Kamera, Test, Top-Story: 05.12.2014

Test Sony PXW-FS7: Rising Star

Sony stellte zur IBC2014 den Camcorder PXW-FS7 vor — und landete mit diesem Gerät zweifelsohne einen der Messehits. Warum? Der Camcorder bietet einen großen Super-35-Sensor, ermöglicht also »Filmlook«, er kann mit unterschiedlichen Objektiven genutzt werden, beherrscht Zeitraffer und Zeitlupe und hat auch für Anwender aus dem ENG-Bereich einige Vorzüge, weil er etliche Features für den Ein-Personen-Betrieb mitbringt. Außerdem zitiert der FS7 mehr als andere Kameras und Camcorder jüngeren Datums, Designelemente klassischer Filmkameras.

Vor 15 Jahren hätte man den FS7 auf den ersten Blick vielleicht für eine 16-mm-Kamera gehalten. Die Baugröße passt und die am hinteren Ende gerundete Form erinnert an eine Filmkassette. Dieser ikonografische Verweis ist mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Zufall, die Assoziation mit einer klassischen Filmkamera dürfte gewünscht sein. Ganz anders aber als etwa die bewusst im Retro-Look designte Digital Bolex (Meldung), wirkt der FS7 dabei nicht wie ein Rückgriff, sondern hinterlässt einen durchaus modernen Eindruck.

Da der »Filmlook« mit geringer Schärfentiefe, den der große Sensor des FS7 ermöglicht, vielen als Gütesiegel für moderne Produktionen gilt, rundet sich das Bild auch von technischer Seite: Digitale Single-Large-Sensor-Kameras (SLS) sind mittlerweile längst nicht nur im szenischen, sondern auch im Doku- und sogar im ENG-Bereich weit verbreitet.

Sony sieht ganz offenbar — obwohl das Unternehmen auch weiterhin mit hoher Taktzahl Handhelds und auch immer noch klassische Broadcast-Schultercamcorder in Dreichiptechnik vorstellt — auch bei den SLS-Geräten offenbar weiterhin sehr großes Potenzial. Dabei zielt der Hersteller mit dem neu vorgestellten FS7 auf Anwender, die im kleinen Team oder allein unterwegs sind und vermarktet diesen Camcorder als problemlos, schnell und flexibel nutzbares Gerät, das sich auch gut von Ein-Personen-Teams nutzen lässt.

Neben dem großen Sensor gibt Sony dem FS7 auch noch einige weitere Funktionen mit, die bei den Kunden gut ankommen und die Anwendungsmöglichkeiten auffächern: Mit dem FS7 sind Zeitlupen möglich, er eröffnet den Sprung in Richtung 4K und bietet vieles an Funktionalität, was etwa auch ein klassischer ENG-Handheld aufweist.

Kurzum: der FS7 ist in jedem Fall ein echter Hingucker — und vielleicht sogar noch mehr. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, den man vielleicht auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt — und so nutzte film-tv-video.de die erste Gelegenheit, diese Kamera zu testen. Dabei standen zwar nur zwei Tage zur Verfügung, aber der kurze Praxistest förderte dennoch einige interessante Erkenntnisse zutage.

Eckdaten-Überblick

Sony präsentiert mit dem PXW-FS7 einen kompakten 4K-Camcorder mit Super-35CMOS-Sensor. Er bietet ein Wechselobjektivsystem, das direkt mit einer großen Auswahl an E-Mount-Objektiven bestückt werden kann. Per Adapter können auch zahlreiche andere Objektive verwendet werden. Mehr dazu erfahren Sie im Abschnitt »Sensor und Optik«.

Die Kamera ermöglicht Aufnahmen in QFHD mit 4:2:2/10-Bit-Abtastung. Ein Upgrade auf 4K mit einer Auflösung von 4.096 x 2.160 Bildpunkten soll ab Anfang 2015 zur Verfügung stehen. Zeitlupen schafft der Camcorder bei interner Aufzeichnung mit bis zu 180 fps. Die Grundempfindlichkeit des FS7 gibt Sony mit ISO 2000 und den Dynamikbereich mit 14 Blendenstufen an.

Der Camcorder unterstützt eine Vielzahl von Aufnahmeformaten einschließlich XAVC Intra, Long-GOP und MPEG HD422.

Zum PXW-FS7 liefert Sony unter anderem einen abnehmbaren, ergonomisch geformten Handgriff mit integrierten Bedienelementen und einen Sucher mit.

