Kamera, Making-of, Postproduction, Top-Story: 14.12.2017

Mit diesen Kameras werden Netflix-Produktionen gedreht

Für seine Eigenproduktionen, die »Netflix Originals«, erlaubt Netflix den Einsatz bestimmter Kameras und Workflows. Welche Kameras offiziell erlaubt sind und ein paar Beispiele dafür, welche davon bei welchen Produktionen genutzt wurden, listet dieser Artikel auf.

Der folgende Artikel basiert auf Recherchen und einem englischsprachigen Artikel von Michael Maher. Der Beitrag über Netflix-Produktionen erscheint hier in übersetzter Form mit freundlicher Genehmigung von PremiumBeat.com.

Netflix, Logo
Netflix streamt seine Inhalte auf eine Vielzahl von Endgeräten. Um dabei jeweils optimale Qualität bieten zu können, legt das Unternehmen in der Produktion bestimmte Mindestanforderungen fest.

Netflix streamt seine Inhalte  auf eine große Vielzahl von Endgeräten. Um hierbei eine hohe Qualität gewährleisten zu können, verlangt Netflix, dass die Produktionen mit mindestens 4K Auflösung produziert werden. Netflix bietet hierzu ein PDF mit relativ genauen Spezifikationen zum Download an (siehe Textende).

Sensor, Venice, Sony
Mindestens 4.096 Photosites horizontal muss der Kamerasensor bieten, um eine Kamera als Primary Camera für eine Netflix-Produktion zu qualifizieren.

Die dort genannten Vorgaben betreffen in erster Linie den Content, den Netflix selbst produziert. Natürlich kann man auch mit anderem, als dem von Netflix spezifizierten Equipment arbeiten und hoffen, dass Netflix nachträglich die Distributionsrechte erwirbt — aber wenn man die Standards von vornherein einhalten oder am Set einer der Netflix-Produktionen arbeiten will, muss man die im folgenden genannten Kameratypen benutzen oder solche, die ebenfalls die erläuterten Specs einhalten.

Grundlegende Kamera-Anforderungen von Netflix

Es gibt für Netflix-Produktionen zwei Kameraklassifizierungen: erste und zweite Kamera (Primary und Secondary).

Die erste ist die Hauptkamera. Sie muss einen echten 4K-Sensor haben, mit mehr als 4.096 Photosites horizontal.

Die zweite Kamera kann genutzt werden, um Zwischenschnitte (B-Roll) oder anderes, zusätzliches Material aufzunehmen. In diese Kategorie fallen etwa Crash-Cams, Luftbildkameras, POV- und Unterwasserkameras.

Menü, C200
Auch bei den zu verwendenden Gammakurven macht Netflix klare Vorgaben.
Erste Kamera: Eckdaten
  • Echter 4K-Sensor (mindestens 4.096 Photosites horizontal)
  • Mindestens 16-Bit-Linear oder mindestens 10-Bit-Log-Signalverarbeitung
  • Aufnahmeformat: Raw (unkomprimiert oder mit geringer Kompression) oder Log
  • Bei Log-Aufnahmen kommen die folgenden Gammakurven/Farbräume in Frage (und möglicherweise noch weitere): S-Log3, V-Log, CanonLog3, RedLogFilm, BMDLog, LogC
  • Originalmaterial darf keine festgeschriebenen Looks, LUTs oder Farbkorrekturen beinhalten
  • Originalmaterial muss alle Metadaten enthalten: Clip-Name, Timecode, Framerate, ISO, Weißabgleichswert
  • Bildseitenverhältnisse von 2:1 oder größer müssen vorab mit Netflix evaluiert und diskutiert werden, sie erfordern die Zustimmung von Netflix
  • Es müssen Framing Charts aufgenommen werden, bevor die Hauptdreharbeiten beginnen. Diese werden auch genutzt, um die Dailies-Pipeline auszuprobieren, über die das Material mit Redaktion, Postproduction und VFX geteilt wird
Zweite Kameras: Test erforderlich

Alle Kameras, die neben der ersten Kamera eingesetzt werden sollen, müssen von Netflix genehmigt werden. Um das zu erreichen, müssen sie getestet werden. Die Testaufnahmen müssen den Dailies-Workflow durchlaufen und der Postproduction zur Verfügung gestellt werden, um die Kompatibilität zur ersten Kamera sicherzustellen.

