Kamera, Test, Top-Story: 28.04.2020

Test: UHD-Mini-Handheld AG-CX10

Totgesagte leben länger — das hat sich möglicherweise auch Panasonic zu Herzen genommen. Denn mit dem AG-CX10 hat der Hersteller einen kompakten, neuen UHD-Handheld mit kleinem Sensor vorgestellt: Obwohl das eine Gerätekategorie ist, die viele schon tot wähnten.






Camcorder, Panasonic, AG-CX10, Total, © Nonkonform
Sowohl der Sucher als auch das Ausklapp-Display sind erstaunlich gut für einen Camcorder dieser Klasse.
Display/Sucher und Monitoring

Sowohl der Sucher als auch das Ausklapp-Display sind erstaunlich gut für einen Camcorder dieser Klasse. Die 2,7 Millionen Pixel Auflösung im Display ermöglichen es, die Schärfe bei UHD-Aufnahmen auch unter widrigen Umständen noch zu beurteilen. Das Display ist schärfer als alles, was Panasonic bei seinen MFT-Modellen zur Zeit bieten kann. Das CX10-Display übertrifft auch das 5-Zoll-Display der PCC 4K von Blackmagic (Test) in puncto Bildschärfe.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Bei Außenaufnahmen und Sonnenschein im Rücken mutiert das Display zum Hochleistungsspiegel.

Das Panasonic-Display reflektiert und spiegelt aber stark. Je nach Blickwinkel verwandelt es sich bei direktem Sonnenlicht schnell in einen Spiegel, auf dem dann fast gar nichts mehr zu erkennen ist.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Kann man das Display mit dem Körper abschirmen, ist es selbst bei mittlerer Helligkeit hell genug, um Schärfe und Belichtung beurteilen zu können.

Eine einfache Lichtschutzblende oder das Abschatten mit dem eigenen Körper ermöglichen es aber meistens, eine Position zu finden, in der man das Display einigermaßen gut verwenden kann. Auch Bewegungsunschärfen werden ohne irritierende Schlieren angezeigt.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Im Vergleich zum größeren Display der BMPCC 4K ist das Display des CX10 schärfer und erlaubt eine gute Beurteilung der Fokussierung und der Farben.

Einen Waveform-Monitor oder ein Vektorskop gibt es beim CX10 leider nicht. Einblendungen auf dem Display lassen sich einzeln an- und abstellen, das Display lässt sich fast vollständig von Einblendungen befreien — das geht mit nur einer Taste. Im Standard-Modus ist das Display aber mit recht vielen Einblendungen vollgepackt, da stechen die wichtigsten Parameter nicht immer heraus: Information Overflow.

Der Sucher bietet ebenso wie das Ausklapp-Display ein gestochen scharfes Bild, macht aber einen leicht gelberen Farbeindruck als das Display. Die Augenmuschel ist zwar breit gezogen, aber für Brillenträger insgesamt etwas zu klein. Man schafft es aber auch mit Brille, das Umgebungslicht einigermaßen auszuschließen und etwa die Belichtung beurteilen zu können.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Peaking heißt bei Panasonic auf deutsch »Spitzwert« und sollte man mit etwas Vorsicht genießen.

Eine Lupenfunktion vergrößert bei Bedarf einen Bildausschnitt auf das Doppelte. Zudem bietet Panasonic eine Kantenaufsteilung für das Display an, und es gibt auch Peaking, in der deutschen Sprachversion »Spitzwert« genannt.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Selbst in der niedrigsten Stufe zeigt der CX10 oft vieles als scharf an, obwohl nichts in diesem Bild scharf gestellt ist.

Das Peaking steht in den Farben Rot, Grün und Blau zur Verfügung. Allerdings fallen alle drei Stufen bei hohen Bildkontrasten sehr stark aus, selbst die geringste Stufe ist nur beschränkt verlässlich.

Beim oberen und unteren Bild sagte die Peaking-Funktion an, der Raubvogel werde scharf dargestellt. Das Peaking ist also leider nicht verlässlich.

Bei sehr geringen Kontrasten reicht meist schon die mittlere Stufe. Oft reichen aber schon die Auflösung des Displays und der Sucher aus, um die Schärfe zuverlässig beurteilen zu können.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Praktisch und hilfreich: Horizontanzeige an den Seiten.

Sehr hilfreich ist die Anzeige des Horizonts am Bildrand in Form von zwei kurzen Linien. Gelbe Balken über oder unter der Linie zeigen die Stärke der Schräglage an.