Der Netto-Listenpreis für den Camcorder (ohne Optik) liegt bei 7.321 Euro, aber schon jetzt, bevor die Auslieferung in größeren Stückzahlen überhaupt anrollen soll, bieten verschiedene Händler den FS7 in ihren Online-Shops um die 400 Euro günstiger an.

Gegen Aufpreis bietet Sony die Erweiterung XDCA-FS7 an, die weitere Funktionalität, etwa für Multikamera-Drehs und ProRes-422-Kodierung mitbringt. Via XDCA-FS7 kann dann auch parallel ein Raw-Signal (in 2K oder 4K) auf externe diesem Recorder ausgegeben werden. Dabei sollen dann bis zu 240 fps in 2K möglich sein. Diese Erweiterung stand im Test nicht zur Verfügung.

Sensor, Mount, Optiken

Sonys PXW-FS7 ist mit einem Super-35-CMOS-Sensor ausgerüstet, der 11,6 Millionen Bildpunkte aufweist (Sensorraster 4.352 x 2.662; 8,9 Millionen Pixel effektiv). Dank des großen Sensors sind mit dem Camcorder im Zusammenspiel mit entsprechenden Optiken, Aufnahmen mit sehr geringer Schärfentiefe möglich: Der Blick des Zuschauers lässt sich so gezielt lenken, und es ist möglich, Bildobjekte vor einem unscharfen Hintergrund abzubilden und so gestalterisch von der Umgebung zu isolieren.

Die hohe Auslesegeschwindigkeit des Bildsensors ermöglicht es, mit dem FS7 Zeitlupen mit hohen Bildraten bis 240 fps in hoher Bildqualität zu realisieren — allerdings nur mit externen Recordern, bei interner Aufzeichnung sind maximal 180 fps möglich. Der Sensor erreicht darüber hinaus eine hohe Empfindlichkeit von ISO 2000 sowie einen weiten Dynamikbereich mit 14 Stufen. Die Gefahr von Raster- und Moiré-Mustern im Bild hat Sony nach eigenen Angaben durch ein verbessertes Sensor-Ausleseverfahren im Zusammenspiel mit einer neuen optimierten Signalverarbeitung auf ein Minimum reduziert.

Der Camcorder bietet keinen Global, sondern einen Rolling Shutter. Im Test fielen aber die mit dieser Technik assoziierten, negativen Effekte nicht auf, man kann sie aber durchaus provozieren, wenn man es darauf anlegt.

Der FS7 weist eine E-Mount-Objektivfassung auf, es können also zahlreiche E-Mount-Objektive direkt verwendet werden. Per Sony-Adapter LA-EA4 können aber auch A-Mount-Objektive von Sony-Fotoapparaten am FS7 eingesetzt werden. Mit Adaptern anderer Hersteller lassen sich ebenso ganz andere Objektive nutzen. film-tv-video.de etwa verwendete beim Praxistest einen Metabones-Adapter, der den Anschluss von Canon-EF-Optiken und auch deren Steuerung vom Camcorder aus erlaubt.

Dieser Adapter hinterließ, nebenbei bemerkt, einen sehr guten Eindruck: Er ist stabil, sitzt satt in der Fassung und lässt sich sehr leicht montieren. Im Test arbeitete film-tv-video.de hauptsächlich mit Festbrennweiten, die sich durch eine hohe Lichtstärke auszeichnen. Zusätzlich war eine Canon-Zoomoptik im Einsatz.

Sony selbst bietet etliche Optiken an, die sich ohne zusätzlichen Adapter nutzen lassen. Als besonders gut für den FS7 geeignet, preist der Hersteller ein neu vorgestelltes Zoomobjektiv an: Das E-Mount-Objektiv FE PZ 28–135mm F4 G OSS (SELP28135G). Das ist ein 35-mm-Vollformatobjektiv mit Zoommotor. Der Hersteller betont, dass dieses neue E-Mount-Objektiv eine durchgängige Blende von F4 bietet und unabhängige Ringe für Blende, Zoom und Fokus aufweist. Zudem sei es gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt, biete minimales Focus Breathing und SSM (Super Sonic Wave Motor), um Geräusche im Zusammenhang mit Zoom und Fokus während der Aufnahme zu reduzieren.

