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HD at Work 2: Qualität durch Knowhow

Das TV-Bild wird jetzt richtig gut, fünfmal so scharf wie früher — sagt die HDTV-Werbung. Aber vor den neuen Bildern für Kino und TV kommen die Probleme: Das Arbeiten mit HDTV ist komplexer als alles bisher Bekannte: digital oder analog. Die zweite Veranstaltung der Reihe »HD at Work« im Babelsberger FX Center fokussierte auf das Thema »Alles zur HD-Aufnahme«. Der Zufall fügte es, dass die ARD am Vortag ihren offiziellen Einstieg in die HDTV-Ausstrahlung ab 2010 ankündigte.

Die Zeiten leicht überschaubarer Produktionsprozesse sind nach Ansicht vieler Branchen-Insider vorbei. »Es wird nie wieder nur einen Standard in der Akquisition geben«, so Martin Ludwig vom Ludwig Kameraverleih. Und das gilt wohl erst recht in der Postproduktion. Was an den Schnittstellen schief gehen kann, demonstrierte Gunter Puszkar von Postfactory sehr anschaulich anhand eines 10-Bit-Graukeilbildes. Nach Reduktion auf 8 Bit Datentiefe sind heftige und wandernde Sprünge im Verlauf und — abhängig vom Codec — in unterschiedlicher Stärke zu sehen. Mit einem 4K-Projektor von Sony auf der großen Leinwand wurde das und Anderes drastisch deutlich.

Heute müsse man »von hinten denken«, forderte Ludwig: Das gewünschte Ergebnis bestimmt demnach den Workflow in der Postproduktion und beides zusammen die Wahl des Aufnahmegerätes — und in beiden Bereichen steht reichhaltige Auswahl zur Verfügung. Wegen der vergleichsweise hohen Kompression stuft Ludwig dabei HDCAM nur als HD-Äquivalent von Betacam ein. HDCAM SR verbleibe trotz höherer Datenraten im Marktschatten, da es für die Kinoproduktion ungeeignet sei. So sieht Ludwig etwa auch bei Sonys neuer F23 Nachteile: Die in der Werbung genannten 22 Blendenstufen seien ohnehin nur eine Kenngröße des Sensors, den die Signalverarbeitung der Kamera gar nicht nutzen könne, die Auslegung von Sensor und dem Rest der Kamera passt aus Ludwigs Sicht nicht. An anderen Systemen kritisierte Ludwig die übermäßige Leistungsaufnahme.

Wichtige Eckpunkte für kommende Akquisitionssysteme sind aus Ludwigs Sicht: »Großer Bildsensor, optischer Sucher und Raw-Daten«. Das sieht Ludwig derzeit mindestens zum Teil bei Arris D20 und der noch nicht lieferbaren Red One umgesetzt, die stehen freilich für das High-End-Segment der Bildakquisition. Ein kostengünstiger und einfacher Workflow muss für diese Systeme erst noch etabliert werden. Stichwort Workflow: Wer bei der Originalaufnahme auf Festplatten speichert, dem empfiehlt Ludwig, einen Mitarbeiter speziell für die Datensicherung einzusetzen.

Dass Spielfilme aus 2.000 und mehr Einstellungen bestehen, sei heute durchaus üblich, erläuterte HFF-Professor Hans Hattop bei seinen Ausführungen zum Thema Kameraarbeit. Wegen der schnellen Bildfolgen müssten aber Schärfe und Unschärfe sehr präzise und ganz gezielt gesetzt werden, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers gezielt zu lenken. Das wiederum bedeutet nicht nur für den Schärfenassistenten neue Anforderungen: Mit 2/3-Zoll Sensoren ist das nämlich nur mittels langer Brennweiten zu erreichen – wenn diese am jeweiligen Drehort überhaupt einsetzbar sind. Daher lobte auch Hattop die größeren »Filmlike«-Sensoren. Aus dem Publikum kam dazu ein weiterer Hinweis: Die Schärfe von HD-Bildern müsse zwingend am HD-Monitor beurteilt werden, um vor »bösen Überraschungen« gefeit zu sein, die etwa auftreten könnten, wenn SD-Monitore genutzt werden.

Will man heute eine Produktion ans US-Fernsehen verkaufen, ist HD Pflicht. Eine Kalkulation »Kassetten und Digitalisierung gegen Festplatten« führte Daniel Petry von Context TV zudem zu der Erkenntnis, dass er mit dem Einsatz von Festplatten in seinem Beispiel vom Gesparten vier HD-Editcams von Ikegami kaufen konnte. Petry sieht einen wichtigen Vorteil darin, dass man im Aufnahmegerät den passenden Codec wählen kann, wodurch man sich die Datenkonversion sparen kann. Zwar »starben« einige Platten in Afrika den Hitzetod und die Speicher können nicht voll genutzt werden, weil sonst der Datentransfer die Arbeitsgeschwindigkeit der Datenträger überfordert. Dennoch will Petry »keine Bänder mehr haben«.

Professor Dietrich Sauter vom IRT brachte einen anderen Aspekt auf den Punkt: Zu den HDTV-Basisvarianten (1080p, 1080i, 720p, 720i) komme eine Vielzahl von Akquisitionssystemen, Codecs, Dateiformaten und Speichermedien. Fehlerquellen ergeben sich aus Sauters Sicht dann vermehrt an den Systemübergängen. Allein der Wechsel zwischen RGB und YUV könne, wegen der Änderung des Farbraumes, »wunderbare Aufnahmen versauen«. Konversionen jeglicher Art solle man also grundsätzlich wann immer möglich vermeiden. Hoffung auf Abhilfe verbindet Sauter mit dem Aufkommen des JPEG2000-Formats.

Dass man im Foyer an eine F23 und eine HD-Editcam Hand anlegen konnte, unterstrich den Praxisbezug der Veranstaltung ebenso, wie die Präsenz des Ü-Wagens Ü6-HD von Studio Berlin. Aus dem Truck wurden Live-Einblendungen und Sendebeispiele über den 4K-Projektor vorgeführt.

»HDTV muss keine Qualitäts-, sondern eine Knowhow-Diskussion nach sich ziehen«, bilanzierte Moderator Ernst Feiler von Grundy UFA. »HD at Work« soll das vorantreiben. Die 3. Veranstaltung mit dem Titel »HDTV — Format, Zeitplan und Inhalte« wird in die Medienwoche Berlin Brandenburg eingebettet. Die grundlegende Aufgabenstelleung der Weiterbildungsreihe sieht Andreas Vogel vom Veranstalter Pro Babelsberg ohnehin gegeben, bis HDTV die Haushalte erreicht hat.

Autor: Peter Dehn

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