Kamera, Test, Top-Story: 08.07.2005

Die nächste Dimension

Panasonic präsentiert mit P2 eine neue Camcorder- und Recorder-Generation, die nicht mehr auf Band, sondern auf ein Festspeichermedium aufzeichnet. Ist das Equipment schon praxisreif? www.film-tv-video.de hat es ausprobiert. (PDF-Version mit weiteren Infos und Fotos verfügbar, Download am Ende des Textes.)

Computer sind überall und es gibt sie in allerhand Bauformen, nun auch zum schultern, als Camcorder. So könnte man die wesentliche Änderung zusammenfassen, die P2 für die professionelle Videotechnik bedeutet und man würde sich damit im Einklang mit dem Hersteller befinden: Panasonic propagiert, mit P2 ende das Zeitalter von ENG, also Electronic News Gathering, jetzt beginne ING, IT-based News Gathering. Eines stimmt ganz sicher: Auch wenn der aktuelle P2-Camcorder AJ-SPX800 äußerlich noch so aussieht wie ein klassischer ENG-Camcorder, sein Konzept ist ungleich anders.
Panasonic hat mit P2 die Zukunft ausgerufen und liefert schon seit einiger Zeit eine komplette Gerätefamilie aus, die nicht mehr auf Band, sondern auf P2-Festspeicherkarten speichert. Ein neues Bandformat soll es aus dem Hause Panasonic nicht mehr geben. Jetzt sei die Zeit reif für den Übergang in die bandlose Zukunft, so Panasonic, denn immer mehr Fernsehsender, Produktions- und Postproduktionshäuser setzten auf IT-Strukturen und vollzögen den Wechsel von der Video- in die IT-Welt – von der bandbasierenden hin zur bandlosen Produktion.

P2: Die Besonderheiten
Was sind die Besonderheiten der P2-Geräte? Das neue Speichermedium bringt erweiterte Funktionalität und eine neue Art der Aufzeichnung mit sich. Bei P2 werden DVCPRO und DVCPRO50-Signale als MXF-Dateien aufgezeichnet. MXF ist ein standardisiertes Daten-Austauschformat, das Video-, Audio- und Metadaten enthält. Dabei fungiert MXF im Prinzip als File-Hülle (Wrapper), die im Fall von P2 DVCPRO-, DVCPRO50- und künftig auch DVCPROHD-Signale enthalten kann. Ein MXF-File kann aber auch DVCAM– oder IMX-Daten enthalten, so nutzt etwa Sony bei XDCAM ebenfalls MXF. (Einen separaten Artikel zu MXF finden hier)
Mit MXF als Wrapper ist es prinzipiell möglich, Clips per File-Transfer zwischen den Systemen ganz unterschiedlicher Hersteller zu übertragen, unabhängig vom Format der enthaltenen Nutzdaten. Bei P2 stehen die DVCPRO-/DVCPRO50-Signale sogar in Form von MXF-Files direkt auf der Karte für weitere Bearbeitungsschritte zur Verfügung. Schließt man eine P2-Karte an ein Schnittsystem an, wird sie wie eine Festplatte erkannt und der Computer kann auf die Files zugreifen. Zumindest prinzipiell funktioniert das so und ist auch in der Praxis schon realisiert, auch wenn es teilweise noch die eine oder andere Hürde gibt – dazu später mehr.
Interessant: In die P2-Karte sind tatsächlich vier einzelne SD-Karten eingebaut, zudem ein Controller, der die Verteilung der Daten steuert und die notwendige Bandbreite sicherstellt. Sollte eine P2-Karte äußerlich beschädigt werden oder einen inneren Defekt aufweisen, können die Karten von Panasonic geöffnet und repariert werden.
Die prinzipiellen Vorteile von P2 liegen überwiegend in der weiteren Verarbeitung der Aufzeichnungen, aber es gibt auch funktionale Vorteile, die man schon im Camcorder nutzen kann, Details dazu finden Sie im Camcorder-Abschnitt dieses Artikels.
Es gibt aber zumindest derzeit auch noch ein paar prinzipielle Nachteile von P2: Die Speicherkarten sind teuer (4-GB-Nettopreis: 1.280 Euro) und die maximal verfügbare Kapazität wird wohl trotz zu erwartender, rascher Weiterentwicklung noch für geraume Zeit nicht ausreichen, um mit nur einer Karte pro normalem News-Einsatz auszukommen. Man braucht also mehrere Karten, um vernünftig arbeiten zu können und muss die Karten auch immer wieder leeren.