XQD-Aufzeichnungsmedium

Der PXW-FS7 nutzt für die Aufzeichnung neue XQD-Speicherkarten, die sich durch hohe Schreib-/Lesegeschwindigkeiten auszeichnen. Der erste Profi-Camcorder, der XQD als Speichermedium nutzte, war Sonys 4K-Handheld PXW-Z100 (Test). Mit den XQD-Karten der neuen G-Serie lassen sich mit dem FS7 Zeitlupen und 4K-Clips intern aufzeichnen. Zudem ist es dank zweier XQD-Slots auch möglich, parallel aufzuzeichnen und somit sozusagen schon beim Dreh das Backup zu erstellen. Alternativ können natürlich auch beide Karten/Slots nacheinander für die Originalaufzeichnung genutzt werden.

Formate und Codecs

Eine große Stärke des FS7 sind die zahlreichen Codecs, in denen er aufzeichnen kann: Neben dem immer noch vergleichsweise neuen XAVC-Codec (Intra und Long-GOP) unterstützt die Kamera auch die Aufzeichnung im derzeit noch gängigeren MPEG-2 HD 422.

In XAVC spielt die Kamera ihre ganzen Fähigkeiten aus: im Intra-Modus kann sie aktuell bei der Markteinführung in QFHD (3.840 x 2.160) und auch in Full HD mit 4:2:2/10-Bit-Abtastung mit maximal 50p oder 59,94p aufzeichnen.

Als Alternative beherrscht die Kamera auch die Aufzeichnung in XAVC Long-GOP. In diesem Modus lässt sich auch mit deutlich geringeren Datenraten eine gute Bildqualität erzielen — mit dem Nachteil, dass später im Schnitt mehr Processing-Power nötig ist. um das Material zu dekodieren. Man muss also abwägen, was im jeweiligen Fall die bessere Lösung ist.

Mit der optionalen Erweiterung XDCA-FS7 ist der PXW-FS7 auch in der Lage, wahlweise im Apple-Codec ProRes 422 auf die XQD-Karten aufzunehmen. Diese Option soll aber erst nach einem ebenfalls schon angekündigten Firmware-Update Anfang 2015 verfügbar werden.

Darüber hinaus ist der PXW-FS7 bei installiertem XDCA-FS7 in der Lage, über eine Raw-Schnittstelle 4K/2K-Raw-Signale auszugeben. Das ebenfalls optionale Schnittstellenmodul HXR-IFR5 erlaubt es, hierfür den separat verfügbaren Recorder AXS-R5 oder kompatible externe Recorder von Drittherstellern anzuschließen.

SD-Aufzeichnung beherrscht der FS7 zumindest derzeit nicht.

Slow- und Quickmotion

Im HD-Modus ist es auch mit dem zum Lieferstart aktuellen Software-Stand möglich, mit dem PXW-FS7 intern Zeitlupen mit bis zu 180 fps aufzuzeichnen.

Der Sensor der Kamera kann aber schneller ausgelesen werden, als der Camcorder intern aufzeichnen kann. Bildraten bis zu 240 fps nennt Sony derzeit, und die sollen bei der Aufnahme von 2KRaw-Signalen auf einen externen Recorder erreichbar sein.

Einige Testaufnahmen, die film-tv-video.de mit dem PXW-FS7 aufgenommen hat.
Log-Kurven: S-Gamut3.Cine/S-Log3, SGamut3/S-Log3 und weitere

Ein großes Plus des FS7 stellt die Möglichkeit dar, mit Log-Gammakurven aufzuzeichnen. S-Log3 etwa erlaubt die Aufzeichnung eines deutlich größeren Dynamikbereichs, was in einer späteren Farbkorrektur viel Spielraum fürs Grading bietet und alle Möglichkeiten offen lässt.

Für ganz »normale« Drehs, bei denen man in der Postproduction weniger Aufwand treiben kann oder will, kann beim FS7 aber auch mit Standard-Gamma gedreht werden.

Zudem bietet die Kamera auch Hyper-Gamma für extreme Lichtempfindlichkeit auf Kosten anderer Bildparameter, sowie die Möglichkeit, die Gammakurve individuell anzupassen.

Eine weitere Besonderheit der Kamera: Dreht man im Modus »Cine EI«, ist es möglich, unterschiedliche Monitor-LUTs einzustellen, was die Bildkontrolle erleichtert, wenn man etwa mit S-Log aufzeichnet: Man zeichnet dann zwar die flauen, flachen Log-Signale auf, die maximalen Spielraum für die Post lassen, sieht aber im Sucher vorkorrigierte Bilder, anhand derer man die Aufnahmen vor Ort in puncto Schärfe und Belichtung besser kontrollieren und steuern kann.

