Branche, Interview, Report, Top-Story: 13.12.2011

Produktionstrends 2012: Rental-Experten berichten

Der 16-mm-Film ist tot. Kein Hersteller produziert mehr 35-mm-Filmkameras. Muss als nächstes der 2/3-Zoll-Camcorder dran glauben? Wie stellt sich die aktuelle Marktlage bei den Kameras dar? Welche Trends zeichnen sich im Produktionsbereich ab? Wo liegen die Problemfelder? film-tv-video.de hat dreizehn Experten aus dem Bereich Kamera-Rental dazu befragt.

Die Kamerawelt ist durcheinander geraten. Fast nichts ist in diesem Bereich der Branche mehr so, wie es vor fünf Jahren war. Hier hat wahrhaft eine Revolution stattgefunden, die diesem Begriff auch gerecht wird. Außerdem wirken sich diese drastischen Veränderungen am Anfang der Kette auch auf viele andere Produktionsbereiche aus.

Wenn überhaupt jemand weiß, was gerade ein echter Markttrend ist und nicht nur ein Hype-Thema, über das zwar viel geredet wird, bei dem aber in der Praxis wenig passiert, dann sind das die Kameraverleiher: Die investieren häufiger als andere Kameraeigner und sie können an der Nachfrage direkt ablesen, was gerade angesagt ist. Also hat film-tv-video.de 13 Experten aus dem Bereich Kamera-Rental befragt und aus deren Antworten herausdestilliert, wie sich der deutsche Markt in Bezug auf professionelle Bewegtbildkameras derzeit darstellt und welche Folgen der Paradigmenwechsel in diesem Bereich nach sich zieht.

13 Rental-Unternehmen bewerten den Markt und seine Trends

Rental-Unternehmen — oder Verleiher, wie der Volksmund auch dann unverändert sagt, wenn es sich steuerlich und juristisch eindeutig um Vermieter handelt — haben ein gemeinsames Problem: Man muss schon früh die angesagten Geräte im Angebot haben, wenn man von aktuellen Trends profitieren will. Setzt man aber aufs falsche Pferd und greift daneben, dann liegen die Geräte im Regal wie Blei und amortisieren sich nicht.

Das betrifft alle Verleiher, auch wenn sie sich ansonsten teilweise massiv unterscheiden: Es gibt kleine und große, breit aufgestellte und hoch spezialisierte, solche mit puristischem Rental-Fokus und solche, die auch noch andere Dienstleistungen anbieten. Manche sind eher im EB– und Broadcast-Bereich zuhause, andere eher in der szenischen Produktion von Kinofilmen, TV-Movies und Serien.

Die von film-tv-video.de befragten Rental-Anbieter sind unter diesen Aspekten nicht direkt vergleichbar, sondern repräsentieren ein breites Spektrum: Da gibt es etwa Cinegate mit förderfähigen Niederlassungen in elf Bundesländern, rund 60 Mitabeitern, eigenen Studios, rund 120 Kameras sowie umfassendem Licht-Equipment in der Vermietung. Und neben diesem großen Rental-Haus gibt es im Mietmarkt etwa auch das Hamburger Unternehmen Equiprent, wo drei Mitarbeiter und zehn Kameras die Eckdaten widerspiegeln. Cine-Mobil, Ludwig Kameraverleih, FGV Schmidle und MBF repräsentieren mit 25 bis 35 Rental-Mitarbeitern und 70 bis 120 Kameras die gängigste Größe. Anders als alle bisher genannten, konzentrieren sich Wellen+Nöthen, Sono Studiotechnik und AVT Plus dagegen eher auf den Broadcast-Markt, vermieten neben Camcordern etwa auch Kamerazüge, mobile Regien und Videomischer.

Insgesamt beteiligten sich an der Befragung: Thomas Zeitz von Toneart, Philip Vogt von Das Filmgerät, Jannis Flatau von AVT Plus, Markus Schmidle von FGV Schmidle, Frank Kühn von Sono Studiotechnik, Volker Rodde von VR, Peter Matthäi von MBF, Jürgen Schaum von Chroma TV, Andreas Teichmann von Equiprent, Martin Abert von Cinegate, Heinz Ratzinger von Cine-Mobil, Martin Ludwig von Ludwig Kameraverleih und Alexander Hogrefe von Wellen+Nöthen.

