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Filmtipps für das 34. Dokfest München 2019

Am 8. Mai 2019 begann das 34. Internationale Dokumentarfilmfestival München. 159 Filme aus 51 Ländern gibt es zu sehen.

Der Doku-Kameramann Hans-Albrecht Lusznat hat einige Filme schon gesehen und gibt hier seine ganz persönlichen Tipps ab.







Putin`s Witnesses [Wahlkampf 2000]

»Putin`s Witnesses«.

Vitaly Mansky hat als Dokumentarist des Russischen Fernsehens Ende 1999 beobachten können, wie Boris Jelzin den relativ unbekannten Putin durch einen vorzeitigen Rücktritt geschickt in das Amt des Präsidenten gehievt hat. Dabei hat er eine unglaubliche Nähe zu Putin entwickelt, und man erlebt die Präsidentschaftswahl 2000 aus einer Perspektive, die man kaum für möglich hält.

Der Filmemacher hat weitgehend die Kamera selber gehalten, was auf der einen Seite der Intimität förderlich, aber auf der anderen Seite der Qualität der Bilder abträglich ist. Interessant sind die Inneneinrichtung der postsowjetischen Machtzentren, schwülstig überladene Räume, andauernde Düsternis mit Deckenneonlicht und ein spießiges Verhalten wie in den 60er Jahren hierzulande.

Die Bauliche Maßnahme [Flüchtlinge]

»Die Bauliche Maßnahme«.

Brenner/Brennero ist sicher kein Sehnsuchtsort zum Verweilen. Hier verläuft die Grenze zwischen Österreich und Italien. Der Filmemacher beobachtet in langen, gut kadrierten Einstellungen das Geschehen von der Seite der Österreicher.

Seit in Wien populistische Töne bevorzugt werden, droht ein Zaunbau am Brenner zwecks Gefahrenabwehr. Die Grenzpolizei vor Ort beschwichtigt und kontrolliert ab und zu das bereits gelieferte und eingelagerte Zaunbaumaterial. Die Filmemacher besuchen die Menschen im Umfeld, um ihre Meinung zu ergründen. Lustigerweise besteht ein Tief-Bohrtrupp für den Brennerbasistunnel überwiegend aus afrikanischen Spezialisten. Das ganze ist eine momentane Stimmungsaufnahme in beruhigenden, gut fotografierten Bildern.

Master of Disaster [Katastrophen-Mangement]

Wie Pat und Patachon streifen Hans Walter Borries und Volker Schmittchen durch Vororte und Industriegebiete, denken sich Szenarien aus, wie wertvolle Infrastruktur durch nachlässige Sicherheitsvorkehrungen bedroht sein kann, was sicher nicht uneigennützig geschieht, denn die beiden älteren Herren sind Geschäftsführer eines auf Sicherheitsfragen spezialisierten Instituts. Dazwischen gibt es immer wieder Katastrophenschutzübungen, bei denen Feuerwehr und Rettungskräfte mit sehr vielen Statisten den Unglücksfall üben.

Eines wird sofort klar: Je sicherer die Welt in Hinblick auf potenzielle Gefahren wird, umso weniger werden wir sie mögen.

»Master of Disaster«.

100 Million Views [Geschäftsmodell Youtube-Kanal]

»100 Million Views«.

Itamar Rose hat einen Youtube-Kanal, der mehr oder weniger vor sich hin dümpelt. Jetzt will er wissen, wie man erfolgreicher Youtuber wird und startet einen Selbstversuch, zunächst damit, dass er sein Konterfei und seine Rückansicht auf ein T-Shirt druckt und ein Markenzeichen setzt. Er begegnet erfolgreichen Youtubern und beleuchtet die Hintergründe und auch das Desaster, das einen ereilen kann, wenn man sein Geschäftsmodell von einer Firma abhängig macht, auf die man keinen Einfluss hat. Weil Filter die Videos einer Youtuberin als unpassend einstuften und aus dem Netz tilgten, hat sie sich das Leben genommen.

Der Film ist eine interessante Reise durch das Youtube-Imperium – auch weil der Protagonist in seiner linkischen Art als Antiheld die Reise begleitet.

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Push, Die Rote Linie, Woodstock
Seite 3: Putin’s Witnesses, Bauliche Massnahme, Master of Disaster, 100 Million Views
Seite 4: Bellingcat, Rockabul, O’pflanzt is, The Whale and the Raven, Where man returns
Seite 5: Sie ist der andere Blick, Shooting, Die Grube, Gruyaert, War of Art

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Autor: Hans-Albrecht Lusznat

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