Handling, Bauform, Haptik

Der FS7 ist — wie aktuell viele Kameras — als Kamera-Body gestaltet, der sich über diverse Gewinde und eine Rosette relativ leicht mit zusätzlichen Griffen und Halterungen ergänzen und individuell umkonfigurieren lässt. Sony-Kunden kennen das etwa vom FS700 und F5/F55 — und natürlich setzen auch etliche andere Hersteller auf dieses Konzept.

An der Unterseite bietet der FS7 ein kleines, verschiebbares Schulterpad, außerdem liefert der Hersteller einen ergonomisch gestalteten Fernbediengriff an einem längenverstellbaren Arm mit, der sich an der Rosette auf der rechten Geräteseite montieren lässt.

Am demontierbaren, oberen Tragegriff ist mit einem Gestänge der Sucher befestigt, den man wie einen Ausklappschirm nutzen, auf den man aber auch einen Lichtschutztubus aufsetzen kann.

Insgesamt setzt Sony beim FS7 auf einen wertigen Eindruck, aber an der einen oder anderen Stellen haben sich dann offenbar doch die Controller im Bemühen um einen möglichst niedrigen Preis gegenüber den Designern und Konstrukteuren durchgesetzt.

In der Folge präsentiert sich der FS7 durchaus zwiespältig: Das Drehrad für den manuellen ND-Filterwechsel etwa macht einen so massiven, soliden und robusten Eindruck, dass man den Eindruck gewinnt, man könnte damit zur Not auch jemanden erschlagen. Im krassen Kontrast dazu steht das Kläppchen, das die Speicherkarten-Slots abdeckt, denn das hat eine so minderwertige, billige Anmutung, dass man das Scharnier fast schon als Sollbruchstelle betrachten kann.

So findet man an verschiedenen Stellen des Camcorders solche Widersprüche, mit denen einige ziemlich gute Ideen und Einfälle durch eine inkonsequente Umsetzung fast wieder zunichte gemacht werden.

Beispiel Handgriff: Der Griff selbst ist wertig ausgeführt, er lag bei allen Testern gut in der Hand und bietet gut erreichbare und ertastbare Bedienelemente. Mit etwas Übung kann man im Schulterbetrieb so gut wie alle Funktionen des Camcorders über diesen Griff beim Dreh mit der rechten Hand bedienen und hat die linke Hand für die Objektivbedienung frei. Der Griff ist mit einer stabil wirkenden und leicht, ohne Werkzeug zu verstellenden Arretierung, drehbar an einem Arm befestigt. Alles gut gemacht. Will man aber den Arm selbst, der an einer Rosette am Kamera-Body befestigt wird, in der Länge verstellen, ist das ein fummeliger Akt für den man einen Schraubendreher braucht. Schade, denkt man da — und fragt sich: Warum? Auch zur Verstellung des Schulterpads am Boden des Camcorders braucht man einen Schraubendreher.

Außerdem konnte, das soll hier nicht verschwiegen werden, keiner der vom Körperbau durchaus unterschiedlichen drei Tester, eine wirklich bequeme Schulterposition des Camcorders erreichen: Der mitgelieferte Arm ist zu kurz und das Schulterpad lässt sich nicht weit genug nach hinten ziehen, um eine gute, miteinander korrespondierende Positionierung von Sucher, Objektiv und Body vornehmen zu können. Irgendwie kann man sich schon arrangieren, aber wirklich bequemes Drehen von der Schulter fühlt sich — zumindest für die Tester — anders an.

Weiteres Manko: Sitzt die Kamera — so wie es die Grundkonfiguration erlaubt — auf der Schulter, lässt sie sich außer über den Handgriff, nicht besonders gut blind bedienen: Die meisten Bedienelemente sitzen weit hinten, neben dem Ohr des Operators.

Es bleibt also trotz Schulterpad und Fernbediengriff noch viel Raum für Zubehör, das aber Spezialisten wie etwa Vocas und Chrosziel schon im Angebot haben. Auch Sony selbst hat die leichte Schulterstütze VCT-FS7 mit 15-mm-Rohren und verstellbarem Schulterpolster vorgestellt. Das Geld für die eine oder andere Lösung in diesem Bereich sollte man hier in jedem Fall einplanen, wenn man die Anschaffung des FS7 plant. Das System ergonomisch zu verbessern und eine Möglichkeit zu schaffen, eine Matte-Box, ein Follow-Focus-Systemen und möglicherweise einen externen Recorder am FS7 zu befestigen, kann ganz sicher nicht schaden.

