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Die Zweite Welle der Generativen KI im Bewegtbild
»Wir können jetzt Geschichten erzählen, die vorher nicht erzählbar waren«, sagte beispielsweise Tim Greve, Geschäftsführer der seven200 AI Studios GmbH. Man könne nun eine Genre-Vielfalt produzieren, wie es sie in Europa vorher nicht gegeben habe, betonte Yoko Higuchi-Zitzmann, Geschäftsführerin und Gründerin der Dreamkite Studios. Als Beleg für ihre These führte sie den Trailer des Science-Fiction-Kurzfilms »The wind before the name« vor, der komplett mit Künstlicher Intelligenz generiert wurde. Basis hierfür war das multimodale KI-Video-Tool Seedance, in der Branche derzeit »State-of-the-art«, berichtete Higuchi-Zitzmann.
Wie KI hilft, Kosten zu sparen
In den KI-Anfängen um das Jahr 2023 herum sei es vor allem darum gegangen, bei der Produktion von Bewegtbild Kosten zu reduzieren oder neue Special Effects in der Postproduktion einsetzen zu können. Jetzt aber könnten die Modelle längere komplexe Szenen produzieren, berichtete Frederic Boesel, Mitgründer des KI-Startups Black Forest Labs.
Dass dabei auch Kosten gespart werden, belegte Tim Greve mit einem Beispiel: Für eine Produktion, die in Teheran spielte, sollte eine Szene auf einem Basar gedreht werden. Das Team konnte sich nicht nur die Reisekosten sparen. Statt auf mehreren hundert Quadratmetern einen Basar nachzubauen, hätte ein Bereich von zweieinhalb Metern genügt. Den Rest übernahm die KI.
Die Gesprächsrunde bemühte sich, den Eindruck zu widerlegen, die neue Generation an KI-Tools mache Schauspielerinnen und Schauspieler überflüssig. Er glaube nicht an Full-AI-Produktionen außerhalb von Animationsfilmen, sagte Greve. KI werde die Darstellerinnen und Darsteller nicht ersetzen, vielmehr gehe es künftig um hybride Ansätze, ergänzte Higuchi-Zitzmann. Sie verwies darauf, dass in dieser Kombination aus realen und KI-Elementen eine große Chance für die deutsche und europäische Filmindustrie liege. Über Jahre hinweg sei Komödie in Deutschland so ziemlich das einzige Genre gewesen, das sich refinanziert habe.
Künftig könnten aber mithilfe der neuen Generation von KI-Tools auch Action-Filme wirtschaftlich erfolgreich sein. Jetzt sei ein guter Zeitpunkt, hochwertige und erzählerisch gut angelegte Produktionen technologisch auf Top-Level zu bringen.
KI-Serienfolgen wie aus der Retorte
Maximilian Orgonyi, Chief Transformation & AI Officer und Mitglied der Geschäftsführung von RTL Deutschland, gab ein konkretes Beispiel, wie jetzt schon Kosten gespart werden. Für das Gerichtsformat »Strafgericht«, das bis heute rund 1.500 Folgen umfasst, hat RTL fünf alte Folgen zu neuen umgearbeitet – mit anderen Gegenständen und anderen Aussagen der Richterinnen und Richter. Damit sei es gelungen, eine »coole Marke« ohne großen Aufwand und kostengünstig zukunftsfähig zu machen.
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