Kamera, Test, Top-Story: 28.04.2020

Test: UHD-Mini-Handheld AG-CX10

Totgesagte leben länger — das hat sich möglicherweise auch Panasonic zu Herzen genommen. Denn mit dem AG-CX10 hat der Hersteller einen kompakten, neuen UHD-Handheld mit kleinem Sensor vorgestellt: Obwohl das eine Gerätekategorie ist, die viele schon tot wähnten.






Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Umgerechnet in Kleinbildformat: Oben das 25-mm-Weitwinkel des CX10, unten das 24 mm des Panasonic-Objektivs GX Vario 12-35 an einer GH5. Der CX10 hat deutlich weniger Verzeichnungen.
Aufnahmemodi und Lowlight

In den Grundeinstellungen bietet die Kamera erst einmal ein scharfes und differenziertes Bild — und das gilt für den gesamten Brennweitenbereich. Da das Objektiv fest verbaut ist, können Verzeichnungen einfach herausgerechnet werden, und so bietet der CX10 auch im Weitwinkel fast keine fassförmigen Verzeichnungen.

Nur im Weitwinkel hat der Camcorder bei Blende F1.9 etwas mit chromatischer Abberation zu kämpfen, die aber nur bei sehr genauem Hinsehen zum Bildrand sichtbarer wird. Verglichen mit Weitwinkelobjektiven wie dem Vario X 12-35mm von Panasonic auf einer GH5, ist die Performance bei offener Blende im CX10 immer noch besser. Der Unterschied zwischen HD und UHD ist deutlich sichtbar, auch wenn die Kamera schon in HD eine hohe Bildschärfe erreicht.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Vergleich von HD (4:2:2) rechts unten und UHD (HEVC 4:2:0) in 10 Bit links unten, gezeigt in der Vergrößerung aus dem oberen Bild.

Wer volles 10 Bit in 4:2:2 will, der ist auf HD beschränkt und muss das P2-Format von Panasonic nutzen.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
HEVC mit 10 Bit / 4:2:0 / 200 Mbps (Vergrößerung links unten) ist mit 3-Wege-Farbkorrektur, Curves und Farbmasken nicht von P2 / HD/ 10 Bit / 4:2:2 (Vergrößerung rechts unten) zu unterscheiden — bis auf die Auflösung natürlich.

In UHD gibt es ebenso noch eine Version in 10 Bit mit dem HEVC-Codec, allerdings dann in einer Farbkompression von 4:2:0. So kann man ein 10-Bit-UHD-Signal in 200 Mbps quetschen, und auch die Bildung von sichtbaren Kompressionsartefakten bei schnellen Bewegungen war erstaunlich gering. Nur bei sehr starker Vergrößerung waren solche wirklich erkennbar. Für normales dokumentarisches Filmen dürfte das aber keine Rolle spielen.

Bei einfachen Farbkorrekturen mit einer Dreiwege-Farbkorrektur und einigen Curves waren keine Unterschiede zwischen P2 10 Bit und HEVC 10 Bit zu bemerken. Auch waren Farbauswahlen bei beiden gleichwertig einfach/schwer auszuführen, hier scheint die sehr viel größere Auflösung in UHD zu demselben Ergebnis zu führen wie 4:2:2 in HD. So ist das HEVC-Format in UHD ein guter Kompromiss, um 10 Bit in UHD mit einer relativ geringen Datenrate zu bekommen.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Selbst bei extremen Effekten mit Curves und mit den Log-Wheels bringt die größere Auflösung von UHD mehr Vorteile (Vergrößerung rechts oben) als die Farbabtastung von 4:2:2 (Vergrößerung rechts unten).
Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Hier die Scene-Files Standard, Cine V und Cine D, alle mit dem gleichen Weißabgleich.  

Das Standard-Scene-File bietet ein videotypisches, aber ausgewogenes Bild in puncto Kontrast und Schärfe. Allerdings gibt es hier auch immer ein ganz leichtes Farbrauschen in den dunklen Bildbereichen — auch ohne zusätzliche Verstärkung. Dabei neigt die Kamera beim Weißabgleich etwas zu Grün- und Blaustichen, während bei dem Farbrauschen vor allem Magenta dominant hervorsticht.

Ganz anders in den Einstellungen des Scene-Files Cine V. Hier werden die Farben gehörig übertrieben, und das Bild hat merklich dominantere Schwärzen, so dass schnell auch Details in den Schatten komplett verloren gehen.

Wer also ein kontrastreiches Bild mit etwas knalligeren Farben will, der kann »Cine D« mit einem »Filmlike Gamma« verwenden. Dabei wird aber auch das Farbrauschen deutlich sichtbarer, und beim Gain sind schon 18 dB eigentlich zu viel für den normalen Einsatz.

