Postproduction, Test, Top-Story: 30.10.2007

Final Destination

Apple ist mit seiner Editing-Software Final Cut Pro erfolgreicher denn je. Das Programm ist der zentrale Bestandteil des Postproduction-Software-Bundles »Final Cut Studio«. In der aktuellen Version 2 kombiniert der Hersteller das Editing-Programm mit weiteren Apple-Softwares, darunter ist auch die neue Grading-Lösung Color.Christoph Harrer und Andreas Frowein haben das umfassende Software-Paket unabhängig voneinander getestet, film-tv-video.de fasst die Erfahrungen, Rückschlüsse und Bewertungen der beiden Tester zusammen.

Mit einer reinen Editing-Software kann man heute kaum noch punkten. Wenn man Postproduction-Anwender überzeugen will, muss man mehr bieten. Apple ist deshalb wie der Konkurrent Avid schon vor längerer Zeit dazu übergegangen, Pakete zu schnüren. So bietet Apple sein Editing-System Final Cut Pro unter der Bezeichnung Final Cut Studio im Paket mit anderen Softwares an. Schon in der ersten Version dieses Bundles hatte Apple sehr hohe Standards gesetzt, nicht zuletzt beim Preis/Leistungs-Verhältnis. Jetzt legt Apple die Latte mit Final Cut Studio 2 nochmals höher. Ein paar Softwares in eine gemeinsame Verpackung zu stecken, ist aber keine Kunst: Was bei Postproduction-Paketen zählt, ist die Integration zwischen den einzelnen Bestandteilen. Was hat Apple hier zu bieten und wie haben sich die einzelnen Komponenten entwickelt?

Final Cut Studio: Eckdaten

Das Komplettpaket Final Cut Studio enthält folgende Softwares: Final Cut Pro 6, Color, Motion 3, Soundtrack Pro 2, DVD Studio Pro 4 und Compressor 3. Herzstück des Pakets ist Final Cut Pro. Es bietet in der neuen Version vor allem eine bessere Performance. Deutlich erweitert hat Apple auch die Integration mit den mitgelieferten Programmen Soundtrack Pro 2 (SP) und Motion 3, die ihrerseits nützliche, neue Features bieten. Und natürlich wertet die Integration des Farbkorrektur-Tools Color das Paket im Funktionsumfang enorm auf. Color wurde ursprünglich von Silicon Color entwickelt und unter dem Namen Final Touch angeboten, es kostete in der 2K-Version 25.000 US-Dollar. Apple hat die Color Grading-Software dann übernommen und weiter entwickelt.

Schlank ist Final Cut Studio 2 nicht: das Software-Paket belegt 55 GB auf der Festplatte. Ein stattlicher Teil davon entfällt aber auf die Audioloops von Soundtrack und die Vorlagen für Motion. Für die Installation von Final Cut Studio 2 sollte man sich jedoch schon ein paar Stunden Zeit nehmen.

Die von Apple genannten Mindestsystemvoraussetzungen sind zwar nicht besonders hoch, schaut man jedoch auf die programmspezifischen Empfehlungen, wird schnell klar, dass für vernünftiges Arbeiten ein wirklich schneller Rechner, am besten mit Quadcore-Prozessoren, viel RAM und einer sehr guten, schnellen Grafikkarte benötigt wird. Die Seite im Internet, die darüber genauer Auskunft gibt, ist leider erst bei intensiverem Studium verständlich. Einen Vorteil jedoch hat die differenzierte Angabe für jedes einzelne Programm: Wer bestimmte Programme aus dem Paket nicht oder nur ganz selten nutzt, kommt auch mit einem weniger schnellen oder älteren Rechner zurecht. Wer jedoch das im Paket enthaltene Grading-Programm Color oder das nun 3D-fähige Compositing-Programm Motion intensiv nutzen möchte, sollte einen möglichst schnellen Mac mit mindestens 2 GB RAM zur Verfügung haben.

Final Cut Pro 6

Eine wichtige Neuerung bei Final Cut Pro: Jetzt ist es endlich auch mit der Apple-Software möglich, unterschiedliche Formate und Auflösungen in einer Timeline zu mischen. Kombinieren lassen sich nicht nur unterschiedlichen Pixelformate und Datenraten, sondern auch unterschiedliche Frame-Raten. Bei Übergängen zwischen zwei Clips mit unterschiedlichen Frame-Raten erfolgt die Darstellung aber nicht immer in Echtzeit, selbst eine Blende muss dann mit der schlechteren »unbegrenzten Echtzeit« — so die Apple-Umschreibung für den Preview-Modus — angesehen oder gerendert werden.