Kamera, Alexa 65, Arri
Die Alexa 65 erreicht alle von Netflix geforderten Specs mit Leichtigkeit.
Liste von Netflix genehmigter Kameras
  • Arri Alexa 65 (Infos): 6K, 6.560 x 3.100, Arriraw
  • Blackmagic Ursa: 4,6K, 4.608 x 2.592, CinemaDNG Raw
  • Blackmagic Ursa Mini 4.6K (Test): 4,6K, 4.608 x 2.592, CinemaDNG Raw
  • Canon C300 MK II (Test): 4K, 4.096 x 2.160, Canon Raw, XF-AVC (4K)
  • Canon C500 (Infos): 4K, 4.096 x 2.160, Canon Raw, XF-AVC (4K)
  • Canon C700 (Test): 4,5 K, 4.512 x 2.376; 4K, 4.096 x 2.160, Canon Raw, XF-AVC (4K), ProRes HQ (4K)
  • Panasonic Varicam 35 (Infos): 4K, 4.096 x 2.160, V-Raw, AVC-Intra 4K
  • Panasonic Varicam LT (Test): 4K, 4.096 x 2.160, V-Raw, AVC-Intra 4K
  • Panavision DXL (Infos): 8K, 8.192 x 4.320, Redcode Raw
  • Red Epic/Weapon Dragon (Infos): 6K, 6.144 x 3.160, Redcode Raw
  • Red Weapon Helium (Infos): 8K, 8.192 x 4.320, Redcode Raw
  • Sony F55 (Test): 4K, 4.096 x 2.160, F55 Raw, XAVC (4K)
  • Sony F65 (Infos): 4K, 4.096 x 2.160, F65 Raw F65 Raw-Lite, XAVC (4K)
  • Sony FS7 (Test): 4K, 4.096 x 2.160 XAVC (4K)
Kamera, Sony, Venice
Die von Sony angekündigte Venice wird die Netflix-Specs ebenfalls übertreffen, aber sie ist noch nicht verfügbar.

Es gibt weitere Kameras, die die genannten Specs erfüllen — und es sind auch noch weitere angekündigt, jedoch noch nicht verfügbar.

Auch wurden die im folgenden genannten Produktionen nicht ausschließlich mit den genannten Kameras gedreht: So kam etwa bei »Last Chance U« sogar eine A7S von Sony zum Einsatz. Zeit also, einen Blick auf konkret bei einzelnen Netflix-Produktionen genutztes Equipment zu werfen.

Kameras (und weitere Produktionsdaten) einiger populärer Netflix-Produktionen
Mindhunter
Dieses von Red-Chef Jarred Land publizierte Foto zeigt die Spezialanfertigung der Red Dragon Xenomorph für David Fincher.

Für »Mindhunter« baute Red eigens eine Kamera namens Xenomorph für David Fincher. Weitere Daten:

  • Red Xenomorph Dragon
  • Red Dragon
  • Leica Summilux-C-Objektive
  • Bildseitenverhältnis: 2,2 : 1
  • Dolby Vision
  • HDR10
  • Redcode Raw (6K)
Stranger Things
Netflix, Set-Foto, Stranger Things, Netflix-Produktionen
»Stranger Things« wurde mit Red-Kameras gedreht.

Für die Staffeln 1 und 2 von »Stranger Things« wurden Red-Kameras genutzt.

  • Red Epic Dragon (1. Staffel)
  • Red Weapon Helium (2. Staffel)
  • Leica Summilux-C-Objektive
  • Redcode Raw (6K und 8K)
Master of None
Netflix, Master of None, Set-Foto, Netflix-Produktionen
Bei der Comedy-Serie »Master of None« wurde mit Varicams gedreht.

Bei der Comedy »Master of None« von Aziz Ansari fiel die Wahl auf Kameras von Panasonic.

  • Panasonic Varicam 35
  • Objektive: Cooke Speed Panchro, Varotal, Zeiss Super Speed, Angenieux HR, Optimo
  • P2
  • Bildseitenverhältnis: 2,35 : 1
American Vandal
Netflix, American Vandal, Set-Foto, Netflix-Produktionen
Bei »American Vandal« waren diverse Kameras im Einsatz, Hauptkamera war aber eine Red Weapon Dragon.

Eine Besonderheit von »American Vandal« besteht darin, dass hier ganz unterschiedliches Material verwendet wurde. Als erste Kamera kam eine Weapon Dragon von Red zum Einsatz, aber in dieser Produktion wurde sogar horizontal und vertikal gefilmtes iPhone-Material verwendet.