P2: Die Camcorder
Der erste Panasonic-P2-Camcorder ist der AJ-SPX800, der zum Praxistest im Team mit einem 14fach-Objektiv von Canon antrat. Zur NAB2005 zeigte Panasonic mit dem SPX900 zudem eine Variante des 800ers, die mit einem zweiten Filterrad ausgerüstet, was die Fernsehsender gefordert hatten, die schon mit P2 arbeiten. Weiter stellte Panasonic mit dem AJ-SPC700 einen neuen, etwas vereinfachten P2-Einsteiger-Camcorder vor, der etwa im Unterschied zum 800er nicht in 25p aufzeichnen kann, sondern in der europäischen Version ausschließlich für 50i ausgelegt ist.
Der getestete AJ-SPX800 sieht aus wie ein ganz normaler ENG-Camcorder. Statt Bandlaufwerk sind jedoch fünf Slots für P2-Karten integriert. Werden alle Slots mit den aktuell verfügbaren 4-GB-P2-Karten bestückt, können maximal 80 Minuten DVCPRO-Material ohne Kartenwechsel aufgezeichnet werden. Apropos Kartenwechsel: Einzelne Karten können während der laufenden Aufnahme ausgetauscht werden, dadurch ist bei entsprechender Kartenanzahl oder Infrastruktur (mit Kopierstation) auch die unterbrechungsfreie Endlosaufzeichnung möglich. Während der Camcorder noch auf einer der Karten aufzeichnet, was an einer leuchtenden LED zu sehen ist, kann der Kameramann die anderen Karten einfach heraus ziehen und durch neue ersetzen. Selbst wenn ein einzelner Clip über mehrere Karten läuft, zeigten sich im Test keine Probleme: Das wird erkannt und problemlos verarbeitet.
Der Camcorder ist mit 2/3-Zoll-CCDs ausgerüstet (je 600.000 Pixel) und lässt sich zwischen 4:3- und 16:9-Aufzeichnung umschalten.
Das Gewicht des Camcorders überrascht: Mit rund 7,5 kg inklusive Akkus ist der 800er zwar im Vergleich zu Camcordern ähnlicher Bauart nicht übermäßig schwer, aber man hätte von einem Camcorder mit Baujahr 2004, der kein Bandlaufwerk braucht, eigentlich doch weniger erwartet, eher in Richtung 6 kg. An den P2-Karten kann es nicht liegen, die wiegen nämlich pro Stück nur rund 40 g. Ein Gesamtgewicht von 7,5 kg liegt aber aus Sicht der Tester immer noch klar oberhalb der Komfortgrenze.
Das Aufnehmen, also das eigentliche »Drehen« mit dem P2-Camcorder, unterscheidet sich in den Grundzügen nicht vom Arbeiten mit einem bandbasierten Camcorder, alle Basisfunktionen sind gleich geblieben: Man kann mit diesem Camcorder arbeiten wie gewohnt, er fordert keine prinzipiellen Einschränkungen, bietet aber eine ganze Palette systembedingt möglicher Zusatzfunktionen.
Panasonic hebt in verschiedenen Unterlagen die prinzipiell geringe Leistungsaufnahme von P2-Equipment hervor. Dennoch ist der Camcorder standardmäßig mit einem Akkugehäuse bestückt, das zwei Akkus fasst. In der Praxis zeigte sich, dass das auch sinnvoll ist – auch allein schon deshalb, weil man mit den vielen neuen Möglichkeiten den Camcorder auch jenseits des reinen Aufnahmebetriebs wesentlich mehr nutzt, um etwa Material noch einmal auf dem integrierten Schirm anzusehen, zu markieren oder zu löschen. Außerdem ist die von Panasonic angegebene Leistungsaufnahme von 26 bis 28 Watt nicht gerade rekordverdächtig niedrig. Der insgesamt also sehr sinnvolle zweite Akku trägt aber natürlich seinen Teil zum Gesamtgewicht bei.
Positiv fällt auf, wie extrem schnell der Camcorder in den Aufnahmemodus schaltet – das erfolgt praktisch ohne Zeitversatz. Damit kann kein Band-Camcorder mithalten, und der Camcorder schaltet auch schneller in Aufnahme als der XDCAM-Camcorder von Sony.
Bei der Aufzeichnung selbst bietet P2 etliche schöne Funktionen – so kann der Camcorder in einer Endlosschleife aufzeichnen oder aber mit bis zu 15 Sekunden »Pre-Record« aufnehmen – drückt man in diesem Modus auf die Starttaste, hat man auch die 15 Sekunden vor dem Tastendruck im Kasten. Besonders für News-Teams sind solche Funktionen nützlich.
Per Tastendruck lassen sich gute Szenen markieren, und mit einer weiteren Taste können über ein eingebautes, zusätzliches Mikrofon sogar kurze Audiokommentare zu jeder Szene aufgesprochen werden, die als Metadaten abgelegt werden. Das funktioniert auch nachträglich, muss also nicht zwingend während des Aufnehmens erledigt werden.
Die Möglichkeit, neben Bild und Ton noch verschiedene Metadaten aufzuzeichnen, eröffnet neue Arbeitsweisen – vorerst allerdings nur in der Theorie, denn die gängigen Schnittsysteme sind derzeit noch nicht in der Lage, diese Metadaten zu verarbeiten. Im Praxisalltag dürften diese Zusatzfunktionen also derzeit kaum sinnvoll nutzbar sein.