Sehr praktisch ist die neue Möglichkeit, das Format für die Sequenz festzulegen, indem die entsprechenden Eigenschaften des ersten Clips übernommen werden. Das erspart insbesondere HD-unerfahrenen Editoren die Einstellungen der inzwischen sehr komplex gewordenen HD Settings, die aber trotzdem bearbeitet werden können. Final Cut Pro 6 kann – wie von Apple angekündigt — zwar tatsächlich mit sehr vielen Formaten umgehen, allerdings betrifft das eher die Videoformate, die mit der Software genutzt werden können. Der Datei-Import von Video-Streams ist nämlich teilweise immer noch schwierig. Beispielsweise erkennt Final Cut Pro 6 die weit verbreiteten Transport-Streams, mit denen letztlich auch HDV arbeitet, nicht als importierbares Format und kann sie folglich auch nicht bearbeiten. Auch MXF-Files, die mit anderen PC-Systemen von P2-Karten kopiert wurden, lassen sich nicht in allen Fällen importieren. Bei anderen Formaten ist der Import wiederum möglich, aber sie müssen dann teilweise bei der Ausgabe wieder umgerechnet werden.

Um die Arbeit in der Timeline zu beschleunigen und den Speicherbedarf zu reduzieren, hat Apple mit ProRes 422 einen eigenen Codec entwickelt, der komplett auf I-Frames basiert. Vereinfacht gesagt ist ProRes 422 das Pendant zu Avids DNxHD-Codec. Mit einer HD-SDI-Videokarte lässt sich HD-Material beim Einspielen in Echtzeit in das Apple-Format wandeln. Die Qualitätsstufe ProRes 422 HQ benötigt bei 25 Bildern pro Sekunde durchschnittlich gerade mal 0,92 Gigabyte Speicherbedarf pro Minute Material, während unkomprimiertes 10-Bit-Material (4:2:2, HD) rund 8 Gigabyte pro Minute belegt. Bei bester Qualität fallen im PAL-Modus 61 Mbps und bei HD 1080 (25 Bilder/Sekunde) 184 Mbps an. Dabei wird in der höheren Qualitätsstufe ProRes 422 HQ mit einer Farbtiefe von 10 Bit und einem Sampling von 4:2:2 komprimiert, während in Standardqualität mit einer geringeren Bitrate und einer Sample-Tiefe von 10 oder 8 Bit (je nach Ausgangsmaterial) kodiert wird.

Um die Echtzeitdarstellung in HDV– und XDCAM-Projekten zu unterstützen, können Effekte in diesen Formaten ebenfalls in ProRes 422 gerendert werden, was die Echtzeit-Performance unterstützt und das Rendern beschleunigt. Bei ersten Tests überzeugte die Qualität des Codecs durchaus: So war bei der Ausgabe des Materials von der Timline an einen Broadcast-Monitor praktisch kein visueller Unterschied festzustellen. Dabei wurden im Test Aufnahmen in DVCPROHD — sowohl in 1080i wie in 720p — mit den konvertierten ProRes-422-Dateien verglichen, ebenso eine After-Effects-Animation. Dabei fiel es sogar schwer, zwischen »ProRes 422 HQ« und »ProRes 422« Unterschiede zu sehen. Wichtige Einschränkung: Bei der Ausgabe aus der Timeline handelt es sich immer nur um eine Vorschau. Bei der Verwendung von aufgezeichnetem, unkomprimiertem Videomaterial könnte der Unterschied größer ausfallen.