Das Zebra kann beliebig von 0 bis 100% eingestellt und per Taste zugeschaltet werden. Generell kann aber auch die Belichtung gut mit dem Display beurteilt werden.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, Menü, © Nonkonform
Die Menüs im CX10 sind im Grunde leicht zu durchschauen.
Funktionen und Menü

Das Menü, das Panasonic beim CX10 angelegt hat, ist im Grunde leicht zu durchschauen und zu verwenden, einige Funktionen wurden aber an seltsamen Stellen platziert. Warum etwa das Aufnahmeformat unter den Systemeinstellungen sehr weit unten im Hauptmenü angeordnet ist, erschließt sich nicht, und das Navigieren in diesen Bereich kostet unnötig viel Zeit. Glücklich sind jene, die immer mit den gleichen Parametern drehen. Alle anderen, die mal in HD und mal in UHD drehen oder Zeitlupe nutzen wollen, müssen den langen Weg ins Format-Untermenü gehen.

Dass man im einen oder anderen Untermenü gar nicht gleich alle Parameter auf einer Seite sieht, sondern erst lange nach unten scrollen muss, ist umständlich. Zudem sind die deutschen Begriffe teilweise etwas seltsam, sodass man sich mit der englischen Version leichter tut. Panasonic verwendet auch zahlreiche Abkürzungen im Menü, die man dann erst mal im Handbuch suchen muss, um zu verstehen, was denn eigentlich gemeint ist.

Nach dem Aktivieren des Menüs kann mit dem Push-Select-Rad navigiert und per Druck der entsprechende Menüpunkt ausgewählt werden. Wem das Menü über das Rad zu träge reagiert, der kann auch den Touchscreen verwenden, wenn man denn mit den Fingerabdrücken auf dem Display kein Problem hat.

Bis auf eine Clear-Scan-Funktion bietet das Menü aber die wichtigen Funktionen, die man von einem Camcorder erwartet. Neben der Automatik, die vom Handgriff aktiviert werden kann, gibt es einen gut arbeitenden Limiter, den man im Menü aktivieren muss.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Weitwinkel und maximaler Tele wenn man den optischen Zoom verwendet.

Gain wird über das Schnellmenü in 1-dB-Schritten eingestellt und geht zunächst bis 30 dB. Einen schnellen Wechsel zwischen drei voreingestellten Stufen gibt es also nicht. Wer noch mehr benötigt, kann theoretisch die beiden Stufen »Superverstärkung« und »Superverstärkung Plus« aktivieren. Diese sind allerdings so rauschbehaftet, dass sie fast nur noch als Stilmittel eingesetzt werden können. Einen Infrarotmodus gibt es auch.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Mit digitalem Zoom geht noch mehr. In UHD bietet der iZoom aber nur noch wenig mehr Brennweite (oben). Positiv ist, dass der Übergang im Zoom zwischen analog und iZoom flüssig und ohne Geschwindigkeitsänderung abläuft. Unten der 5fache Digitalzoom.

Auch einen digitalen Zoom bietet der CX10. Die 2-, 5- und 10fache-Vergrößerung erlaubt aber nur, einen entsprechenden Bildausschnitt zu vergrößern. Das mag hilfreich sein, um etwas weit Entferntes auf dem Display besser sehen zu können, ansonsten kann eine solche Bildausschnittsvergrößerung aber problemlos in der Postproduktion eingestellt werden — und meistens in besserer Qualität.

Sechs Presets für die Bildparameter, Scene Files genannt, können über das Schnellmenü aktiviert werden. Die Speicherplätze können auch für eigene Einstellungen genutzt werden. Dazu gibt es viele Parameter, um sich das Bild anzupassen, Schwarz- und Weiß-Pegel, acht Gammakurven und Detail oder Haut-Detail, Knie, Sättigung, Chroma Phase, eine Farbmatrix, der Chroma-Pegel und weiteres.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, Menü, © Nonkonform
Der AF verfügt über verschiedene Geschwindigkeiten.

Der Autofokus verfügt über einen normal schnellen Modus, der in den meisten Fällen aber pumpt. Alternativ kann man einen langsamen Modus einstellen. Dieser arbeitet tatsächlich sehr gemächlich, pumpt aber dafür auch nicht. Wer also mit Automatikschärfe arbeiten will, hat damit eine funktionierende Alternative, die zwar keinen Reißschwenks folgen kann, aber längere Neigebewegungen konnte der Camcorder damit immer gut und präzise scharfstellen — auch bei langen Brennweiten.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, Menü, © Nonkonform
Das Face-Tracking gab es nur im Menü.

Das Face-Tracking gab es zwar im Menü, es ließ sich aber nicht erfolgreich aktivieren und konnte somit in diesem Test auch nicht ausprobiert werden.

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Eckdaten — Sensor, Objektiv
Seite 3: Eckdaten — Aufzeichnung, Audio, Ausstattung
Seite 4: Bedienung, Handling
Seite 5: Display/Sucher/Monitoring, Funktionen/Menüs

Seite 6: Aufnahmemodi/ Lowlight
Seite 7: Fazit

 

Anzeigen: CX10-Händler

Anzeigen: Passendes Zubehör

Keinen Test mehr verpassen? Dann einfach den Newsletter abonnieren:

Autor
Christoph Harrer, Nonkonform

Bildrechte
Harrer (24), Nonkonform (28)

Schlagwortsuche nach diesen Begriffen
Kamera, Test, Top-Story