Vergleichsweise komfortabel ist die Clip-Verwaltung, die der Camcorder bietet: Von jeder aufgezeichneten Szene ist auf dem farbigen LC-Display des Camcorders ein Piktogramm zu sehen, das sich in verschiedenen Größen darstellen lässt. Einzelne Clips können markiert, selektiert und in einer Play-Liste zusammengefasst werden. Echtes, autarkes Editing direkt im Camcorder ist aber (noch) nicht möglich, man kann die aufgenommenen Clips im Camcorder nicht trimmen oder splitten. Dennoch: Der Camcorder ist immerhin in der Lage, die markierten und zu einer Play-Liste arrangierten Clips fließend und störungsfrei wieder zu geben.
An der einen oder anderen Stelle wünscht man sich bei den hierfür notwendigen Bedienoperationen noch etwas mehr Komfort, aber im Zeitalter der Handy-Menüführung ist man in dieser Beziehung ja einiges gewohnt. Außerdem geht nach Panasonic-Angaben die Software-Entwicklung ungebremst weiter, es könnte hier also rasch Besserung eintreten.
Beim Panasonic-P2-Camcorder ist es möglich, einzelne Clips von der Karte zu löschen. Das ist einerseits ein Vorteil, weil man dadurch Szenen gleich vor Ort löschen kann, wenn Sie unbrauchbar sind und/oder die Speicherkapazität der Karte knapp wird. In der Hektik liegt darin aber natürlich auch das Gefahrenpotenzial ungewollter Löschung.
Flexibilität beweist der 800er bei der Aufzeichnung: Wie erwähnt, kann er DVCPRO, DVCPRO50 und sogar DV-Signale aufzeichnen – wahlweise in 50i oder 25P. Schönes Detail: Der Ton steht bei allen Formaten – auch bei DV – mit vier Kanälen in 48 kHz / 16 Bit zur Verfügung.
Wie schon der DVCPRO-Camcorder AJ-SD900 (Test online bei www.film-tv-video.de verfügbar) bietet auch der SPX800 viele Möglichkeiten, das Bild zu beeinflussen. Besonders positiv sind die verschiedenen Gamma-Modi, die sich einstellen lassen um das Bild zu verändern. Neu am 800er ist der Modus »News Gamma«, der helfen soll, das »Ausfressen« in kritischen Bereichen zu reduzieren und plötzliche Kontrastwechsel im Bild besser zu verarbeiten. Im Praxistest waren allerdings kaum Unterschiede zwischen dem News-Gamma und der Standard-Einstellung zu entdecken.
Ganz eindeutig wirkt sich hingegen der Super-Gain-Modus aus, mit dem sich das Bild um bis zu + 68 dB verstärken lässt. In dieser höchsten Verstärkungsstufe nimmt das Bildrauschen natürlich massiv zu, in den Stufen zuvor sehen die Bilder jedoch auch bei kräftiger elektronischer Verstärkung mehr als akzeptabel aus.
Wie die anderen aktuellen Panasonic-Profi-Camcorder ist auch der SPX800 mit der Scene-File-Funktionalität ausgerüstet. Damit lassen sich einmal gefundene Bildeinstellungen speichern und jederzeit wieder abrufen. Das ist sehr hilfreich, wenn sich bei Drehs bestimmte Standardsituationen wiederholen. Nützlich sind auch die frei belegbaren User-Tasten, auf die der Kameramann Funktionen seiner Wahl legen kann: per Menü kann aus einer Liste von 16 Möglichkeiten ausgewählt werden.
Aus allen bei diesem Camcorder vorliegenden Menüpunkten lässt sich zudem eine individuelle User-Menüseite zusammenstellen. Wer schon mal verzweifelt in diversen Untermenüs nach dieser einen Einstellmöglichkeit gesucht hat, die man grade dringend brauchen könnte, der weiß, wie segensreich diese Funktion ist.
Positiv bewerten die Tester auch den vollautomatischen Auto-Tracing-Weißabgleich, der beim SPX800 schnell reagiert und nur sehr selten zu Ergebnissen führt, die man manuell korrigieren muss.
Ein schönes Hilfsmittel ist die in Position und Größe frei im Bildausschnitt verschiebbare User-Box, die das gezielte Messen von Belichtungswerten, aber auch das perfekte Einrichten des Camcorders auf vorgegebene Bildausschnitte ermöglicht. Mit Y-Get kann der Camcorder zudem ermitteln und anzeigen, welchen Helligkeitswert in Prozent er im Messfenster erfasst.
Insgesamt ist die Bildqualität, die der Camcorder bietet, absolut überzeugend, es gibt keinerlei Unterschied zu Band-Camcordern der gleichen Preis- und Leistungsklasse: Auflösung und Schärfeeindruck der SD-Bilder sind selbst in anspruchsvollen Bilddetails sehr gut, die Farbwiedergabe ist über jeden Zweifel erhaben und lässt sich ja zudem auch noch in zahllosen Parametern individuell anpassen, falls es Bedarf dafür gibt.
Bei einem Camcorder noch ungewohnt: Der SPX800 hat eine USB-2.0-Schnittstelle, über die man ihn an nonlineare Schnittsysteme anbinden kann.
Auf der Oberseite des Camcorders finden sich unter Abdeckungen zwei weitere Slots: Einer kann einen Funk-Audioempfänger aufnehmen, der andere ist für die optionale Proxy- oder W-LAN-Karte vorgesehen. Auf Wunsch kann der Camcorder gleichzeitig zur Aufnahme mit voller Auflösung auch eine Low-Res-Version des Materials aufzeichnen oder per W-LAN-Verbindung kabellos aussenden, um damit schon loggen und vorschneiden zu können, bevor das Material in hoher Auflösung zur Verfügung steht.