Eine neue Funktion von Final Cut Pro ist Smoothcam, eine Funktion zur nachträglichen Bildstabilisierung. So etwas ist zwar sehr nützlich, das »Echtzeit«-Versprechen kann die Funktion aber nicht erfüllen. Naturgemäß ist die Bildstabilisierung eine sehr rechenintensive Angelegenheit, da jeder einzelne Bildpunkt samt Bewegungsrichtung geprüft werden muss, um bewegte Objekte im verwackelten Bild zu erkennen und »Überkorrekturen« zu vermeiden. So auch bei Smoothcam – und deshalb läuft die Funktion nur dann in Echtzeit ab, wenn der entsprechende Clip vorher vollständig analysiert wurde. Dabei akzeptiert Final Cut Pro keine nachträglichen Clip-Grenzen und analysiert immer die gesamte Videodatei. Das kann im Zweifel schnell einmal ein paar Stunden dauern. Es empfiehlt sich daher, zu stabilisierende Sequenzen mit der Log-Funktion aufzunehmen oder als gesonderte Datei zu speichern. Die Ergebnisse der Analyse werden dann als Datei mit dem Clip auf der Platte gespeichert und lassen sich jederzeit wieder verwenden. Nach der Analyse sind die Einstellungen von Smoothcam wirklich im Echtzeit-Modus verfügbar. Dabei ist neu, dass Final Cut Pro bei Smoothcam erstmals Background-Rendering nutzt, so dass der Prozess im Hintergrund abläuft und der Anwender währenddessen weiterarbeiten kann. Die Technologie für Smoothcam stammt aus Apples Compositing-Software Shake. So verwundert es nicht, dass schon die Grundeinstellungen fast immer perfekte Ergebnisse liefern, wobei Smoothcam für die Bildstabilisierung durchschnittlich die dreifache Zeit benötigt wie der alte Filter, den es dafür gab.

Für viele neue Möglichkeiten zur Stilisierung und optischen Bearbeitung sorgen weitere Filter. Der RGB-Begrenzer verbessert die Ausgabe für den Sendebetrieb und endlich gibt es einen vernünftigen Weichzeichner für Video. Weitere Effekte, die man zwar nicht unbedingt braucht, die aber in bestimmten Fällen sicher ganz nützlich sein können, etwa für abstrakte Hintergrundanimationen, sind Streifen, Slit-Tunnel und Slit-Scan sowie einige Generatoren. Der Effekt »Ätzmittel« beispielsweise simuliert die Spiegelung einer Wasseroberfläche. Dazu gibt es einen Lensflare, eine sich bewegende Membran, Strudel und Wolken. »Erdbeben« simuliert zitternde und unregelmäßige Kamerabewegungen. Praktisch: Bei den Generatoren sind jetzt Geschwindigkeitsveränderungen möglich und beim Einfügen eines Generators mit gedrückter Befehl- und Alt-Taste wird dieser gleich im Viewer geöffnet.

Die Audiofunktionen in Final Cut Pro wurden geringfügig nachgebessert. Es gibt nun einen nondestruktiven Filter »Normalisieren«, der alle Pegel im Durchschnitt auf ein ausgewähltes Niveau anhebt. Veränderungen im Ton werden allerdings noch immer nicht in der Waveform visualisiert, was nicht konsequent ist. Beim Export als OMF bleiben Keyframes für Lautstärke und Stereopans erhalten. Auch die Integration zwischen Final Cut Pro und Soundtrack Pro, dem Audio-Programm des Final-Cut-Studio-Pakets, wurden verbessert. Näheres dazu finden Sie im Abschnitt zu Soundtrack Pro.

Compressor

In Final Cut Studio ist auch das Programm Compressor in der Version 3 enthalten. Compressor kann mit mehr Formaten umgehen als Final Cut Pro und ist auch in der Lage, zwischen den Formaten zu wandeln. Das gilt sowohl für Dateien, die später in Final Cut Pro bearbeitet werden sollen, vor allem aber für fertige Filme, die nach der Fertigstellung in eines oder auch mehrere digitale Formate umgewandelt werden sollen. Die Quell-Dateien und im Programm vorhandene oder selbsterstellte Presets werden zur Umwandlung einfach nur in ein Fenster gezogen. So kann auch ein Batch für mehrere Quell-Dateien und oder mehrere Ausgabe-Formate entstehen, das automatisch abgearbeitet wird. Auch Normwandlungen zwischen PAL und NTSC oder Frame-Raten- und Auflösungswandlungen für die HD-Formate lassen sich in guter Qualität erledigen. Zu den neuen Features von Compressor gehören die Unterstützung der Formate für die Blu-ray Disc und die HD-DVD, sowie der neue Apple-Postproduktions-Codec ProRes 422. Weitere neue Möglichkeiten sind dynamische Videofilter, mit denen nun direkt in Compressor beispielsweise ein Wasserzeichen oder Timecode ins Bild eingerechnet werden kann, sowie Funktionen, die es erlauben, Encoding-Jobs auf andere Mac-Rechner im Netzwerk zu verteilen oder Metadaten und Keywords in die Ausgabedateien einzubinden.