Zurück zum Remote-Griff, der über ein Spiralkabel Kontakt zum Camcorder aufnimmt, also auch anderweitig montiert und eingesetzt werden kann, als von Sony vorgesehen. Der Griff selbst weist Tasten für Start/Stopp und fürs Zoomen auf, zudem lassen sich einige Funktionen auf weitere Tasten des Griffs legen — so etwa das Fokus-Magnifying, das als zentrale Auschnittsvergrößerung umgesetzt ist.

Die Sucherverstellung mit einem zentralen Knebel mutet zunächst ganz clever an. Dreht man aber allein, hat den Camcorder auf der Schulter und will dann die Sucherposition optimieren, hat man ein Problem: Man muss den Camcorder am Griff festhalten, damit er nicht von der Schulter rutscht, löst man dann mit der anderen Hand den Feststell-Hebel des Suchers, baumelt dieser so labil vor dem Gesicht herum, dass man eine dritte Hand bräuchte, um ihn zu positionieren und zu halten, während man mit der linken Hand wieder den Knebelverschluss umlegt.

Will man den Camcorder absetzen, muss man sich ebenfalls etwas überlegen: Der Handgriff verhindert es, den FS7 sicher abstellen zu können und auch ohne Handgriff neigt er mit montiertem Sucher und Objektiv zum Kippen. Zum Absetzen sollte also am besten ein Stativ zur Verfügung stehen.

Als Akku liefert Sony einen BP-U30 mit, der tief innen, mittig im Camcorder sitzt. Der FS7 verfügt über den gleichen Akku-Mount, wie etwa die Sony-Geräte F3, PMW-100 bis -300, PXW-X160/180/200 und PMW-EX1/3.

Staub- und Wasserschutz

Ein Plus des Camcorders: Alle Tasten und Drehknöpfe des FS7 sind gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet, so dass die Kamera auch härtere Einsätze gut überstehen sollte. Zudem ist der Lüftungskamin des Camcorders laut Hersteller vom restlichen Innenleben der Kamera abgekoppelt und gekapselt, sodass hier ebenfalls keine Probleme drohen sollten, wenn es staubig oder feucht zugeht.

Sucher

Der mitgelieferte LCD-Sucher weist eine Bildschirmdiagonale von 8,8 cm und ein Raster von 960 x 540 Bildpunkten auf, er bietet also halbe HD-Auflösung.

Über einen Regler am Sucher lässt sich dessen Kontrast einstellen, per Taste kann der Anwender das Peaking aktivieren und deaktivieren, das man im Menü voreinstellen kann. Auch für die Ein- und Ausblendung des Zebra-Musters gibt es am Sucher einen Schalter. Per Mirror-Schalter kann das Sucherbild gespiegelt und gedreht werden.

Nutzt man den Sucher mit aufgeklappter oder abgenommener Sucherlupe, kann man das Bild recht gut beurteilen, solange man nicht zu hellem Umgebungslicht ausgesetzt ist. Dennoch gibt es bei aufgeklappter und auch bei geschlossener Sucherlupe immer wieder Situationen, in denen man sich wünscht, den Sucher heller und kontrastreicher einstellen zu können, als das möglich ist. Hier gibt es durchaus Steigerungspotenzial.

Wie schon erwähnt, konnte die Befestigung und Verstellung des Suchers die Tester nicht überzeugen. Bei isolierter Betrachtung des Suchers waren die Tester aber mit dessen Bedienung und Qualität durchaus zufrieden — wenn man sich den Paket-Nettopreis von rund 7.000 Euro in Erinnerung ruft, für den man Kamera, Sucher und Remote-Griff und weitere Kleinteile bekommt.

Bedienung

Kameraleute, die mit Schulterkameras oder -camcordern groß geworden sind, vermissen oft die klassische Bauweise, die das Gerät satt auf der Schulter sitzen lässt und die blinde Bedienung erlaubt. Aber die Zeiten ändern sich, und mittlerweile werden eben viele Kameras als Block gebaut, der erst mit diversem Zubehör richtig nutzbar gemacht werden muss. Das wird wohl — wie schon ausgeführt — auch bei der FS7 ganz ähnlich laufen, wenngleich die Kamera dank Handgriff und Schulter-Pad unter diesem Aspekt schon von Grund auf etwas besser ausgestattet ist, als andere aktuelle »Kameraklötze«.