P2: Der Recorder
Wie der P2-Camcorder AJ-SPX800 ist auch der P2-Recorder AJ-SPD850 mit fünf P2-Slots ausgerüstet und kann bei voller Bestückung mit den aktuell verfügbaren P2-Cards wahlweise 80 Minuten DVCPRO– oder 40 Minuten DVCPRO50-Material aufzeichnen. Auch DV-Material kann der Recorder speichern.
Rein äußerlich sieht der AJ-SPD850 zwar aus wie ein typischer Band-Recorder, er verfügt etwa über ein Jog/Shuttle-Rad und die üblichen Laufwerkstasten sowie klassische Video- und Audioschnittstellen. Er bietet aber zusätzlich IT-Funktionalität und kann Material via USB, IEEE-1394 (optional) oder Ethernet ausgeben. Außerdem ist ein zusätzlicher Slot für eine »normale« SD-Card vorgesehen, über die sich dann beispielsweise EDLs oder Playlists speichern und ausgeben lassen.
Dank integriertem 3,5-Zoll-Display ist das aktuelle ausgegebene Bild des Recorders immer zu sehen, und es ist möglich, bestimmte Stellen im Material mit bis zu 100fachem Suchlauf vorwärts und rückwärts bei voller Farbwiedergabe zu suchen. Eine variable Wiedergabe erlaubt Zeitlupeneffekte von -1,0 bis +1,0 gegenüber Normalgeschwindigkeit.
Umfassender als beim Camcorder sind beim Recorder die integrierten Editing-Funktionen ausgelegt und sie sind beim Recorder auch deutlich komfortabler zu bedienen. Wer etwa eine Playliste bearbeitet, kann hierzu mit In-/Out-Tasten arbeiten, wie man sie von gängigen Editing-Recordern her kennt. Auf diese Weise lassen sich bis zu 100 Szenen in einer Liste speichern und vom Recorder wiedergeben. Audio Split Editing wird allerdings in der aktuellen Software-Version nicht unterstützt.
Panasonic hat auch die Möglichkeit vorgesehen, den Recorder mit einem DVD-Brenner zu bestücken (DVD-R/DVD-RAM), so dass sich Material von den Speicherkarten auch vergleichsweise kostengünstig und einfach mit nur einem Gerät kopieren und archivieren lässt.
Standardmäßig ist der AJ-SPD850 mit AV-Ein- und Ausgängen für analoge Komponenten-, Composite- und Referenz-Videosignale bestückt. Es stehen I/Os für digitale Audiosignale (AES/EBU, Kanal 1 bis 4), analoges Audio (XLR), Monitor und Timecode bereit. Optional bietet Panasonic Interfaces für SDI (mit Embedded Audio) und IEEE-1394 an. Die Fernsteuerung des Studiorecorders ist über RS-422A- und RS-232C-Schnittstellen möglich.