Color

Mit dem Farbkorrekturprogramm Color wurde eine weitere vielschichtige Funktion aus Final Cut Pro ausgelagert, anstatt sie dort auszubauen. Bei Color handelt es sich nicht nur um ein einfaches Werkzeug zur Farbkorrektur, sondern um ein komplexes Programm für Color Grading, das die kreative Stilisierung und Farbgestaltung unterstützt — mit hohen Anforderungen an die Hardware und den Anwender.

Color ist ein Werkzeug für das Grading und Entwickeln eines eigenen Looks, wie es bei Spielfilmen mittlerweile üblich ist — für simple, schnelle Farbkorrektur ist es deutlich überdimensioniert. Color setzt beim kreativen Grading an — nur mit dem Unterschied, dass das System deutlich günstiger ist als die Grading-Systeme anderer Anbieter. Kosten, aber in vertretbarem Maß, verursacht Color aufgrund der hohen Anforderungen an die Grafikkarte. Derzeit lässt sich Color nur im Zusammenspiel mit den ATI-Karten Radeon X1900 vernünftig eeinsetzen und kann dann auch die Farbtiefe bis zu 32 Bit ausnutzen. Mit den Karten ATI Radoen X1600 (und Mobility) und Nvidia GeForce 7800 GT, 7600 GT, 7300 GT, 6600, oder Quadro FX 450 ist nur ein eingeschränkter Betrieb möglich.

Anders als bei Soundtrack und Motion fällt die Zusammenarbeit von Color mit der zentralen Software-Komponente Final Cut Pro noch sehr rudimentär aus. Die Integration scheint zwar auf den ersten Blick gut gelungen, wenn man nur den Übergang vom einen zum anderen Programm betrachtet. Die Enttäuschung ist aber vorprogrammiert, wenn man erste Farbkorrektur-Einstellungen die man schon in Final Cut Pro durchgeführt hat, in Color verfeinern und optimieren: Derzeit werden die Korrekturwerte aus Final Cut Pro nicht an Color weitergereicht und somit fängt die ganze Prozedur in Color wieder von vorne an. In einer späteren Version von Color soll die Übernahme der Metadaten laut Apple jedoch möglich sein.

Derzeit lassen sich aaußerdem keine einzelnen Dateien, sondern nur ganze Sequenzen an Color senden. Dabei werden aber weder Filter und Übergänge, noch Lifetype- oder Motion-Dokumente berücksichtigt. Geschwindigkeitsveränderungen aus Final Cut Pro werden zwar übernommen und dargestellt, können aus Color aber nicht gerendert werden. So ist es momentan noch am besten, wenn man diese Clips vorher extrahiert und dann wieder einsetzt. Umgekehrt lassen sich Veränderungen in Colors »Geometrieraum«, in dem Pan und Scan, Shapes und Tracking ausgeführt werden, nicht in Final Cut Pro übernehmen. Das Handbuch ist voll mit solchen Warnhinweisen.

Generell gibt es keine Verbindung aus Color zum Originalprojekt, die dafür sorgen würde, dass Sequenzen im Originalprojekt automatisch aktualisiert werden. Vielmehr muss die Sequenz nach der Farbkorrektur aus Color in eine neue Final-Cut-Pro-Sequenz zurück exportiert werden. Das ist alles andere als elegant und hier gibt es noch viel Spielraum und Handlungsbedarf für die Integration der beiden Softwares. Mit Problemen dieser Art kämpfen aber auch Systeme aus einer anderen Preisliga: Auch Autodesks Lustre kann die vielleicht an früherer Stelle im Bearbeitungsprozess in Flame schon erzeugten Masken nicht nutzen.