Die wichtigen Bedienelemente hat Sony auf der linken Seite des Camcorders platziert. Dort lassen sich etwa grundlegende Einstellungen wie Blende, Weißabgleich, Shutter und Gain direkt aufrufen und einstellen, ebenso die Hilfsfunktionen wie »Push Auto« für Blende und Fokus. Im Schultereinsatz taten sich die Tester aber etwas schwer damit, diese Funktionselemente wirklich blind zu finden und zu bedienen, das würde zweifellos besser funktionieren, wenn der Camcorder etwas weiter vorne auf der Schulter sitzen würde.

Am Camcorder gibt es insgesamt sechs belegbare Tasten, denen sich Funktionen zuweisen lassen: drei direkt am Body, drei im Handgriff. Aber auch dem Drehregler »Iris« am Camcorder und dem belegbaren Regler im Griff können verschiedene Funktionen zugewiesen werden. 35 Funktionen für die User-Tasten stehen zur Auswahl, ergänzt um fünf Funktionen für die Rändelräder: Aus, Iris, ISO/Gain/EI, Focus und Audio Input Level.

Mehr als einmal passierte es den Testern aber im Rahmen des Kurztests, dass sie im Schulterbetrieb nicht das User-Rändelrad erwischten, sondern das Sel/Set-Rändelrad, mit dem man sich im Menü bewegt und Einstellungen vornimmt: Diese Räder sollten sich aus Sicht der Tester haptisch stärker unterscheiden. So kam es im Test immer wieder vor, dass man die Blende verstellte, wenn man eigentlich das Menü aufrufen wollten — und umgekehrt. Diese Verwechslung wird mit etwas Übung und Gewöhnung sicher seltener vorkommen, aber das Gerätedesign ist in diesem Bereich aus Sicht der Tester suboptimal.

Insgesamt kommt man mit der Anordnung der Bedienelemente aber ganz gut zurecht, sehr gut sind etwa die beiden Tasten »Focus Push Auto« und »Iris Push Auto« positioniert: an der richtigen Stelle und mit ausreichendem Abstand. Wer schnell kontrollieren will, ob er mit seiner manuellen Belichtung und Fokus im richtigen Bereich liegt, findet diese beiden Tasten schnell und zielsicher.

Ein integriertes, internes ND-Filtermodul bietet die Möglichkeit, die Lichtmenge zu regulieren, die auf den Sensor fällt, ohne in einen völlig anderen Blendenbereich wechseln zu müssen. Das ermöglicht es, mit der jeweils gewünschten Schärfentiefe zu drehen, und die Lichtmenge nicht zwangsläufig mit der Blende oder Vorsatzfiltern steuern zu müssen. Mögliche Einstellungen sind: 1/4 (2eV), 1/16 (4eV) und 1/64(6eV).

Dank des Tragegriffs, der sich bei Bedarf auch durch Lösen von vier Innensechskantschrauben abnehmen lässt, kann man den Camcorder gut transportieren und auch in tiefen Positionen nutzen. Am vorderen Ende des Tragegriffs hat Sony einen intelligenten Zubehörschuh (Multi Interface, MI) integriert. Daran lassen sich Audiozubehör oder eine Kameraleuchte montieren und über den Zubehörschuh bequem kabellos mit dem Camcorder verbinden.

Der Zubehörschuh lässt sich etwa mit der optional erhältlichen Leuchte HVL-LBPC nutzen. Die kann dann automatisiert über den Start/Stopp-Knopf des Camcorders mit ein- und ausgeschaltet werden. Strom- und Audioanschluss der Audio-Funkstrecken UWP-D11 oder UWP-D12 an den Camcorder wird über den MI-Schuh ebenfalls kabelfrei realisiert.

Gut gelungen ist den Entwicklern der Remote-Handgriff, über den sich etwa Zoom, Start/Stopp und mit den integrierten User-Tasten auch noch etliche frei wählbare Funktionen bedienen lassen.

Besonders nützlich ist die Scharfstellhilfe, die einen zentralen Bildausschnitt in zwei Stufen (4x, 8x) vergrößert. Im Zusammenspiel mit dem ganz brauchbaren Sucher und farbigem Peaking lässt sich so die Schärfe sehr schnell und ziemlich zuverlässig einstellen.

