2,4 Mrd. €. Laut TV-Piraterie-Studie 2025 des Privatfunk-Branchenverbandes sei das seit 2022 um 33% gestiegen. Dem Staat entgingen rund 542 Mio. € (+40%) an Steuern und Sozialabgaben.
Märkte, Studien, Statistiken
85,3% der 1- bis 17-Jährigen nutzen täglich Bewegtbildangebote. Streaming und Social Media prägen die selbstbestimmte Nutzung, während der Fernseher Treffpunkt der Familie bleibe, so die »AGF Next Gen Videostudie 2026«.
Eine neue Studie der EU-Medienforschung fasst »Steuerliche Anreize und Cash-Rebate-Systeme im audiovisuellen Sektor« zusammen. Der Vergleich nationaler Ansätze zeige erhebliche Unterschiede bei Verwaltung, Schwellenwerten, Obergrenzen, Berechenbarkeit und Monetarisierung. Der Erfolg einer Produktion hänge auch von Rechtssicherheit, unbürokratischen Abläufen, qualifizierten Arbeitskräften, Infrastruktur und einer langfristig kohärenten Politik ab.
Internationales
Nach einem verlorenen Verfahren wegen Behinderung des Zugangs von Journalisten verbietet das US-Kriegsministerium Medienleuten nun den Zugang zu seinem Pressebüro. Es wurde zum »Bereich mit geheimen Informationen« deklariert, weil dort angeblich »routinemäßig mit Verschlusssachen« umgegangen werde.
Die Medienbehörde BAKOM schreibt nach dem zurückgenommenen UKW-Aus 20 UKW-Pakete in 13 Regionen ab 2027 bis Ende 2031 für DAB+-Programme aus. Bei mehreren Interessenten wird versteigert. Die öffentlich-rechtliche SRG und 25 Privatradios mit »Leistungsauftrag« behalten nach einem Gesuch ihre Ressourcen.
Big Blue Marble, Marke des österreichischen Sendenetzers ORS, sieht seine Plattform »Nakolos« als erste End-to-End Lösung für 5G Broadcast gemäß dem kompletten 3GPP-Release 19. Dem gingen zwei Jahre Vorarbeiten mit den Partner Bitstem, Tredess und SYES sowie der EBU und Broadcast Networks Europe voraus.
Bei einer Razzia gegen eine illegale Streaming Plattform wurde Technik im Wert von 1,2 Mio. £ (knapp 1,4 Mio. €) beschlagnahmt. Bei einem von zwei Verhafteten wurden 700.000 £ (810.000 €) gefunden. Sky unterstützte die Aktion der Police Intellectual Property Crime Unit.
Das trotz der größten Protestwelle seit der Wende von der sozialdemokratisch-rechtspopulistischen Koalition verabschiedete Mediengesetz verstärkt die Kontrolle der Regierung in Gremien des litauischen öffentlich-rechtlichen Senders LRT und erleichtert die Ablösung der (derzeit regierungskritischen) Generaldirektorin. Die Koalition hatte das LRT-Budget zuvor auf drei Jahre eingefroren. Diese Eingriffe in die Unabhängigkeit des Rundfunks widersprechen EU-Recht, so internationale Kritiker.
Personalia
Die Berufungen von Führungspersonal nach der Fusion geht weiter. Frank Vogel hat nun die Gesamtverantwortung für die Vermarktung. Er bleibt CEO der AdAlliance und der RTL-Techniktöchter und soll die Integration von Sky Media in die AdAlliance umsetzen.
Am 1. Juni übenahm Venesa Hoffmann die Geschäftsführung des Informations-Verarbeitungs-Zentrums (IVZ) der ARD beim RBB in Potsdam. Von Bora Lüftungstechnik kommend folgt sie auf Georg Greten, der nach 25 Jahren in der Position am 1.10. in den Ruhestand geht.
Die Programmleitung des zusammengelegten Jugendradios von SWR, SR und HR hat Max Lotter (SWR) übernommen. Die Standortleitungen übernahmen Monika Martino (HR) und Zlatin Nikov (SR) zum Sendestart am 1. Juni.
Wolfgang Elsässer ist ab Juli Chief Consumer Officer der Schweizer Telco. Er folgt auf André Krause. Bei der CH Media TV AG folgt Malte Probst Elsässer als Geschäftsführer.
Der auf KVM spezialisierte Hersteller erweiterte das Führungsteam. Neu ist Thomas Niessen als CEO, von Belden kommend, als zweiter Geschäftsführer neben Frank Breitenfelder, der seit April 2025 CFO und Geschäftsführer ist.

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