Dass Color derzeit letzlich nur punktuell an Final Cut Pro angebunden ist und die beiden Softwares noch nicht wie aus einem Guss zusammenspielen, zeigt sich auch an der Oberfläche von Color: Die Unix-Vergangenheit der Software ist allgegenwärtig. Shake-Kenner werden sich wohl schnell zuhause fühlen. Der Funktionsumfang mit Prozessbaum, Masken, Keyframes und einem 1-Punkt-Tracker orientiert sich letztlich viel stärker an einem Compositing-Programm und weniger an Editing-Lössungen wie Final Cut Pro. Die Benutzeroberfläche ist aber insgesamt übersichtlich gestaltet und per Register in die logischen Arbeitsschritte unterteilt, so dass man sich schnell zurechtfindet, wenn man mit zwei Monitoren arbeitet. Der Betrieb mit nur einem Monitor ist möglich, bei Auflösungen unter den empfohlenen 1.680 x 1.050 kommt es allerdings zu Anzeigefehlern und das Arbeiten gestaltet sich schwierig. Auf dem zweiten Monitor können neben einer Vorschau auch ein Waveform/Vektorscope und der Farbraum in 3D dargestellt werden.

Neben primären Korrekturen können pro Clip acht sekundäre Korrekturen vorgenommen werden. nutzerdefinierbare Masken zur Eingrenzung der sekundären Korrektur können dank einer Tracking-Funktion bewegten Bildobjekten folgen. Für jede sekundäre Farbkorrektur lassen sich vier verschiedene Grading-Einstellungen speichern und später einfach per Mausklick vergleichen.

Alle Optionen können grafisch oder numerisch bearbeitet werden. Neben den Farbrädern für Schatten, Mitten und Highlights gibt es jeweils Hue, Sättigung und Luminanz, die sich wie Bezier-Kurven einstellen lassen. In weiteren Registern befindet sich ein Prozessbaum, um Effekte auf einen Clip anwenden und eigene Presets speichern zu können. Der Prozessbaum eignet sich hervorragend für das Experimentieren und um fertige Looks zu speichern. Hier finden sich über 50 Vorlagen für gängige Filmlooks, wie sie sonst nur in Form von Plug-Ins für Final Cut Pro verfügbar wären. Die Vorlagen sind eine gute Option für Einsteiger, um einen fertigen Film unkompliziert bearbeiten zu können, ohne das Handbuch wälzen zu müssen. Wer allerdings in die Tiefen des Gradings mit Color eintauchen will, der sollte das Manual in jedem Fall durcharbeiten, da es obendrein eine praxisnahe Einführung in die Techniken des Gradings gibt. Wer Color nicht nur hin und wieder nutzt, sollte außerdem die Anschaffung einer »Colorist Control Station« erwägen. MCS-Spektrum von JL Cooper ist so ein Pult, das jedoch nur in Verbindung mit der Media Command Station — einem stark erweiterten Jog/Shuttle — betrieben werden kann. Ein solches spezialisiertes Bedienpult vereinfacht und beschleunigt die Arbeit mit Color deutlich. Obwohl Color viele Möglichkeiten hat, ist der Workflow insgesamt nicht so bequem, effektiv und schnell wie bei den ganz großen Systemen.

Color akzeptiert Formate bis zu einer Auflösung von 2K und 16 Bit. Das Rendern erfolgt entweder im Eingangsformat, unkomprimiert oder in ProRes 422. Monitor-Ausgabe über Firewire gibt es nicht.

Motion

Ein weiterer Baustein in Final Cut Studio ist das Compositing- und Animationsprogramm Motion, das ab der neuen Version 3 nun Compositings im 3D-Raum mit verschiedenen Kameras, Lichtquellen und Bewegungspfaden bietet. Dazu kommen Partikelgenerator, Title-Tool, vektorbasiertes Zeichnen und natürlich jede Menge 3D-Effekte. Die Parameter können mit Keyframes grafisch dargestellt und die Interpolationen mittels Bezier-Kurven beeinflusst werden. Dadurch kann der zeitliche Ablauf der Effekte sehr genau definiert werden. Zudem können Keyframes sehr einfach einzeln oder in Gruppen verschoben werden.

Mit den Mastervorlagen bietet Apple seine eigene Lösung, um grafische Spielereien schnell und einfach in ein Schnittprojekt integrieren zu können. Bei diesen Vorlagen handelt es sich um vorgefertigte Motion-Projekte, die sich bearbeiten lassen und auf die der Anwender direkt aus Final Cut Pro zugreifen kann. Videos werden dann einfach per Drag and Drop in die Vorlagen eingefügt und im Viewer mit Text versehen. Allerdings reagiert Final Cut Pro beim Laden der Clips in die Vorlagen etwas träge. Zudem werden beim Einsetzen von Videoclips in eine Vorlage keine Audiodaten übernommen. Die Vorlagen lassen sich in der Timeline einfach kürzen, in der maximalen Länge ist der Anwender jedoch an diese gebunden. Sendet man einzelne Clips aus der Timeline an Motion, wird daraus ein Motion-Projekt, das mit dem Speichern automatisch aktualisiert wird. Parameter wie Geschwindigkeitsveränderungen, mit Smoothcam erstellte Stabilisierungen und Sequenzeinstellungen verschiedener Formate bleiben nun auch bei der Übergabe an Motion erhalten.