Erweiterungsmodul

Mit dem XDCA-FS7 lässt sich die Kamera um zusätzliche Schnittstellen und einen V-Mount ergänzen. Mit montiertem XDCA-FS7 mutet der Camcorder dann eher an, wie ein klassischer Broadcast-Schultercamcorder. Im Test war diese Erweiterung nicht vorhanden.

Durch den Anschluss eines V-Mount-Akkus am XDCA-FS7 geht dem Camcorder auch bei längeren Einsätzen nicht so rasch der Saft aus. Die Leistungsaufnahme des Camcorders gibt Sony mit 19 W an (bei Aufzeichnung im QFHD-Raster mit XAVC-I-Codec in 59.94p, bei eingeschaltetem Sucher).

XDCA-FS7 versetzt den PXW-FS7 zudem auch in die Lage, im Apple-Codec ProRes 422 aufzunehmen. Diese Option soll nach einem Firmware-Update Anfang 2015 verfügbar werden.

Darüber hinaus stellt das Erweiterungsmodul auch eine Raw-Schnittstelle zur Verfügung, die dann externe 4K/2K-Raw-Aufnahmen mit der Kombination aus dem Sony-Schnittstellenmodul HXR-IFR5 und dem Recorder AXS-R5 ermöglicht — oder mit kompatiblen externen Recordern von Drittherstellern.
Die externe Synchronisierung des FS7 mithilfe der Ein- und Ausgänge für Genlock und Timecode ist ebenfalls nur in Kombination mit dem Erweiterungsmoduls XDCA-FS7 möglich.

Anschlüsse, Slots, NFC

Bei den Anschlüssen zeigt sich der FS7 in der Grundversion, also ohne das Erweiterungsmodul, von seiner spartanischen Seite: Für den Ton sieht der Camcorder zwei XLR-Buchsen vor, an die sich etwa ein externes Mikrofon anschließen lässt. Fürs Bild bietet der FS7 zwei BNC-Buchsen (SDI-Signale) und einen HDMI-Ausgang (Typ A). Zudem sind neben Sucheranschluss, DC-In- und Kopfhörerbuchse nur noch eine Remote- und zwei USB-Buchsen vorgesehen (eine davon für den W-Lan-Adapter). Das war es dann auch schon bei den Schnittstellen.

Zwei Slots für XQD-Speicherkarten finden sich hinter dem schon bemängelten Billigkläppchen auf der linken Geräteseite. Außerdem ist dort eine der USB-Buchsen positioniert und ein »Utility«-SD-Slot, über den etwa Kameraparameter auf einer SD-Speicherkarte gespeichert und zwischen Camcordern ausgetauscht werden können.

Neben dem W-LAN-Adapter bringt der FS7 eine weitere kabellose Funktionalität mit: NFC. Die NFC-Technologie (Near Field Communication) nutzt Sony im FS7, um sehr einfach eine Verbindung zwischen dem Camcorder und einem Tablet oder Smartphone herstellen zu können. Ist NFC im Camcorder aktiviert, genügt es, wenn sich der FS7 und ein Mobilgerät auf dem die Sony-App »Content Browser Mobile« installiert ist, kurz berühren: Dann wird eine Verbindung hergestellt, ein Webbrowser geöffnet und darin die WiFi-Fernbedienung angezeigt.

Die WiFi-Funktionalität des FS7 kann natürlich auch ohne NFC genutzt werden, dann ist zwar die erste Inbetriebnahme etwas umständlicher, aber die Funktionalität ist gleich.

Bild-/Tonqualität

Um es kurz zu machen: Was die Redaktion von film-tv-video.de innerhalb des knappen Testzeitraums aufzeichnen konnte, war von Seiten des Camcorders insgesamt sehr überzeugend.

Bei detailreichen Motiven beeindruckt der FS7 mit feinster Durchzeichnung: Ein Spinnenfaden zwischen Ast und Stamm, Schilfgräser, die sich im Wind wiegen, die letzten Herbstblätter, die sich bereit machen für den Abflug — all diese Motive fing der FS7 mit eindrucksvoller Schärfe und Detailtreue ein.

Der große Dynamikumfang trägt seinen Teil zu einem insgesamt stimmigen Bild bei. Auch in der Farbwiedergabe kommen die Bilder des FS7 der Realität so nahe, wie es kaum ein anderer Camcorder der gleichen Preisgruppe schafft: Der letzte sonnige Herbsttag sah auf dem Bildschirm prächtig aus, die satten Blätterfarben in rot, orange und gelb meistert der Camcorder ebenso erfolgreich, wie er die braunen Schattierungen durchdifferenzierte. Nichts knallt heraus, drängt sich in den Vordergrund oder säuft im Ungefähren ab.