  • Red Weapon Dragon
  • Objektive: Leica Summicron-C-Festbrennweiten, Fujinon Cabrio
  • Apple iPhone
  • Bildseitenverhältnis: 2 : 1
Ozark
Panasonic, Varicam, Kamera
Bei »Ozark« kamen Varicams zum Einsatz.

Bei »Ozark« wurden Varicams von Panasonic verwendet, hierbei lobten die Beteiligten unter anderem die Dual-ISO-Funktionalität und die realistische Farbwiedergabe, besonders im Grünbereich.

  • Panasonic Varicam 35
  • Objektive: Cooke S4, Zeiss Super Speed, Hawk V-Lite, V-Lite Vintage ’74 Lenses
  • Netflix, Unbreakable Kimmy Schmidt, Set-Foto, Netflix-Produktionen
    Mit Red-Kameras gedreht: »Unbreakable Kimmy Schmidt«.

    Bildseitenverhältnis: 2 : 1

Unbreakable Kimmy Schmidt

Die Comedy-Serie »Unbreakable Kimmy Schmidt« wurde mit Red-Dragon-Kameras als erster Kamera realisiert.

Orange is the New Black
Netflix, Orange is the new Black, Set-Foto, Netflix-Produktionen
Eine der wenigen Netflix-Serien, die mit Arri-Kameras gedreht wurden: »Orange is the New Black«.

»Orange is the New Black« ist eine der wenigen Netflix-Produktionen, die mit Arri-Kameras realisiert wurde — und das trotz der Tatsache, dass die Alexa bei großen Produktionen im Kinobereich absolut dominant ist. In früheren Staffeln dieser Serie und in einzelnen Folgen kamen neben der Alexa auch Varicams zum Einsatz.

  • Arri Alexa
  • Objektive: Cooke 5/i -Familie
  • Panasonic Varicam
  • Bildseitenverhältnis: 1,78 : 1
Netflix Marvel Original Series
Red Dragon, Kamera
Mit Red-Kameras wurde auch die Marvel-Serien für Netflix gedreht.

Für die Produktionen aus dem Marvel-Superhelden-Universum kamen fast ausnahmslos Red-Kameras zum Einsatz. Das gilt für nahezu jede Folge von »Daredevil«, »Luke Cage«, »Jessica Jones« (Red Epic Dragon), sowie von »Iron Fist«, »The Punisher« und »The Defenders« (Red Weapon Dragon).

  • Red Epic Dragon
  • Objektive bei Daredevil: Zeiss Master Prime, Angenieux Optimo
  • Objektive bei Luke Cage: Panavision Primo, Cooke S4
  • Objektive bei Jessica Jones: Panavision PVintage
  • Red Weapon Dragon
  • Objektive bei Iron Fist: Panavison Primo 70
  • Redcode Raw
Last Chance U
Netflix, Last Chance U, Set-Foto, Netflix-Produktionen
Bei »Last Chance U« setzte das Produktionsteam auf Sony-Kameras der F- und der A-Serie.

Bei »Last Chance U« setzte das Produktionsteam auf Sony-Kameras der F- und der A-Serie. Zum Einsatz kamen die F55, die FS7 und in einigen wenigen Fällen auch eine A7S. Das Team hebt bei der F55 die Robustheit in Bezug auf Temperaturen und andere Umgebungseinflüsse und deren Global Shutter. Die Kamera wurde mit dem Raw-Recorder verwendet, um Teile in 4:4:4, 4K, Raw drehen zu können. Der größte Teil des Materials wurde aber in XAVC (4K) gedreht.

Icarus
C300, Canon, Kamera
Die C300 war Hauptkamera bei »Icarus« und »The Confession Tapes«.

Für den Dokumentarfilm »Icarus« wurde überwiegend mit einer C300 von Canon gedreht. Als Objektive kamen EF-Zooms der Typen 24-70, 16-35 und 70-200 zum Einsatz.

The Confession Tapes

Auch bei den »Confession Tapes« war eine Canon-Kamera im Einsatz, dieses mal eine C300 Mark II — meistens in Kombination mit einem EF-Zoom 30-105.

Anforderungen an Netflix-Produktionen

Netflix bietet Informationen zu seinen Produktionsanforderungen in Form eines PDF-Dokuments an. Dieses finden Sie in der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels aktuellen Version 2.1 hier hinterlegt. Möglicherweise stehen später hier aktuellere Versionen zur Verfügung.

Autor
Michael Maher
Bildrechte
Nonkonform, Archiv, Netflix, Devin Keebler / Netflix, Netflix/Panasonic, Jarred Land,
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