Trotz der großen Bandbreite der Unternehmen lassen sich viele Trends und Themen finden, die jeweils von mehr als der Hälfte der befragten Rental-Unternehmen gleich oder sehr ähnlich bewertet und eingeschätzt werden.

Kameratrend 1: Single-Sensor-Kameras auf dem Vormarsch

Schon bei der letzten vergleichbaren Marktbefragung von film-tv-video.de, die Anfang 2009 veröffentlicht wurde, manifestierte sich ein Trend zu Single-Large-Sensor-Kameras (SLS). Seither sind zahlreiche weitere Kameras auf den Markt gekommen, die nach diesem Prinzip arbeiten: Arri etwa hat schon mehr als 2.000 Alexas ausgeliefert, Sony und Panasonic schoben preisgünstigere Geräte nach. Interessant: Auch der eher auf den Broadcast-Markt ausgerichtete Rental-Bereich von Wellen+Nöthen hat etwa eine Alexa Plus im Vermietprogramm.

Dieser Technologiewandel auf der Herstellerseite geht natürlich Hand in Hand mit Veränderungen auf der Kundenseite: Fast alle Verleiher haben weiter in diese Technik investiert und in den vergangenen 18 Monaten entsprechende Kameras angeschafft. Dabei fallen einige Modellnamen besonders oft: Arri Alexa und Sony PMW-F3 werden am häufigsten genannt. Dann folgen Red Epic und DSLRs der EOS-Baureihe (5D und 7D) von Canon. Mit etwas Abstand dazu werden Panasonic AG-AF101 und Sony NEX-FS100 genannt. Manche Verleiher haben bis zu zehn Kameras der besonders populären Typen angeschafft. Etliche Rental-Häuser ließen zudem auch die Sensoren ihrer Red Ones wechseln und führten das MX-Sensor-Update für diese Kameras durch.

Welchen Anteil haben die Single-Large-Sensor-Kameras am Kamerageschäft der jeweiligen Verleiher? Auch die Antworten auf diese Frage sprechen eine deutliche Sprache: mehr als die Hälfte der Verleiher beziffern diesen Anteil auf 50 % oder mehr, drei davon geben sogar über 80 % an.

Der Umfang, in dem das Large-Sensor-Thema in den Unternehmen virulent ist, hängt natürlich auch von der Kundenstruktur des jeweiligen Verleihers ab: Wer überwiegend für TV-Movie- und Serien-Produktionen Equipment zuliefert, der wird natürlich nicht in klassische EB-Camcorder investieren, sondern eben in SLS-Kameras — und umgekehrt. Insgesamt ist der Trend zu SLS-Kameras aber querbeet eindeutig und klar zu sehen.

Weitgehende Einigkeit besteht unter den Rental-Anbietern darin, dass der SLS-Anteil im Jahr 2012 weiter wachsen wird — und zwar in praktisch allen Bereichen, außer dem news-orientierten EB-Markt.

Stimmen dazu:
  • Andreas Teichmann: »Kameras wie Alexa und Red werden den Profimarkt übernehmen, Canon 5D und Konsorten werden den gehobenen Prosumer-Markt beherrschen.«
  • Thomas Zeitz: »Single-Sensor-Camcorder werden die Oberhand gewinnen. Im EB-Bereich werden weiterhin die klassischen 2/3-Zoll-Camcorder eingesetzt.«
  • Jannis Flatau: »Canon EOS 5D, Panasonic AG-AF101, Sony PMW-F3 und NEX-FS100 werden zunehmend häufiger auch für Berichterstattung eingesetzt, weil auch hier deren „Look“ gefragt ist.«
  • Peter Matthäi: »Bisherige 16-mm-Produktionen im TV-Bereich werden bei uns durch Alexa ersetzt.«
  • Martin Abert; »Beim TV-Markt beobachten wir, dass fast alle Produktionen, die von analogem S16 — sprich "kleiner Sensor" — auf digital umgestiegen sind, dann auch auf große S-35-Sensoren wechseln.«
  • Volker Rodde: »Der Anteil der Single-Large-Sensor-Kameras steigt rapide. Zur Zeit haben diese bei uns einen Anteil von rund 30 %. Das böse Erwachen kommt noch …«
  • Heinz Ratzinger: »In den vergangen Monaten haben wir in Red One- und Alexa-Kameras investiert. Inzwischen bieten wir rund 30 HD-Kameras  — Red One und Alexa — inklusive Festbrennweiten und Zoomobjektiven.«

Blickt man über den Rental-Bereich hinaus auf den Gesamtmarkt, kann man davon ausgehen, dass besonders die günstigeren der genannten Kameras, also etwa die DSLRs, AG-AF101 und NEX-FS100, zudem in sehr vielen Fällen von den Anwendern gar nicht gemietet, sondern gleich selbst angeschafft werden.