Einige Testaufnahmen, die film-tv-video.de mit dem PXW-FS7 aufgenommen hat.

Die Bilder wirken einfach stimmig und sehr angenehm, dabei sind sie auch weitestgehend frei von aufdringlich aufgesteilten Schärfesimulationen oder elektronisch glattgebügelten Anti-Rausch-Bildern, die bei vielen anderen Camcordern für einen eher kalten, künstlichen Bildeindruck sorgen.

Auch bei Nachtaufnahmen leistet der FS7 Erstaunliches — und wenn man ihn mit lichtstarken Objektiven kombiniert, operiert man weder beim Dreh, noch in der Nachbearbeitung nah am Limit, sondern hat jeweils noch ziemlich viel Spielraum und Flexibilität, um nicht nur irgendwelche Nachtbilder zu kreieren, sondern deren Look zu gestalten und zu bestimmen.

Generell entspricht der Look, den der FS7 ermöglicht, voll dem aktuellen Trend: Dank Single Sensor zaubert der Camcorder auf Wunsch Bilder mit geringer Schärfentiefe und unterstützt so das Spiel mit der Schärfe.

Sehr eindrucksvoll sehen auch die Zeitlupen aus, die mit dem FS7 möglich sind: flüssige und sanfte Bewegungen bei gleichzeitig eindrucksvoller Schärfe und großem Detailreichtum.

Im Test kam ausschließlich interne Aufzeichnung zum Einsatz. Es wurden Bilder in 4K und HD aufgenommen, mit verschiedenen Gammakurven. Es entstanden Bilder, die man direkt verwenden könnte, und solche, die erst im Grading ihre Kraft entfalten.

In beiden Aspekten muss sich der FS7 nicht verstecken: Selbst bei den gegenüber externer Raw-Aufzeichnung natürlich beschränkten Möglichkeiten, intern Bilder mit »Grading-Reserve« aufzuzeichnen, bleibt ein enormer Spielraum für die kreative Bildgestaltung in der Postproduction, wenn man entsprechend belichtet und mit logarithmischen Cine-Gamma-Kurven arbeitet.

Einige Testaufnahmen, die film-tv-video.de mit dem PXW-FS7 aufgenommen hat.

Derzeit gibt es keine wirklich praktikable Möglichkeit, die visuellen Testergebnisse angemessen zu präsentieren, deshalb haben die angefügten HD-Clips nur illustrierenden Charakter und zeigen einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten. So kann man etwa den in den Originalaufnahmen deutlich sichtbaren Unterschied in der Detailwiedergabe zwischen UHD und HD nicht zeigen, weil diese Unterschiede bei der Kodierung des Materials vor dem Upload weitgehend verloren gehen.

Fazit

Das Bestechende am FS7 ist die sehr gute Bildqualität im Verhältnis zum Gerätepreis. An Ergonomie, Handling und Bedienung des Camcorders haben die Tester hingegen einige Kritikpunkte gefunden. Wenn man aber den FS7 unter diesen Aspekten mit anderen Kameramodellen der jüngeren Zeit vergleicht — aus dem gleichen Haus und auch von der Konkurrenz — dann liegt er aber auch in diesen Aspekten ganz sicher nicht in der unteren Hälfte. Bild top, Handling Mittelfeld — das subsummiert vielleicht am besten den Eindruck der Tester.

Der Single-Sensor-Look des FS7, seine hohe Lichtempfindlichkeit, die 10-Bit-Aufzeichnung und die Möglichkeit, auch mit S-Log und in 4K /UHD drehen zu können, machen den neuen Sony-Camcorder zu einem Gerät, das seinen Markt finden wird — auch weil der FS7 mehr als die meisten anderen aktuellen Camcorder die Brücke schlägt zwischen »Filmlook« und klassischem Broadcast-Schultercamcorder. Das von Sony angebotene Zubehör, besonders das Erweiterungsmodul XDCA-FS7, verbreitert das Anwendungsgebiet für diesen Camcorder.

Angesichts des vergleichsweise niedrigen Preises werden zweifellos viele Anwender bei diesem Angebot zugreifen.

Einige Testaufnahmen, die film-tv-video.de mit dem PXW-FS7 aufgenommen hat.

 

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Autor
red
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