Das Scene-File Fluo verwendet eine leicht andere Farbmatrix und Spark, ein anderes Schwarzgamma mit etwas stärkeren Schatten.

Für dokumentarische Zwecke empfiehlt sich letztlich die Standard-Option, da diese in der Regel keine Nacharbeit erfordert, die man eventuell auf die cinema-benannte Farbmatrix umstellt.

Bei der Zeitlupe mit 100 Bildern gibt es einen leicht sichtbaren Schärfeverlust gegenüber dem normalen HD-Bild im selben Codec. Der Effekt ist zwar nicht stark, aber auf einem 43-Zoll-Bildschirm doch zu bemerken.

Der Rolling-Shutter-Effekt ist minimal und in normalen Drehsituationen nicht zu bemerken.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Aufnahmen bei Blende F/2 ohne Gain (oben), mit 12 dB (Mitte), und 24 dB (unten). Das Farbrauschen ist überall gleich stark und bis 24 dB ohne Probleme zu verwenden.

In der Grundeinstellung ist die Kamera nicht sonderlich lichtstark. Ein Punkt, bei dem sich die hohe Pixeldichte auf einem kleinen Sensor bemerkbar macht.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Die Optionen Superverstärkung (oben) und Superverstärkung Plus (unten) sind dagegen eigentlich nur noch als Stilmittel verwendbar.

Das leichte Farbrauschen in dunklen Bereichen wird beim Erhöhen des Gain nur unwesentlich schlimmer. Gerade für dokumentarische Zwecke lässt sich selbst 24 dB Gain im normalen Gamma-Modus noch gut einsetzen. Das Rauschen ist bei 24 dB zwar deutlich sichtbar, aber nicht so dominant, dass es den Bildeindruck oder gar die Bildschärfe ruiniert.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Oben CX10 in HEVC 10 Bit mit 30 dB Gain. Unten PCC4K  von Blackmagic in 4K Raw 8:1, extended Video und ISO 12.800. Beide mit Weißabgleich auf die ganze Szene.

Mit 30 dB Gain ist  man auch in den Standardeinstellungen schlagartig an einem Punkt angekommen, an dem das Rauschen dominant wird. Dazu gibt es noch die beiden Optionen »Superverstärkung« und »Superverstärkung Plus«, die — wie schon erwähnt — fast nur noch für Effekte brauchbar sind: Das Rauschen überlagert jeden Detailgewinn. So ist der CX10 definitiv kein Low-Light-Spezialist, kann aber zumindest bei Aufnahmen unter Straßenlaternen und bei Zimmerlicht noch gute Bilder mit einem erträglichen Maß an Rauschen liefern.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, Totale, © Nonkonform
Die integrierte Leuchte hat eine Farbtemperatur von rund 5.000 K.

Die eingebaute Tageslicht-LED (rund 5.000 K) im Handgriff ist dimmbar und ergibt sogar einen gewissen Sinn.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, Detail, © Nonkonform
Die Leuchtkraft der Leuchte kann geregelt werden.

Zwar kann die LED-Leuchte kein Kopflicht-Panel ersetzen, doch bietet sie eine gute Möglichkeit für eine leichte Aufhellung des Vordergrunds und ein Augenlicht.

Die LED-Leuchte hat trotz Diffusor einen Hotspot.

Dabei ist der Lichtkegel relativ weit gefächert, zeigt aber im Vergleich zur Weitwinkelposition des Objektivs auf 1 m Entfernung schon eine deutliche Vignettierung und ist damit weit davon entfernt, einen ganzen Raum aufhellen zu können.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
CX10 in 2 m Entfernung aufgenommen in einem dunklen Raum, Weißabgleich auf 5.200 K, Gain 0 dB. Oben aufgenommen mit einer 7  W Kunstlicht-LED, unten mit integriertem LED-Licht mit voller Intensität.

Bereits in 2 m Abstand hat die Lampe fast alle Kraft verloren. Trotz Abdeckscheibe über den LEDs ist die Lampe noch ziemlich giftig und kann beim Interviewpartner schnell zu Irritationen führen.

Wer zusätzlich einen Frost oder eine Apricot-Folie anbringt, der hat aber ein nützliches Aufhelllicht für schnelle Statements und O-Töne.

Camcorder, Panasonic, AG-CX10, © Harrer
Wie fast jede moderne Kamera produziert die CX10 wenig Lens Flares, das hängt aber stark von der Brennweite ab.

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Eckdaten — Sensor, Objektiv
Seite 3: Eckdaten — Aufzeichnung, Audio, Ausstattung
Seite 4: Bedienung, Handling
Seite 5: Display/Sucher/Monitoring, Funktionen/Menüs

Seite 6: Aufnahmemodi/ Lowlight
Seite 7: Fazit

 

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Autor
Christoph Harrer, Nonkonform

Bildrechte
Harrer (24), Nonkonform (28)

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