Kameratrend 2: 2/3-Zoll auf dem Rückzug?

Es gibt noch eine wahre Domäne für die 2/3-Zoll-Kameratechnik: Praktisch alle Kameras, die im Live-Betrieb eingesetzt, also an Ü-Wagen angeschlossen oder in Studios verwendet werden, sind derzeit noch 2/3-Zoll-Kameras — in klassischer Bauweise mit Strahlenteiler und drei Bildsensoren. Für Rental-Anbieter, die sich eher in diesen Märkten tummeln, sind solche Kameras weiterhin das Maß der Dinge.

Stimmen dazu:
  • Frank Kühn: »Unsere Kunden sind Fernsehstudios und Ü-Wagen-Betreiber, deshalb haben wir ausschließlich 2/3-Zoll-Dreichip-Kameras im Verleih.«
  • Alexander Hogrefe: »2/3-Zoll-Kameras machen den weitaus größeren Anteil im Mietequipment-Pool von Wellen+Nöthen aus.«
  • Jannis Flatau: »Das klassische EB-Geschäft wird in der Regel weiterhin mit 2/3-Zoll-EB-Camcordern bedient. Bei AVT Plus machen diese Camcorder 3/4 der Kameravermietungen aus.«
  • Andreas Teichmann: »Sendeanstalten werden weiterhin auf schwere Schulterkameras schwören.«

Rental-Firmen mit höheren EB-Anteilen und besonders solche, die nicht nur Kameras, sondern ganze Teams vermieten, haben in den vergangenen 18 Monaten folgerichtig in 2/3-Zoll-Technik investiert und entsprechende Kamerazüge und Schulter-Camcorder angeschafft. Hier liegen bei den Befragten Grass Valley mit der LDK 8000 bei den Studiokameras und Sony bei den Camcordern eindeutig vorn. Sonys disc-basierte Modellen PDW-800 und PDW-700 und der PMW-500, der auf SxS-Karten speichert, führen die Liste an. Deutlich weniger präsent in diesem Bereich ist Panasonic, wo nur der P2HD-Camcorder AJ-HPX3100 genannt wurde.

Abseits der Broadcast-Rentals sind die Investitionsvolumina im Vergleich zu den SLS-Kameras bei den Verleihern aber deutlich geringer: Es wird zwar von den anderen Rental-Firmen hier und dort mal ein solcher Camcorder geordert, aber in wesentlich geringerem Umfang. Die meisten 2/3-Zoll-Camcorder gehen mittlerweile ganz offenbar nicht in den Rental-Markt, sondern werden von den Sendern, von EB-Firmen oder Kameraleuten direkt gekauft.

Stimmen dazu:
  • Peter Matthäi: »Aktuell hat 2/3 Zoll bei uns noch 20 % von vormals 40 – 50% und kleinere Kameras noch 10 % von vorher 15 – 20 % Anteil an unserem Kamerageschäft.«
  • Martin Abert; »2/3 Zoll ist aus unserem Rental nahezu verschwunden.«
  • Markus Schmidle: »Der Anteil von 2/3-Zoll- und kleineren 3-Chip-Kameras: Immer weniger, ähnlich wie 16 mm.«

Kameratrend 3: Welle der Handheld-Camcorder mit kleineren Sensoren ebbt ab

Camcorder wie Sonys PMW-EX1 und EX3 waren mal höchst angesagt und drängten von unten her im Profi-Markt immer weiter nach oben. Diese Entwicklung ist zumindest momentan ganz offenbar in den Schatten des SLS-Trends geraten: Die genannten Sony-Camcorder, sowie der AG-HPX250 von Panasonic und der XF 305 von Canon werden etwa im gleichen Maß als Kamerainvestitionen genannt, wie 2/3-Zoll-Camcorder — also wesentlich geringer als SLS-Kameras.