Dieselbe Smoothcam-Technologie wie in Final Cut Pro, ein 1-Punkt-Tracker und eine dynamische Geschwindigkeitsverminderung stammen aus Shake (Optical Flow Algorithmus) und können durch einfache Bedienung und hohe Qualität der Ergebnisse überzeugen. Wichtigstes neues Feature ist die Möglichkeit, Text, Partikelgeneratoren, und Vektor Paints im 3D-Raum animieren zu können. Dazu stehen Kamera und Lichtquellen zur Verfügung, wie in allen gängigen 3D-Programmen. Alle Objekte lassen sich frei anordnen und animieren.

Da Motion keine 3D-Geometriedateien verarbeiten kann, sind Elemente aber immer 2D-Flächen. Somit ist Motion 3 keine Alternative für echtes 3D-Compositing mit 3D-Objekten, sondern vor allem für Typografie-, Vektor- und Partikelanimationen geeignet, bei denen der 3D-Effekt simuliert wird. Dadurch wie auch durch die Fähigkeit, Audio-EQs als Steuerung für andere Parameter von Effekten zu verwenden, ist Motion in diesem Bereich eine echte Alternative. Dazu bietet es zahlreiche gute Vorlagen für Animationen und abstrakte Spielereien.

Highlight bleibt die konsequente Verarbeitung der Effekte über die Grafikkarte, sodass selbst bei komplexen Animationen immer Echtzeitdarstellung zur Verfügung steht. Die Hardware-Anforderung sind hoch, ähnlich wie in Color. Die Bedienung ist verglichen zur Komplexität der Effekte einfach, da Motion in Final-Cut-Pro- und Photoshop-Logik aufgebaut ist: komplexe Animationen sind ohne Keyframes möglich. Da es aber nicht immer ohne Keyframes geht, wurde der Keyframe-Editor mit einem Zeichenstiftwerkzeug erweitert.

Soundtrack Pro

Wer die Tonmischung nicht in einem richtigen Tonstudio machen will oder kann, aber mit den integrierten Audiomöglichkeiten von Final Cut Pro nicht auskommt, der findet in Soundtrack Pro 2 reichlich Werkzeuge und Möglichkeiten, um Stereo- oder 5.1-Produktionen zu mischen. Neu in Soundtrack ist auch eine automatische Ton/Bild-Abstimmung, die dafür sorgt, dass nach Änderungen des Filmes in Final Cut Pro diese mit der Version in Soundtrack verglichen werden, um dann dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, die Änderungen übertragen, zu modifizieren oder auch abzulehnen. Das kann reichlich mühsame Arbeit sparen.

Der neue Multitrack-Editor lässt sich beispielsweise für Sprachaufnahmen perfekt einsetzen, bei denen Takes mehrfach aufgenommen werden und dann parallel vorliegen. Am Ende kann nicht nur die beste Version ausgesucht werden, sondern aus den verschiedenen Takes eine optimale Version ganz einfach zusammengesetzt werden. Dass im Lieferumfang viele professionelle Filter und Effekte vorhanden sind, versteht sich von selbst. Die Bedienelemente der einzelnen Effekte sind übersichtlich angeordnet und erlauben auch wenig erfahrenen Nutzern eine einfache Bedienung. Zur Vertonung mit Musik bietet Soundtrack etwa 1.000 lizenzfreie Titel, die sich aaus Sicht der Tester durchaus mit gebührenpflichtiger Verlagsmusik messen können.