P2: Das Drive
Das P2-Laufwerk AJ-PCD10 lässt sich extern betreiben, aber auch in einen Tower-PC einbauen. Es bietet ebenfalls Platz für fünf P2-Karten und findet via USB-2.0-Anschluss an NLE-Systeme oder Rechner.
Im Praxistest funktionierte das Laufwerk im Zusammenspiel mit verschiedenen PCs reibungslos, beim Anschluss an einen Mac ließ sich das Laufwerk allerdings nicht in jedem Fall steuern und nutzen (näheres dazu im Abschnitt »P2-Integration«). Panasonic legt derzeit nur Treiber für die Windows-Plattform bei.

P2: Software-Player
Neben Camcorder, Recorder und P2-Drive gibt es noch eine weitere Möglichkeit, P2-Karten abzuspielen: Sie passen in den PCMCIA-Slot von PCs und das auf der Karte gespeicherte Material kann mit einer von Panasonic verfügbaren Viewer-Software abgespielt werden. Audio, Video, Timecode und Metadaten wie die Voice-Marker stehen zur Verfügung, das Material kann geloggt, markiert und kopiert werden. Dabei werden die zugefügten Informationen auch wieder direkt auf der P2-Karte abgelegt. Richtig schneiden kann man mit der Viewer-Software aber nicht.

Fazit
Das P2-Konzept überzeugt durch sauberes Handling der MXF-Daten und durch ein großes Zukunftspotenzial. Fernsehsender, die bereit sind, ihre Workflows zu ändern und die sich auf effektiver Abläufe einlassen, finden in P2 eine zukunftsweisende Gerätefamilie, die schnelleres Arbeiten erlaubt und gerade im News-Geschäft viele Vorteile bietet. Das verfügbare Equipment ist noch nicht in allen Aspekten ausentwickelt, aber man kann gut damit arbeiten.
Für Produktionsfirmen ist P2 derzeit vor allem dann geeignet, wenn eher kürzere Magazinbeiträge produziert werden. Bei Langzeit-Dokus oder materialintensiven Produktionen dürfte es P2 aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten für P2-Karten und der noch geringen Speicherkapazitäten eher schwer haben. Aber das soll sich ja bald ändern, so Panasonic.
Kurzum: P2 ist im Vergleich zu XDCAM das weiter in die Zukunft weisende Format – im positiven wie negativen Sinn. Von der technischen Seite ist es interessanter und hat mehr Potenzial für zukünftige Entwicklungen. Es verlangt jedoch vom Kunden und vom Händler auch deutlich mehr Flexibilität und die Bereitschaft, sich auf neue Arbeitsabläufe einzulassen und neues Terrain zu betreten. Und das fällt bekanntlich manchem schwer.
Ein Aspekt ist dabei, dass es mit P2 – genau wie in der Digitalfotografie – keinen archivierbaren Träger für die Originalaufnahmen mehr gibt. Mit dieser stärkeren Trennung von Inhalt und Trägermedium muss man sich arrangieren, wenn man die Vorteile von P2 nutzen will.

Downloads zum Artikel:

T_0705_P2.pdf

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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