Natürlich spiegelt hier der Rental-Bereich nicht unbedingt den ganzen Markt wider: Einen Handheld-Camcorder kaufen sich viele Endkunden doch eher noch selbst, als dass sie ihn ausleihen. Insgesamt spielen die Camcorder mit kleineren Sensoren schon noch eine Rolle und die meisten Rental-Firmen schreiben diesen Marktbereich keineswegs ab, aber er ist doch wieder etwas in den Hintergrund getreten.

Stimmen dazu:
  • Martin Ludwig: »Ich gehe durchaus davon aus, dass noch Kameras mit kleinen Sensoren auf den Markt kommen. Der Markt schreit danach.«
  • Philip Vogt: »1/2- und 1/3-Zoll-Kameras haben bei uns einen Anteil am Gesamtgeschäft von etwa 25 %.«
  • Martin Abert: »Kleinere 3-Chip-Camcorder sind weiterhin sehr beliebt. EX1/3 etwa werden weiterhin gerne und viel genutzt. rund 5 % vom Umsatz wird mit diesen Geräten generiert.«
  • Thomas Zeitz: »1/3-Zoll-Camcorder spielen in unserem Kamerageschäft so gut wie keine Rolle mehr.«
  • Jannis Flatau: »Die 3-Chip-Handkameras sind stark durch Large-Single-Sensor-Kameras verdrängt worden.«

Interessant und unerwartet präsentiert sich dagegen ein anderer Aspekt: Dort wo selbst Handhelds zu groß sind, müssen noch weiter miniaturisierte Kameras her — und hier sind die kompakten und im Grunde auch recht kostengünstigen GoPro-Minikameras selbst im Rental-Bereich angekommen.

Fast keine Rolle spielen dagegen im Rental-Bereich — zumindest bislang — die Doppelaugen-Camcorder für die Stereo-3D-Aufnahme. Nur einzelne, seltene Nennungen dieser Geräte sprechen eine klare Sprache: Selbst Chroma TV, ein Unternehmen, das sich mittlerweile auf Stereo-3D spezialisiert hat, hat zwar in Rigs und Kameras investiert, aber nicht in Doppelaugen-Camcorder. 

Die Frage der Objektive

Außer neuen Kameras haben nahezu alle befragten Unternehmen auch Objektive angeschafft: Kein Wunder, denn die vorhandenen 2/3-Zoll-Objektive können mit den SLS-Kameras nicht verwendet werden — zumindest nicht direkt. Lediglich in Ausnahmefällen ergibt es Sinn, das mittels speziellem Adapter, der auch selbst optische Komponenten enthält, doch zu tun.

Bei den Objektiven liegt derzeit auch das größte Hemmnis, das eine noch weitere und raschere Verbreitung der SLS-Camcorder in den unteren Preisbereichen etwas bremst. Wer für einen SLS-Camcorder und ein paar Speicherkarten nur zwischen 4.000 und 5.000 Euro netto ausgeben kann oder will, also in der Preisstufe eines AG-AF101 oder NEX-FS100 einsteigt, der wird in der Regel kein Vielfaches davon für einen Satz Festbrennweiten bezahlen — den er aber braucht, wenn er den Camcorder vernünftig nutzen will.

Das führt dazu, dass bei den Verleihern immer öfter Anwender aufschlagen, die keine Kamera leihen wollen, weil sie eben selbst schon eine besitzen. Stattdessen benötigen sie nur passende Objektive und anderes Zubehör. Auch ein schönes Geschäft für die Verleiher, könnte man glauben: Aber die Beratung und Konfiguration erweist sich für den Verleiher oft als viel aufwändiger, als würde er ein komplettes, in sich stimmiges und funktionierendes Setup inklusive Kamera vermieten — und es bleibt eben nur der Ertrag für die Zubehörvermietung.