Aufgrund mangelnder Midi-Fähigkeiten und Kompositions-Features ist Soundtrack Pro kein Konkurrent zu Logic oder Cubase. Der Cutter wird es danken, denn schon der Funktionsumfang von Soundtrack Pro verlangt Cuttern mit wenig Audioerfahrung einiges ab. Konsequenterweise wurde deshalb nicht das Kompositionswerkzeug mit Loops ausgebaut, sondern die Audiodateien-Funktion verbessert. Ein Beispiel dafür ist der »Take Manager«: Dieses Fenster ist eine bisher einmalige Lösung, um bei Sprachaufnahmen mehrere Versionen in einem Fenster direkt in der Umgebung des Projektes vergleichen zu können. Erweitertes Copy and Paste bietet »Lift and Stamp«. Damit werden Effekte und Einstellungen kopiert und übertragen. Auf den ersten Blick ist das nichts Revolutionäres. Wirklich gut dabei ist aber die Möglichkeit, EQ-Charakteristiken automatisch anzugleichen. Der alternative Filter »Match EQ« war dabei meist nicht so hilfreich, da er einiges an Hintergrundwissen voraussetzte und selbst dann schwer zu justieren war.

Eine echte 5.1 Audio-Unterstützung für Surround-Mischungen war längst überfällig und die ist Apple aufgrund der intuitiven grafischen Handhabung jetzt wirklich gut gelungen.

Die 50 Effekte aus Logic wurden teilweise neu gestaltet und liegen in Mono und Stereo vor – viele sind sogar surround-fähig. Zudem kann ein Projekt als Stereo- und Surroundmix angelegt oder umgewandelt werden. Die Oberfläche wurde für den Betrieb auf einem Monitor verbessert. Alle Fenster hängen zusammen, wobei sich nicht benötigte Fenster mit einem Klick ausblenden lassen. Da sich weiterhin alle Fenster aus dem Verbund lösen und neu zusammenstellen lassen, wirkt die Software vor allem für den Einsteiger deutlich übersichtlicher. Damit der Einstieg noch einfacher fällt, wurde die Bedienung in den Details an Final Cut Pro angenähert, etwa mit dem Roll-Edit-Werkzeug.

Die Frequenzspektrum-Ansicht diente bisher lediglich zur Orientierung und ist jetzt endlich mit Optionen ausgestattet, um Frequenzen direkt auswählen und bearbeiten zu können. Allerdings fehlt ein Lassowerkzeug, um die Auswahl zu optimieren, und leider ist es auch nicht möglich, die Frequenzspektrum-Ansicht und die Waveform parallel anzuzeigen. Die Möglichkeit, mehrere Spuren gleichzeitig aufzunehmen, werden die meisten Videoproduzenten kaum benötigen.

Wird ein Projekt oder eine Datei aus Final Cut Pro an Soundtrack 2 gesendet, wird beim Aktualisieren der Bearbeitungsschritte in Final Cut Pro die Waveform-Darstellung angepasst. Umgekehrt können Änderungen im Video in Final Cut Pro in Soundtrack Pro 2 übernommen werden. Mehrspurprojekte lassen sich beim Export aus Sondtrack Pro 2 mit einem neuen Befehl direkt als Stereomix in einer neuen Final-Cut-Pro-Sequenz öffnen. Ebenso gibt es einen direkten Datenaustausch von Soundtrack Pro 2 mit Motion 3, was in Einzelfällen den Umweg über Final Cut Pro ersparen kann.

DVD Studio 4

Richtig rund wird Final Cut Studio durch die Authoring-Software DVD Studio 4 für SD- und HD-Projekte. Dank der Integration innerhalb des Komplettpakets können animierte Menüs für DVDs mit Hilfe von Motion erzeugt werden. Bis zu neun Kamera-, acht Audio- und 32 Untertitelspuren, der integrierte Dolby Digital-Pro-Encoder sowie die Möglichkeit der Skripterstellung und der Konvertierung von SD- in HD-Projekte machen DVD Studio Pro zu einem professionellen Werkzeug.

Fazit Christoph Harrer

Insgesamt ist das Update von Final Cut Studio gelungen und schon Final Cut Pro 6 allein rechtfertigt die Investition in das Komplettpaket. Mit der Wiedergabe verschiedener Videoformate in einer Timeline in Echtzeit und dem ProRes-422-Codec beseitigt Apple nicht nur zwei der größten Wettbewerbsnachteile gegenüber konkurrierenden Produkten von Avid und Thomson/Canopus, sondern macht es dabei sogar noch ein Stück besser als diese. Für professionelle Ergebnisse ist die Zeitlupe mit Smoothcam eine Bereicherung, und die neuen Generatoren und Effekte in Final Cut Pro und Motion bieten einen Mehrwert. Motion wurde mit eingeschränkten 3D-Funktionalität aufgewertet und kann bei grafisch orientierten Projekten ein weiteres Compositingprogramm überflüssig machen. Für echtes 3D-Compositing mit viel Videomaterial, 3D-Objekten und Scripting ist es noch keine Alternative zu After Effects oder Combustion.