Wer auch die Miete für hochwertige Objektive nicht bezahlen kann oder will, der nutzt Fotoobjektive. Die sind aber in aller Regel für das Filmen ziemlich ungeeignet — und zwar weniger von der Abbildungsleistung her, als vom Handling. Das fängt bei den Geräuschen an, die diese Objektive teilweise beim Zoomen und Scharfstellen verursachen, geht bei den viel zu kurzen Drehwinkeln der Einstellringe weiter und hört beim häufig vorhandenen Spiel im Mount nicht auf. Außerdem erfordern Foto-Objektive in der Regel den Einsatz mechanischer Adapter, um überhaupt an SLS-Kameras genutzt werden zu können: eine weitere Quelle für Spiel und Fehler.

Hinzu kommt noch, dass eben bei weitem nicht jedes Objektiv an jedem SLS-Camcorder verwendet werden kann: Auf der Kameraseite gibt es verschiedene Mounts und Sensorgrößen, bei den Objektiven verschiedene Mounts und Bildfenster. Daraus resultieren viele Einschränkungen, die im Vorfeld eines Drehs Beratung, Information und Tests erfordern — und das ist bei den knappen Geld- und Zeitbudgets, die heute im Produktionsbereich üblich sind, ein echtes Problem.

Eine weiteres Problemfeld, das man mittlerweile nahezu täglich im Fernsehprogramm besichtigen kann: Es ist schwierig bis unmöglich, ohne Schärfeassistenten beim Arbeiten mit einem SLS-Camcorder die Schärfe im Griff zu haben — besonders wenn man dokumentarisch arbeitet, also die einzelnen Szenen und Drehsituationen nicht vorplanen und/oder bestimmen kann. Dennoch ziehen in der Praxis permanent Einmann-Teams mit SLS-Camcordern los, weil sie eben auch deren Look haben wollen. Die Einzelkämpfer stoßen dann aber auf Probleme und/oder bringen unscharfe Bilder heim. Für diese Anwender fehlen noch die passenden, für Bewegtbildaufnahmen optimierten, lichtstarken Zoomobjektive mit Zoomwippe und Autofokus — zu Preisen, die zu den Kameras passen.

Stimmen dazu:
  • Philip Vogt: »Single-Large-Sensor-Kameras im Gesamtpaket mit Objektiven und Zubehör sind noch zu kostenintensiv, die Schärfeführung für manche Bereiche zu schwierig — vor allem ohne Focus Puller. (…) Es herrscht noch ein Mangel an Universalzooms, die es ermöglichen, mit großer Anfangsblendenöffnung und großem Brennweitenumfang auf Large-Sensor-Kameras auch dokumentarisch zu drehen. Ein Objektiv mit 10fach Zoom, T 2.1 und einer leichten und kompakten Bauform zu einem guten Preis wäre wahrscheinlich der Traum vieler Dokumentarfilmer.«

Workflow als wachsendes Thema

Ein Thema, das wachsende Aufmerksamkeit erfordert, ist der Workflow-Bereich: Die Digitaltechnik hat so viele neue Möglichkeiten eröffnet und technische Parameter mitgebracht, dass es mittlerweile eher schwieriger als leichter ist, sich für die richtigen Geräteeinstellungen und Arbeitsabläufe zu entscheiden. Was sich früher oft über Jahre entwickeln und etablieren konnte, das ist heute einem so raschen Wechsel bei Technologien und Geräten unterworfen, dass der Sachverstand auf der Anwenderseite damit leider oft nicht Schritt halten kann. Die Folge ist ein erhöhter Beratungsbedarf in Bezug auf diese Aspekte.

So müssen sich die Rental-Anbieter heute auch mit folgenden Fragen beschäftigen: Welche Codecs sollten im Einzelfall genutzt werden? Welche Datenraten fallen an und welche Speichergrößen sind erforderlich? Wie organisiert man die Datenspeicherung und das Daten-Management? Wie werden die Daten in die Postproduktion transferiert?

Stimmen dazu:
  • Philip Vogt: »Die vielen verschiedenen Codecs verwirren und verunsichern einige Kunden, und die Möglichkeit, auf externe Recorder wie den Aja KiPro Mini zurück zu greifen, ist nicht jedermanns Sache.«
  • Jannis Flatau: »Die Beratung hinsichtlich Kamerawahl und deren Einsetzbarkeit in einem optimierten Workflow — Aufnahme, Weiterverarbeitung — ist Hauptaufgabe im Tagesgeschäft.«
  • Heinz Ratzinger: »Am beratungsintensivsten sind insbesondere die Fragen, die die Schnittstelle zwischen mobiler Aufzeichnungstechnik und Postproduktion betreffen.«

Branchenentwicklung, Problemzonen im Rental-Markt

Die Bewegtbildbranche insgesamt und mit ihr besonders die Rental-Unternehmen, leiden aus Sicht der Mehrheit der Befragten unter den immer kürzeren Innovations- und damit verbundenen Investitionszyklen.

Die Schnelllebigkeit ist aber offenbar nicht nur bei der Technik selbst ein Problem, sondern auch in puncto Produktionsvorbereitung und -planung. Wenn Serien ihre geplanten Quoten nicht erreichen, fliegen sie heute schneller aus dem Programm als jemals zuvor — und das hat auch Auswirkungen auf die Technikzulieferer: Alles muss schneller gehen und kurzfristiger bereitgestellt werden, längere Mietgarantien gibt es dagegen nicht.

Das alles führt dazu, dass weniger Zeit bleibt, einmal angeschaffte Geräte zu amortisieren, und dass das ganze Geschäft volatiler wird.

Stimmen dazu:
  • Heinz Ratzinger: »Wir gehen davon aus, dass die Branche weiterhin wächst und sich verändert. 2012 wird das 16-mm-Format weitgehend vom Markt verschwunden sein.«
  • Markus Schmidle: »Immer mehr Bewegtbild-Content wird produziert — allerdings zu Preisen, von denen ein Rental-Unternehmen schwerlich leben kann.«
  • Martin Abert: »Sinkende Budgets, Konsolidierung sowohl im Produktions- als auch im Verleihbereich.«
  • Volker Rodde: »Extreme Rabattforderungen der Produktionen, Dumpingpreise der eigenen Branche, die sich das eigene Grab schaufelt, höhere Erwartungen der Auftraggeber bei sinkendem Wissensniveau.«
  • Martin Ludwig: »Noch bewegt sich die Branche — und alle schauen zu, ob aus dem schleichenden Tempo mal wieder ein Zug mit Fahrtgeschwindigkeit wird. (…) Es gibt wohl auch eine Ideen- und vermutlich sogar eine Mutkrise in der Deutschen Film- und Fernsehlandschaft.«
  • Philip Vogt: » Die große Herausforderung ist für uns vor allem, im Preiskampf der kleinen Verleiher zu bestehen und diesen hinter uns zu lassen. Die Qualität unseres Equipments und der Arbeitsaufwand unseres Services lassen uns preislich keinen Spielraum mehr, und deswegen setzen wir auf Qualität, Service und Kundenbindung und weniger auf den allergünstigsten Preis. Eine Geiz-ist-geil-Mentalität oder Tiefstpreisgarantie passt in meinen Augen nicht zu hochwertigem Equipment und zu professionellem Service.«

Fazit der Befragung

Trotz aller Unterschiede in den Marktpositionen und Sichtweisen der Rental-Anbieter lassen sich einige Trends und Perspektiven klar erkennen. Neben der SLS-Technik am Anfang der Produktionskette, die fast alle Verleiher klar auf der Gewinnerseite sehen, kommen immer mehr Themen auf, die eigentlich aus dem IT-Bereich kommen und aus dem Produktions- in den Postproduktionsbereich weisen. Dass es unerlässlich ist, ganze Workflows zu betrachten, wenn man nicht in Teufels Küche kommen will, diese Erkenntnis rückt immer mehr ins Zentrum.

Die Workflows am Set und in der Postproduktion haben sich massiv verändert. Vieles wurde freier und offener, aber oft fehlen eben auch die verbindlichen Standards: Sie wurden teilweise von groben Vorstellungen darüber abgelöst, wie mit welchem Ausgangsmaterial idealerweise umgegangen werden sollte.

Klar ist auch: Es wird eine immer größere Bandbreite an Equipment professionell genutzt. Die große Herausforderung besteht darin, für jedes Level die passenden Workflows zu finden.

Dass sich die Rental-Branche nicht nur technisch in einer Umbruchphase befindet, und die Marktteilnehmer mit verschiedenen Strategien ihre jeweilige Position stärken wollen klingt ebenfalls deutlich an.

Das Thema Objektive könnte sich zur Gretchenfrage entwickeln und bietet für den Rental-Bereich Chancen und Risiken gleichermaßen.

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