Das Prinzip, komplexe Funktionen in andere Programme auszulagern und Final Cut Pro als zentrales Programm in einem Multimedia-Hub zu verwenden, wurde weiter ausgebaut. Soundtrack Pro 2, Motion 3 und Color bieten sinnvolle neue Funktionlaität runden das Paket ab und erweitern es so, dass es im Preis/Leistungs-Verhältnis derzeit unschlagbar ist. DVD Studio Pro 4 ein weiterer Teil des Pakets, macht das Angebot rund, hat aber letztlich nichts Neues zu bieten.

Bei Soundtrack Pro 2 und Motion 3 ist die Integration mit Final Cut Pro noch besser geworden, bei Color ist sie dagegen noch sehr rudimentär. Betrachtet man Color als kostenfreie Zugabe innerhalb des Pakets, was beim Preisvergleich mit der früheren Version legitim ist, kann man sich eigentlich auch hier nicht beschweren. Wer bereit ist, sich in das komplexe Programm einzuarbeiten, dem gibt Apple ein mächtiges Grading-Werkzeug mit hohen Qualitätsansprüchen an die Hand. Eine bessere Integration von Color ist allerdings sehr wünschenswert. Eine weiterführende Farbkorrektur in Final Cut Pro, wie sie etwa Avid Xpress bietet, wäre für die meisten Nutzer wahrscheinlich die bessere Lösung.

Compressor wurde mit neuer Oberfläche und Drag-and-Drop-Bedienung modernisiert. Die Integration mit Qmaster und Final Cut Pro wurde mit der Option zum direkten Export aus dem Browser erweitert. Dazu bietet Compressor nun einen Timecode-Burn-in und Wasserzeichen — das WMV-Format vermisst man allerdings nach wie vor.

Wer sich mit dem Hub-Pinzip anfreunden kann, der wird in dem Apple-Paket nur noch eine wirklich überzeugende Keying-Funktion sowie umfassendes Background-Rendering vermissen. Der lernscheue Cutter, dem Color überdimensioniert erscheint, wird nach wie vor eine bessere Farbkorrektur anmahnen, während die Normalisieren-Funktion und die Mastervorlagen auch für diesen eine echte Bereicherung in der Hauptkomponente von Final Cut Studio 2 sind.

Fazit Andreas Frowein

Final Cut Studio 2, das es leider nur für die Mac-Plattform gibt, ist enorm umfangreich — so umfangreich, dass nur ganz wenige Nutzer fast alle Funktionen beherrschen können. Dennoch schafft es Apple, dass man sich eben die Funktionen herauspicken kann, die man braucht, während der Rest eben brachen liegen kann, ohne weiter zu belasten. Die Möglichkeit, sich bei den jeweils benötigten Funktionen individuell auf hohem Niveau »zu bedienen«, ist die rund 1.300 Euro (Paket-Bruttopreis im Apple-Online-Store) allemal wert. Upgrades sind ab rund 500 Euro verfügbar. Selbst wenn man noch einen Mac und eine I/O-Karte oder -Box (etwa von Aja oder Black Magic) kaufen muss, kann man auf der Basis von Final Cut Studio für deutlich unter 10.000 Euro ein HD-fähiges System aufbauen. Wer aufs Ganze gehen und unkomprimiert in 10 Bit arbeiten will oder muss, benötigt zusätzlich ein externes RAID, denn die anfallenden Datenmengen und die Datenrate können von den drei intern installierbaren Festplatten nicht bedient werden. Dafür sind dann je nach Größe noch ein paar tausend Euro fällig. So oder so, das Preis/Leistungs-Verhältnis ist sehr gut und dürfte dafür sorgen, dass der Markt für Postproduktionssysteme in eine nächste Runde geht.

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Autor
Andreas Frowein, Christoph Harrer

Bildrechte
Christoph Harrer, Andreas Frowein, Apple (2)

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